DAX
- Michael Schröder - Redakteur

Börsenprofis sicher: Das Ende der Aufwärtsbewegung ist noch nicht in Sicht!

Das Jahr 2013 wird in die Geschichte eingehen als das Jahr, in dem der Deutsche Aktienindex zum ersten Mal über die magische Marke von 9.500 Punkten kletterte. Für viele Experten unerwartet, konnte der DAX seine bestechende Verfassung aus dem Jahr 2012 halten und markierte einen Rekord nach dem nächsten. Was bringt das nächste Jahr?

Die Aussichten für die Märkte sind weiterhin gut. Fed, EZB und Co versorgen die Märkte nach wie vor mit Unmengen an billigem Geld. Die Konjunktur nimmt langsam, aber stetig Fahrt auf. Bislang gehen die stabilen Unternehmensgewinne vor allem auf Kostensenkungen der Konzerne zurück. Im kommenden Jahr werden die Umsätze wieder steigen, was die Gewinne und schließlich die Aktienkurse antreiben sollte. Die Mehrzahl der Experten erwartet daher auch, dass der DAX im kommenden Jahr fünfstellig sein wird. Worin liegen die Risiken und worin die Chancen für DAX und Co? Renommierte Vermögensverwalter, Fondsmanager und Strategen geben Antworten.

„Das Umfeld, das für Anleger durch bewusste Maßnahmen der größten Zentralbanken geschaffen wurde, spricht für ein positives Jahr 2014 für Risikoanlagen. 2014 wird kein Jahr, in dem man gegen die großen Zentralbanken ankämpfen sollte“, erklärt David Kelly, Chief Global Strategist bei J.P. Morgan Asset Management. „Steigende Anleihenrenditen, eine bessere konjunkturelle Stimmung und weiter große Barbestände bei Haushalten und Unternehmen dürften den US-Aktienmarkt im Jahr 2014 weiter beflügeln. Während US-Aktien absolut nicht mehr günstig sind, bleiben sie relativ zu den erwarteten Erträgen von Barmitteln und Anleihen attraktiv und könnten 2014 weiter steigen. Auf den aktuell höheren Niveaus sind sie jedoch sehr anfällig für eine Korrektur. In Europa hat das billige Geld in den vergangenen Jahren bei der Stützung der Nachfrage nach Aktien geholfen. Auch bei deutlich niedrigeren Renditeniveaus in den Randländern könnten im Jahr 2014 jedoch mehr Anlegergelder in europäische Aktien fließen. Das Risiko bei europäischen Aktien besteht in einem konjunkturellen Einbruch, da gewisse Sparmaßnahmen weiterlaufen und die Kreditvergabe der Banken eingeschränkt bleibt. Trotz all ihrer Themen scheinen europäische Aktien Anfang 2014 attraktiv“, führt der Aktienprofi aus.

Für Arndt Kussmann, Leiter Finanzanalyse der Quirin Bank AG, steht der Fokus der Finanzmarktakteure zweifelsohne weiterhin die US-Notenbankpolitik. „Die Angst vor einer Straffung der bisher ultralockeren Geldpolitik ist zwar verständlich, unseres Erachtens aber überzogen. Wären die Kurse der Aktien ausschließlich von den Notenbanken getrieben, würde man das an übertriebenen Bewertungen ablesen können. Davon ist allerdings wenig zu sehen. Was den US-Aktienmarkt angeht, so ist ein Großteil der US-Unternehmen optimistisch, dass es für sie 2014 besser laufen wird als dieses Jahr. Die fundamentalen Voraussetzungen für weiter steigende Aktienkurse wären damit gegeben. Allerdings dürften die Börsenkurse aufgrund der inzwischen relativ hohen Bewertung (S&P-500-KGV: 14,6 gemäß den Gewinnschätzungen für 2014) im nächsten Jahr nicht in den Himmel wachsen. Die Wiederholung einer derart erfreulichen Performance wie im bisherigen Jahresverlauf (plus 25 Prozent auf Dollar-Basis) ist somit eher unwahrscheinlich“, zeigt sich der Finanzexperte für den US-Aktienmarkt optimistisch. „Mit Blick auf den DAX wurde zuletzt von nicht wenigen Analysten moniert, dass der kräftige Kursaufschwung beim DAX nicht von entsprechend steigenden Unternehmensgewinnen unterfüttert ist. Hier ist jedoch Besserung in Sicht: So dürften die Firmengewinne im nächsten Jahr wieder deutlicher zulegen“, sieht Kussmann auch Chancen für den heimischen Leitindex.

Das Ende der Aufwärtsbewegung ist noch nicht in Sicht: „Das Ende von teils langjährigen Haussetrends an den Aktienmärkten wurde in der Vergangenheit stets durch längere Phasen steigender Zinsen eingeläutet. Erst wenn ein hohes Zinsniveau die Konjunktur abwürgte und parallel dazu die Unternehmensgewinne unter Druck gerieten, wurden in der Folge Baissephasen eingeläutet. An solch einem Punkt sind wir noch lange nicht angelangt. Ein weiterer Umstand spricht aktuell gegen ein abruptes Ende des Kursaufschwungs: Haussephasen enden immer erst dann, wenn alle Welt von der Aktienanlage begeistert ist. Von einer derartigen Euphorie – wie es sie beispielsweise zu Zeiten des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende herum gegeben hat – sind wir aktuell meilenweit entfernt. Am altbekannten Anlagenotstand hat sich nichts geändert: Es fehlen schlichtweg die renditeträchtigen Alternativen zur Aktie. Aktieninvestments bleiben somit auch in Zukunft aussichtsreich, spürbare Kursrücksetzer sollten – im Rahmen des individuellen Risikobudgets – konsequent zum Neueinstieg oder Zukauf genutzt werden“, so Kussmann weiter.

„2014 wird das Jahr der Einzeltitel-Selektion und der Sektorallokation. Die Qualität der Bilanz, die Erzielbarkeit des Cashflows und damit die Fähigkeit zur Zahlung von Dividenden und Investitionen treten in den Vordergrund. Das bedeutet, dass im Jahr 2014 Unternehmen attraktiv sein werden, die im Schnitt größer sind, eine höhere Bilanzqualität und ein geringeres Risiko ihrer Erträge aufweisen“, sagt Ralf Müller-Rehbehn, Leiter Bereich Aktien, AMF Capital AG. Mit Blick auf den DAX ist dieser historisch betrachtet – wie die meisten Aktienindizes – nicht mehr billig oder attraktiv. „Dies ändert sich erst unter dem Blickwinkel eines globalen Anlegers, und hier insbesondere im Vergleich zu anderen Assetklassen. Wenn die Jahresendergebnisse für 2013 sowohl auf der Gewinn- als auch auf der Umsatzseite ähnlich positiv überraschen wie die Zahlen zum dritten Quartal, so besteht deutliches Potenzial für weiter steigende Aktienkurse“, so Müller-Rehbehn.

Wie steht es um die Risiken? „Was die Risiken angeht, könnte ein globaler „Abwertungswettkampf der Währungen“ eingeläutet werden – je nachdem, wie die neue Zusammensetzung der US-Zentralbank aussehen wird. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die kurzfristigen US-Geldmarktzinsen weiterhin nicht erhöht werden. Daneben steht der „große Banken-Stresstest der EZB“ für Herbst 2014 an. Bevor die Europäische Zentralbank die Aufsicht über und Verantwortung für die Belastungsfähigkeit europäischer Banken übernimmt, führt sie einen erneuten Stresstest durch, der zudem eine Bewertung aller Vermögensgegenstände der Banken (AQR – Asset Quality Review) enthält. Dieser Stresstest wird hart werden – am Ende geht es um die Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb der Banken. Die Konditionen dieses Stresstests dürften im März oder April 2014 veröffentlicht werden und spätestens dann für Unruhe an den Märkten und neue Schlagzeilen sorgen“, erklärt der Aktienstratege.

 

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