- DER AKTIONÄR

Börsenkrimi um Leasing.99

Die Aktie einer im Freiverkehr notierten Leasingfirma schlägt Kapriolen. Über die Gründe darf gerätselt werden. Aktuell erscheint ein Engagement in die Aktie riskant.

Die Aktie einer im Freiverkehr notierten Leasingfirma schlägt Kapriolen. Über die Gründe darf gerätselt werden. Aktuell erscheint ein Engagement in die Aktie riskant.

Von Michael Lang

Wenn ein Unternehmen innerhalb weniger Minuten mehr als 60 Prozent seines Börsenwertes einbüßt, muss es dafür handfeste Gründe geben. Sollte man zumindest annehmen. Nicht so bei der im Freiverkehr gelisteten Leasing.99 AG, der dieses Schicksal am 14. Juni widerfahren ist. Eine Unternehmensmeldung, die den Kurssturz von 84 auf 32 Euro hätte rechtfertigen können, hatte es nicht gegeben. Auch Alleinvorstand Norbert Bozon rätselt über die Hintergründe. Im Gespräch mit dem aktionär macht er eine "gezielte Shortattacke" für den plötzlichen Absturz verantwortlich. Bozon ist über die gegenwärtige Publicity alles andere als glücklich. Überhaupt hält sich der Vorstand sehr bedeckt, wenn es um die operative Entwicklung seiner Gesellschaft geht. "Bei uns brummt´s", gibt er euphorisch zu Protokoll, ohne dies jedoch mit konkreten Zahlen zu unterlegen. Über Umsätze und Gewinne kann nur spekuliert werden. Der Geschäftsbericht 2004 soll erst im Vorfeld der Hauptversammlung veröffentlicht werden, die "auf jeden Fall" im August 2005 stattfinden soll.

Euphorische Planzahlen

Bis dahin müssen sich Anleger mit dem Emissionsprospekt begnügen. Dort ist nicht nur die Rede davon, dass sich das Eigenkapital bis 2007 auf 40 Millionen Euro verachtfachen soll, auch ein Zielkurs für die Leasing.99-Aktie von 160 Euro für 2007 wurde gleich mitgeliefert. Scheinbar ließen sich etliche Anleger angesichts dieser Prognosen zu einem Engagement hinreißen, denn bis zum Absturz hatte sich das seit Juni 2004 börsennotierte Papier bereits vervierfacht.

Dem Vorstand kam der Höhenflug gerade recht, konnte er so doch umfangreiche Kapitalmaßnahmen über die Bühne bringen. Durch die Ausgabe von 243.705 neuen Aktien sind der Gesellschaft mehr als 13,5 Millionen Euro zugeflossen. Da Leasing.99 nicht als reiner Vermittler auftritt, sondern die Neufahrzeuge auf eigene Rechnung ankauft, ist der Kapitalbedarf enorm. Bozon gibt deshalb auch unumwunden zu, dass das weitere Wachstum und die genannten Planzahlen von der Durchführung weiterer Kapitalerhöhungen abhängig sind. Sprich: Ohne frisches Geld bricht der Gesellschaft das Neugeschäft weg. An dieser Stelle tritt nun Autoportal.99 auf den Plan. Die Tochtergesellschaft, deren Webseite noch in der laufenden Woche freigeschaltet werden soll, will 300.000 Aktien zu einem Kurs von 21,50 Euro platzieren. Eine Börseneinführung soll innerhalb der nächsten sechs Wochen stattfinden. Da Autoportal.99 als reiner Vermittler jedoch keine Finanzmittel in Millionenhöhe benötigt, sollen diese im Rahmen des "Liquiditätsmanagements" der Muttergesellschaft zur Verfügung gestellt werden. Positiver Nebeneffekt: Über Nacht wären die 3,87 Millionen Autoportal.99-Aktien, die sich im Besitz von Leasing.99 befinden, rund 83 Millionen Euro wert.

Viele Fragen offen

Bisher spielt Leasing.99 mit verdeckten Karten, so dass eine objektive Einschätzung derzeit nicht möglich ist. Mehr als fragwürdig erscheint zudem die geplante Kapitalerhöhung der Tochter Autoportal.99, der eine abenteuerliche Marktkapitalisierung von 92 Millionen Euro zugrunde liegen würde. Aufgrund zahlreicher Ungereimtheiten sowie fehlender Transparenz ist von einem Engagement abzuraten.

Leasing.99

 

ISIN DE000605113
Kurs am 22.06.2005 48,00€
Kurs am Tag der Analyse 54,00€
Ziel -
Stopp -
KGV 06e k.A.
Chance/Risiko 3/5

Artikel aus DER AKTIONÄR (26/05).

 

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