Brain Force Holding
- Werner Sperber - Redakteur

Brain Force überrascht positiv mit den Zahlen

Das IT-Dienstleistungsunternehmen Brain Force ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 in die Gewinnzone zurückgekehrt. Die Kursaufschläge belegen niedrigere Erwartungen des Marktes im Vorfeld. Allerdings ging der Gewinn vor allem auf einen einmaligen Sonderertrag zurück.

Die in Wien ansässige Brain Force Holding (bis April 2005 Brain Force Software) hat stürmische Zeiten hinter sich und einen grandiosen Kursverfall. Die Zahlen für das erste Quartal des Ende September ablaufenden Geschäftsjahres 2009/10 haben die Anleger allerdings positiv überrascht, wie die Kursgewinne belegen.

Der Konzern bietet Lösungen für die Informationstechnologie an. Dabei versorgt Brain Force vor allem Kunden aus der Telekommunikation, der Industrie, dem Handel, dem Transport, den Finanzen sowie dem öffentlichen Dienst mit Software und dazugehörigem Service für die Bereiche Infrastruktur, Dienstleistungen, Geschäftsabwicklung, branchenspezifische Anwendungen sowie Auslagerung von einzelnen Tätigkeitsfeldern ab. Das Unternehmen gliedert das operative Geschäft seit dem Jahr 2009 in die drei Segmente "Business Solutions", "Infrastructure Optimization" und "Professional Services".

Sondererlös und doch kein Geld

Im Schlussquartal des Kalenderjahres 2008 erzielte Brain Force einen Rekorderlös und die Erträge zählten zu den höchsten in der Konzerngeschichte. Im ersten Fiskalquartal 2009/10 verringerten sich im Vergleich dazu die Umsätze um 24 Prozent auf 21 Millionen Euro. Dabei sanken vor allem die wichtigen Lizenz-Erlöse deutlich. Der neue Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Hofer erklärte, die Einsparungen und Stellenstreichungen würden aber bereits Wirkung zeigen. Der Verkauf der Brain Force Software GMBH, Wien, für 3,8 Millionen Euro in bar an den 54,7-Prozent-Aktionär BEKO Holding habe einen Buchgewinn von 2,4 Millionen Euro eingebracht. Allerdings zahlt BEKO den Kaufpreis in zwei Tranchen am 5. Januar und am 31. März 2010.

Bleibt dieser Verkauf unberücksichtigt, verringerte sich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 51 Prozent auf 1,1 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 85 Prozent auf 0,2 Millionen Euro. Das Nettoergebnis, einschließlich dieses Buchgewinnes, verbesserte sich von minus 3,1 Millionen auf plus 2,4 Millionen Euro beziehungsweise plus 0,15 Euro je Aktie. Ohne den Buchgewinn belief sich der Ertrag je Anteilschein auf 0,00 Euro.

Der Auftragsbestand verringerte sich zum 31. Dezember um 48 Prozent auf 16,5 Millionen Euro. Wiederum bereinigt um den Wegfall des österreichischen Personal Services Geschäftes belief sch der Rückgang aber nur auf 43 Prozent. Bei einem Eigenkapital von 21,6 Millionen Euro und einer auf 40 Prozent gestiegenen Eigenkapitalquote läst sich der vorübergehend auf 7,8 Millionen Euro erhöhte Netto-Schuldenstand ertragen.

Ein positives EBIT bleibt das Ziel

Der Konzernchef will allerdings mit dem Verkaufserlös nicht nur die Netto-Verbindlichkeiten verringern, sondern auch in die Wachstums-Segmente Business Solutions und Infrastructure Optimization investieren. Dr. Hofer sagte: "Die Chancen stehen gut, dass wir bereits in Kürze den Ausbau unserer österreichischen Microsoft Dynamics Unit durch die Akquisition eines mittelständischen österreichischen Unternehmens beschleunigen." Ein solcher Zukauf werde aber den Wegfall der Brain Force Software GMBH, Wien, kurzfristig nicht ausgleichen können.

Zudem führte der Konzernchef an, dass der Einstieg eines Finanzinvestors bei der Tochterfirma SolveDirect zwar starkes Umsatzwachstum in den USA ermöglichen sollte. Andererseits führt die Expansion des ab dem zweiten Fiskalquartal 2009/10 nur mehr als Beteiligung bilanzierten Unternehmens mittelfristig zu negativen Beiträgen für das Finanzergebnis. Auch rezessionsbedingt prognostiziert Dr. Hofer für das gesamte Geschäftsjahr einen auf 70 Millionen Euro sinkenden Umsatz. Da in Frankfurt am Main und den Niederlanden weiter gespart und Personal abgebaut werden müsse, werden weitere Restrukturierungsaufwendungen anfallen.

Insgesamt erwartet der Konzernchef Restrukturierungsaufwendungen von 1,4 Millionen Euro. Allerdings wird im Fiskaljahr auch der Sonder-Verkaufserlös von 2,4 Millionen Euro verbucht. Unter Berücksichtigung dieser beiden Punkte rechnet der Vorstandsvorsitzende weiterhin mit einem positiven EBIT.  

Für Risikobereite und Techniker

Wachstumsbemühungen haben bei Brain Force bereits in der Vergangenheit eher zu Kosten denn zu Erträgen geführt. Der neue Vorstandsvorsitzende bemüht sich wieder um Expansion und muss erst beweisen, dass er das auch erfolgreich für Brain Force umsetzen kann. Risikobereite Anleger können auf den nachhaltigen Turnaround spekulieren. Charttechnisch orientierte Investoren steigen ebenfalls ein, da die hartnäckige horizontale Widerstandslinie bei 1,20 Euro nun wohl überwunden worden ist. Der Stoppkurs sollte bei 1,10 Euro gesetzt werden. Solange sich eine positive Ergebnisentwicklung aber noch nicht deutlich darstellen lässt, beträgt das Kursziel des AKTIONÄRS aber höchstens 1,60 Euro.

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