Solarworld
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Boom oder Crash: Neue Hoffnung für Trina, Solarworld, Conergy und Co.

Im Solarmarkt ist derzeit alles möglich. Die Marktforscher von EPIA prognostizieren im besten Fall ein gewaltiges globales Wachstum. Doch auch die Gefahr eines Einbruchs in Europa ist gegeben.

Solaranalysten haben es nicht leicht in diesen Tagen. Mühsam erarbeitete Marktprognosen von gestern können schon am nächsten Tag im Müll landen. In keinem Sektor gibt es derzeit mehr unbekannte Faktoren. So ist etwa im lange bedeutensten Absatzmarkt Deutschland nun wieder eine Abmilderung der Förder-Kürzung im Gespräch. Auch der 2011 größte europäische Absatzmarkt Italien ist aufgrund ständiger politischer Kursänderungen schwer einzuschätzen. Die Wachstumshoffnung China ist ohnehin eine "Black-Box".

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Der Europäische Solarverband EPIA hat nun trotzdem einen - wenn auch breit gefächerten - Ausblick gewagt. Nachdem 2011 mit 30 GW (davon 22 GW in Europa) weltweit fast doppelt so viele Solaranlagen wie im Vorjahr aufgestellt wurden, könnte das Wachstum mittelfristig weitergehen. Im besten Fall steigen die Neuinstallationen in diesem Jahr sogar um weitere 33 Prozent auf 40 GW. Doch auch ein Absturz ist möglich: Drastische politische Förder-Kürzungen könnten den Solarmarkt ausbremsen. In einem solchen Szenario würden EPIA zufolge 2012 nur 20 GW ans Netz gehen. Allein die EPIA-Prognose für den deutschen Markt schwankt zwischen 4 GW und 8 GW.

Langfristige Chancen

Während die Entwicklung in Europa am seidenen politischen Faden hängt, sind die Perspektiven global gesehen sehr gut. Der Absatz in den Nicht-Europa-Märkten hat sich bereits 2011 verdoppelt. "Das Potenzial für künftiges Wachstum ist hier gewaltig", so EPIA. Alleine diese Länder könnten 2016 zwischen 38 und 77 GW zum Weltmarkt beitragen. Hoffnungsträger ist vor allem China. Nach 2 GW im Jahr 2011 werden es 2012 im EPIA-Best-Case schon 5 GW. Einige Marktteilnehmer glauben sogar, dass in China bis zu 8 GW möglich sind.

Kurzfristig Pulver trocken halten

DER AKTIONÄR sieht auf mittlere Sicht weiterhin großes Potenzial für Solarstrom. Selbst in Europa - dem am weitesten entwickelten Solarmarkt - wurden 2011 "erst" zwei Prozent des Strom durch Photovoltaik abgedeckt. Aufgrund der gefallenen Modulpreise setzen nun auch Märkte wie Brasilien oder Japan auf den sauberen Strom. Doch das Übergangsjahr 2012 - gerade im zweiten Halbjahr droht in den zwei wichtigsten Märkten Deutschland und Italien ein Einbruch - dürfte für viele deutsche Solarfirmen noch einmal sehr schwer werden. Zu beachten ist zudem: Selbst wenn der Weltmarkt in Gigawatt gemessen um etwa 20 Prozent zulegen würde, würde dies aufgrund parallel fallender Modulpreise ein Nullwachstum bei den Erlösen bedeuten.

Die besten Chancen, zu den langfristigen Gewinnern zu gehören, haben derzeit chinesische Firmen wie etwa die schlank aufgestellte Trina Solar. Hier können mutige Aktionäre eine kleine Position eingehen. Am 23. Mai werden die Zahlen für das erste Quartal bekanntgegeben. Aufgrund von Vorzieheffekten in Europa könnten diese besser als befürchtet ausfallen.

Von deutschen Modulbauern wie Solarworld oder Conergy sollten sich Anleger zunächst jedoch fern halten. Zumal bei Solarworld der jüngste Rebound schon wieder gestoppt wurde.

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| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

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