China Mobile (Honkong)
- Andreas Deutsch - Redakteur

Börsenpanik in China: Wie geht es weiter?

Monatelang war es eine Traumhausse, doch nun kommt das bittere Erwachen. Die Kurse in China brechen seit Wochen ein, Billionen an Börsenwert sind vernichtet, etliche Aktien sind vom Handel ausgesetzt. Von Entwarnung keine Spur, meint die Deutsche Bank.

Die chinesische Regierung hat mit radikalen Maßnahmen den Kursverfall an den Aktienmärkten vorerst gestoppt. Der CSI-300-Index mit den 300 wichtigsten Unternehmen vom Festland legte zuletzt 2,4 Prozent auf 3.752 Punkte zu, nachdem er im frühen Handel noch deutlich gefallen war. Der breitere Shanghai Composite stieg um 1,3 Prozent auf 3.552,78 Punkte.

In der Nacht auf Donnerstag hatten Chinas Aufsichtsbehörden neue, drastische Maßnahmen verkündet. So dürfen Anteilseigner, die Beteiligungen von mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, ihre Aktien in den nächsten sechs Monaten nicht veräußern. Damit solle die "Stabilität an den Kapitalmärkten gewahrt" werden.

Die Regierung und Notenbank versuchen seit einiger Zeit verzweifelt, den Kursverfall von rund einem Drittel seit Mitte Juni zu bremsen. Der Marktwert der an den chinesischen Börsen notierten Unternehmen sank dabei um rund 3,9 Billionen Dollar.

Rund die Hälfte aller gelisteten Aktien ist mittlerweile vom Handel ausgenommen. Die Zahl der chinesischen Unternehmen, die angesichts der starken Kursrückgänge nicht mehr gehandelt werden wollen oder sollen, stieg um 194 auf 1.439, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Um den Markt weiter zu stabilisieren, kauften große Staatsunternehmen wie der Ölkonzern Sinopec oder der Kohlekonzern Shenhua im großen Stil eigene Aktien auf.

Zudem versprach die Zentralbank der China Securities Finance Corporation, die Kredite der Wertpapierfirmen finanziert, am Donnerstag erneut ausreichend Geldmittel. Das staatliche Finanzorgan hat 21 Wertpapierhäusern bereits 260 Milliarden Yuan (umgerechnet 37 Milliarden Euro) für den Aufkauf von Aktien zur Verfügung gestellt, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Am Vortag war der Bedarf auf mehr als 500 Milliarden geschätzt worden.

Wie geht es weiter an Chinas Börse?

„A-Aktien werden sich wahrscheinlich nicht stabilisieren, solange die Margin Calls nicht enden und die Hebelung im Markt nicht beseitigt ist“, meint die Deutsche Bank in einem aktuellen Marktkommentar. „H-Aktien könnten sich stabilisieren, wenn ausländische Investoren wieder kaufen, doch dies geschah bisher nicht in ausreichendem Maße, um den Abschwung zu stoppen.“

Dem Restrisiko, dass Peking den Kurssturz nicht in den Griff bekommt, könnte laut Deutscher Bank von den Behörden mit einem massiven fiskalischen Stimulusprogramm begegnet werden. „Diese halfen auch 2008 der Wirtschaft auf die Sprünge. Solcherart kreditfinanziertes Wachstum hätte langfristig negative Folgen. Das ist nicht unser Kernszenario, da wir eher davon ausgehen, dass andere konzertierte Börsenmaßnahmen eingeleitet werden: Aufforderung staatsnaher Firmen zum Kauf von Aktien, Reduktion der Transaktionssteuer und Aktivierung der staatlichen Public-Relations-Maschinerie.“

Die Experten der Deutschen Bank werden die weitere Entwicklung in China genau beobachten, da es sich letztlich negativ auf das Weltwirtschaftswachstum auswirken könnte, wenn sich die Börsenturbulenzen auf Chinas Wirtschaft niederschlagen.

(Mit Material von dpa-AFX)


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