Centrotherm Photovoltaics
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Centrotherm: Kurs-Katastrophe oder Comeback des Jahres

Der in die Schutzschirminsolvenz gerutschte Solarmaschinenbauer Centrotherm steht vor der Rettung. Auch die Aktionäre erhalten wieder eine Perspektive. Doch Experten sind noch skeptisch.

Also doch. Centrotherm hat gute Chancen, als finanziell sanierte Gesellschaft zurückzukehren. Die Lösung: Schulden werden gegen neue Aktien getauscht. Konkret sieht der Insolvenzplan einen Kapitalschnitt im Verhältnis von 5:1 und eine anschließende Kapitalerhöhung auf das ursprüngliche Niveau vor. Dieser Debt-to-Equity-Swap bedarf jedoch der Zustimmung der Gläubiger und der Bestätigung durch das Insolvenzgericht.

Die Gläubiger der Gesellschaft sollen de facto für 70 Prozent ihrer Forderungen neue Aktien erhalten. Die Zahlung der verbleibenden 30 Prozent der Forderungen werde laut Centrotherm bis Ende 2015 unverzinslich gestundet. Bis dahin will der angeschlagene Solarmaschinenbauer die operative Trendwende geschafft haben. 2013 wird noch mit einem negativen EBITDA in Höhe von knapp 18 Millionen Euro gerechnet. 2014 und 2015 wird jedoch wieder auf ein positives EBITDA von jeweils 37 Millionen Euro gehofft. Einfach wird es nicht. Erst heute haben die Marktforscher von Solarbuzz darauf hingewiesen, dass die Aufträge für Solarmaschinen im dritten Quartal um weitere 30 Prozent eingebrochen sind.

Hohe Überkapazitäten

Auch das Zentrum für Solarmarktforschung bleibt gegenüber dem AKTIONÄR vorsichtig: "Auch wir gehen davon aus, dass sich der PV-Anlagenherstellermarkt erst 2014 wieder erholen wird. Die weltweit bestehenden Fertigungskapazitäten sind gegenwärtig nur zu 35 Prozent genutzt."

Altaktionäre verlieren

Stand heute ist Centrotherm eine überschuldete Solarfirma mit einer Marktkapitalisierung von knapp 30 Millionen Euro. Wird der Debt-to-Equity-Swap durchgeführt, halten Altaktionäre jedoch nur noch 20 Prozent an der AG. Eine automatische Kurs-Fünftelung bedeutet dies nicht unbedingt. Denn die Altaktionäre erhalten im Gegenzug eine größtenteils schuldenfreie Company. Zudem hat die Aktie schon viel der Verwässerung vorweggenommen.

Würde Centrotherm wirklich die angegeben Gewinnziele für 2014 erreichen, würde der aktuelle Kurs eine in etwa faire Bewertung widerspiegeln womit der Absturz der Aktie wohl gestoppt wäre. Doch das Solar-Marktumfeld bleibt aus Sicht des AKTIONÄRS extrem und die Erreichung der Planzahlen schwierig. Die verbliebenen Centrotherm-Mitarbeiter haben wieder eine Perspektive - ob das auch für die Aktie gilt, bleibt vorerst fraglich. Centrotherm ist derzeit eine Spielwiese für Zocker aber ein Minenfeld für konservative Anleger. Abwarten!

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