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- Jochen Kauper - Redakteur

Börsenexperte Marco Herrmann: „2016 wird ein schwieriges Jahr“

In Anbetracht der vorhandenen geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken ist, bis auf wenige Ausnahmen, nur wenig Optimismus erkennbar. Zu Recht?

“Das Jahr 2015 geht hinterlässt dem Neuen Jahr einen ganzen Sack voll ungelöster Probleme und großer Herausforderungen. Geopolitisch stehen neben dem Kampf gegen die IS-Terrormiliz auch europainterne Themen wie das Management der anhaltenden Flüchtlingswelle und die geplante Abstimmung über den EU-Ausstieg Großbritanniens (Brexit) ganz oben auf der Prioritätenliste der Politiker. An den Finanzmärkten macht man sich zusätzlich Sorgen über den ins Stottern geratenen Motor der chinesischen Volkswirtschaft, den weiteren Verfall der Rohstoffpreise und die Folgen der Zinswende in den USA, um nur einige Problemfelder zu benennen. 2016 könnte in der Tat ein schwieriges Jahr für Anleger warden”, sagt Marco Herrmann von der Fiduka Depotverwaltung.

Damit kein Missverständnis aufkommt: “Wir sehen Aktien auch in 2016 als die bevorzugte Anlageklasse. Aber nach über sechsjähriger Aufwärtsbewegung an den Börsen sind Aktien nicht mehr unterbewertet und der Gewinntrend hat spürbar an Schubkraft verloren. Umsatzwachstum und Ertragsdynamik der Unternehmen werden maßgeblich gedämpft durch das moderate Wirtschaftswachstum und die Überkapazitäten in vielen Branchen, die keinerlei Preiserhöhungen zulassen. Dennoch, unter Abwägung aller Einflussfaktoren bleiben wir für die Börsen vorsichtig optimistisch, da auf dem derzeitigen Kursniveau bereits viel Pessimismus eingepreist ist. Ein Kursplus zwischen 5 Prozent und 8 Prozent sollte an den Börsen 2016 möglich sein”, ergänzt Herrmann.

„Wie schon in 2015 wird es 2016wieder auf die richtige Einzeltitelauswahl ankommen. Einzelne Unternehmen können sich durch neue innovative Produkte positiv vom gesamtwirtschaftlichen Trend abkoppeln oder durch gelungene Umstrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen die Gewinne überdurchschnittlich steigern. Diese Aktien gilt es für ein erfolgreiches „Stock Picking“ herauszufiltern”, so Herrmann.

Für den Einstieg in zyklische Werte, insbesondere aus dem Rohstoffsektor, ist es noch zu früh. Gemäß Angaben der Rating-Agentur S&P konnten in diesem Jahr über 100 Unternehmen ihre Anleihen nicht mehr bedienen. “Rund 40 % stammen aus den Bereichen Öl & Gas, Metalle und Bergbau. Die niedrigsten Rohstoffpreise seit der Finanzkrise werden auch in den nächsten Monaten weitere Unternehmen an den Rand ihrer Existenz drängen. Einige von ihnen werden in der Lage sein, sich über stark diskontierte Kapitalerhöhungen überlebensnotwendiges Kapital zu besorgen, anderen droht das Aus. Die Nervosität am Anleihenmarkt ist deutlich zu spüren. Europäische High Yield Anleihen rentieren mit fast 5 Prozent, US-amerikanische bieten sogar 8 Prozent Rendite. Klar, dass hiervon der Aktienmarkt nicht unberührt bleibt – die Risikoaversion steigt. Jetzt sind realistische Renditeerwartungen und Geduld gefragt. Es wird holprig werden an den Börsen in 2016, aber stärkere Kursrücksetzer sind Kaufgelegenheiten”, lautet das Fazit von Marco Herrmann.

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