CORNELL COS INC. DL-,001
- DER AKTIONÄR

Boom hinter Gittern

Es gibt Branchen, die jenseits von Konjunkturzyklen ihre eigene Wachstumsdynamik entfalten und gleichsam losgelöst vom Rest der Wirtschaft expandieren. Das Geschäft mit Gefangenen ist so eine Branche. Vor allem in den USA verdienen Unternehmen, die Gefängnisse verwalten, kräftig. Und dass es ihnen bald noch besser gehen wird, liegt unter anderem an der neuen Immigrationspolitik der Bush-Regierung.

Die USA haben ihre Einwanderungsgesetze deutlich verschärft. Nun rechnet man mit einem sprunghaften Anstieg bei den Verhaftungen von Illegalen. Davon profitieren private Gefängnisbetreiber.

Es gibt Branchen, die jenseits von Konjunkturzyklen ihre eigene Wachstumsdynamik entfalten und gleichsam losgelöst vom Rest der Wirtschaft expandieren. Das Geschäft mit Gefangenen ist so eine Branche. Vor allem in den USA verdienen Unternehmen, die Gefängnisse verwalten, kräftig. Und dass es ihnen bald noch besser gehen wird, liegt unter anderem an der neuen Immigrationspolitik der Bush-Regierung.

Jagd auf Illegale

Jedes Jahr versuchen Millionen von Lateinamerikanern die Grenze zwischen Mexiko und den USA illegal zu überqueren, um der Armut in ihren Ländern zu entkommen. Werden sie gefasst, wurden sie bisher in den allermeisten Fällen in kürzester Zeit – meistens noch in der selben Nacht – wieder abgeschoben. Zu einer juristischen Bestrafung kam es weder in den USA, noch in den jeweiligen Heimatstaaten. Dies soll sich nun grundlegend ändern. Auf Initiative der Republikaner verabschiedete der Kongress im Frühjahr 2006 ein Gesetz, das die Inhaftierung der illegalen Grenzgänger vorsieht. Gleichzeitig werden die Befestigungsanlagen an der rund 3.200 Kilometer langen Grenze massiv ausgebaut. Neben hohen Stacheldrahtzäunen, Bewegungsmeldern und dem Einsatz der Nationalgarde sind sogar unbemannte Aufklärungsflugzeuge, so genannte Drohnen, im Einsatz, um Verdächtige, die sich in Grenznähe aufhalten, zu melden.

Das US-Büro für Immigration und Grenzsicherheit rechnet einem Bericht der Tageszeitung zufolge nun mit einem sprunghaften Anstieg der täglichen Verhaftungen. Bis Herbst 2007, so ein Szenario, soll es in jeder Nacht zu durchschnittlich 27.500 Verhaftungen kommen. Auf das Jahr hochgerechnet wären das mehr als zehn Millionen Festnahmen. 2005 nahmen US-Grenzschützer rund 1,2 Millionen Menschen bei dem Versuch fest, die Grenze zu überqueren. Die Aufgegriffenen sollen in Zukunft erkennungsdienstlich erfasst und dann für mindestens eine Nacht eingesperrt werden. Da die US-Bundesregierung aber gleichzeitig schon angekündigt hat, über die bereits bestehenden 16 Bundesgefängnisse, die vom Staat finanziert werden, keine neuen zu bauen, wittern die privaten Knastbetreiber ein großes Geschäft. Im Durchschnitt kostet nämlich die Unterbringung eines Gefangenen den Staat pro Nacht 95 Dollar. Bei jährlich etwa zehn Millionen Festnahmen an der Grenze zu Mexiko käme man bei den Gefängnisbetreibern auf zusätzliche Einnahmen in Höhe von rund einer Milliarde Dollar pro Jahr.

Wachstumsmarkt "Gefängnis"

Doch nicht nur die Immigrationspolitik der Bush-Regierung spielt dem Wachstumsmarkt „Gefängnis“ in die Karten. Insgesamt ist nämlich schon seit Jahrzehnten ein drastischer Anstieg der Gefangenenzahlen festzustellen. So sind heute über zwei Millionen Menschen in den USA inhaftiert. Im Vergleich zu 1985 zum Beispiel bedeutet dies einen Zuwachs um über 160 Prozent. Zu den Profiteuren dieser gesellschaftlichen Entwicklung zählen einerseits die großen privaten Gefängnisbetreiber, neben Corrections Corporation of America vor allem Geo Group, andererseits Unternehmen, die sich der Rehabilitation von Verurteilten widmen, wie etwa Cornell.

Geo Group ist mit einem Marktanteil von 23 Prozent der weltweit größte Betreiber von privaten Gefängnissen. In den USA ist man hinter Corrections Corporation of America die Nummer zwei; der Marktanteil liegt hier bei 28 Prozent. Insgesamt verfügt das Unternehmen über 54.391 Betten, davon 47.202 Betten in den USA. Wichtigster Markt neben den USA ist Südafrika, hier liegt die Bettenzahl bei 3.024. In Texas verfügt Geo Group mit 14.271 Betten über die größte Aufnahmekapazität in den USA. Wie stark das Unternehmen wächst, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Für das zweite Quartal 2006 wies Geo Group mit 209 Millionen Dollar einen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 37 Prozent gestiegenen Umsatz aus. Einen ebenso hohen Zuwachs gab es auch beim Gewinn je Aktie. Dieser stieg von 0,43 auf nun 0,59 Dollar. Für das Gesamtjahr 2006 rechnen Analysten mit einen Umsatz von 868, für 2007 mit 882 Millionen Dollar. Beim Gewinn je Aktie liegen die durchschnittlichen Schätzungen bei 2,42 Dollar für das laufende Jahr und 2,77 Dollar für 2007.

Das US-Unternehmen Cornell betreibt zwar auch Gefängnisse in den USA, doch der Schwerpunkt dieser Einrichtungen liegt nicht auf der Bestrafung der Delinquenten, sondern auf ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Deshalb werden diverse Drogen- und Verhaltenstherapien angeboten, die vor allem auf jugendliche Straftäter zugeschnitten sind. Zudem gibt es zahlreiche Qualifizierungsmöglichkeiten, wie Schul- und Ausbildungsplätze, die den Verurteilten einen Neuanfang erleichtern sollen. Mit dieser Strategie erwirtschaftete das Unternehmen im zurückliegenden Quartal einen Umsatz von 90,5 Millionen Dollar, ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Beim Ergebnis gab es zudem eine deutliche Wende: Mit einem Plus von 0,28 Dollar je Aktie lag man deutlich über dem Vorjahresergebnis mit einem Minus von 0,02 Dollar je Anteilschein. Für 2006 kalkulieren Analysten mit einem Umsatz von 359 Millionen, für 2007 mit 377 Millionen Dollar. Beim Gewinn je Aktie rechnen sie im gleichen Zeitraum mit einer Steigerung von 0,99 auf 1,09 Dollar.

Konservativ und spekulativ

Die „Knastbranche“ boomt, vor allem in den USA. Mehr und mehr ziehen sich die staatlichen Behörden aus der Gefängnisverwaltung zurück und überlassen privaten Unternehmen diese Aufgabe. Konservative Anleger setzen auf Geo Group, die ein solides Gewinn- und Umsatzwachstum aufweisen. Zudem profitiert die Gesellschaft unmittelbar von den verschärften Einwanderungsgesetzen der Bush-Regierung. Spekulativere Aktionäre bauen eine Position in Cornell auf. Das Unternehmen, das einen Schwerpunkt seiner Tätigkeit in der Rehabilitation von Gefangenen hat, verzeichnet schwächere Wachstumszahlen als Geo Group, könnte aber dann zu den Gewinnern gehören, wenn sich auch in den USA die Ansicht durchsetzt, dass Bestrafung allein nicht ausreicht.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 35/2006.

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