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Bob Mobile - Es klingelt!

Börsenneuling Bob Mobile versucht mit Klingeltönen, Handyspielen und -bildern sein Glück auf dem Frankfurter Parkett. Ein Erfolg versprechendes Investment?

Börsenneuling Bob Mobile versucht mit Klingeltönen, Handyspielen und -bildern sein Glück auf dem Frankfurter Parkett. Ein Erfolg versprechendes Investment?

Von Markus Horntrich

Wie sagte schon Martin Luther? "Warum rülpset und furzet Ihr nicht, hat es Euch nicht geschmecket?" Was früher vielleicht als Zeichen für ein wohlschmeckendes Mahl gedeutet wurde, gilt nach Knigge als Unhöflichkeit. Dennoch kann es gut sein, dass beim Nachbarn im Stadtbus Furzgeräusche oder ähnliches aus der Hose kriechen.

"Schuld" daran sind jedoch (meist) nicht etwa Blähungen nach einem schweren Essen, sondern "lustige" Klingeltöne für das Handy. Aus dem Run vor allem jugendlicher Handynutzer auf die neuesten Bimmeltöne, Betreiberlogos, oder Handyspiele versuchen immer mehr Unternehmen Profit zu schlagen.

Riesiger Markt

Neben den Marktführern Jamba und zed will sich nun ein weiterer deutscher Anbieter in diesem stark wachsenden Markt etablieren. Die im Dezember 2004 gegründete Bob Mobile AG feierte am 28. November per Listing ihr Börsendebüt im Frankfurter Freiverkehr (Open Market). Die Düsseldorfer haben mit Handyspielen, Logos, Klingeltönen und Videos die gesamte Palette an mobiler Unterhaltung im Angebot. Aktiv im Vertrieb ist man seit Februar dieses Jahres.

Die Marktaussichten sind verlockend: Juniper Research erwartet, dass allein der Markt für Klingeltöne in den Jahren 2004 bis 2009 weltweit von 3,6 auf 9,3 Milliarden Dollar anwachsen wird. Noch höhere Wachstumsraten prognostizieren die Marktexperten für den Bereich Handyspiele. Im gleichen Zeitraum soll sich deren Umsatzpotenzial von 3,1 auf 18,5 Milliarden Dollar fast versechsfachen.

Weiteres Kapital nötig

Angesichts dieser Marktaussichten ist es nicht verwunderlich, dass Bob Mobile trotz der noch sehr jungen Unternehmenshistorie sein Glück an der Börse versuchen will. Vor dem Börsengang konnte Bob Mobile noch rund 800.000 Euro an frischen Mitteln über eine Privatplatzierung einwerben. Aufgrund der hohen Marketing- und Vertriebskosten wird dieses Geld jedoch nicht lange reichen. Wie Vorstandschef Remco Westermann gegenüber dem aktionär verriet, ist für Ende 2005/Anfang 2006 eine kleine Kapitalerhöhung geplant und im weiteren Jahresverlauf 2006 noch eine etwas größere.
Mit konkreten Kunden- und Planzahlen hält sich Westermann jedoch bedeckt. 2005 will das 20 Mitarbeiter starke Unternehmen einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro erzielen, wobei noch ein hoher Verlust anfallen dürfte. 2006 erwartet das Management ein Wachstum im dreistelligen Prozentbereich.

Riskantes Investment

Eine abschließende Bewertung von Bob Mobile ist vor dem Hintergrund fehlender Planzahlen schwierig. Konkurrent Jamba etwa wurde von Verisign für den 2,5- bis 3-fachen Jahresumsatz übernommen. Überträgt man diese Relation auf den Düsseldorfer Börsenneuling, erscheint der aktuelle Börsenwert von knapp 15 Millionen Euro überzogen.

Da Bob Mobile jedoch in einem rasant wachsenden Marktumfeld tätig ist, kann sich dieses Bild schnell ins Gegenteil ändern - sofern es gelingt, die anvisierten Wachstumsraten zu erreichen. Investoren, die sich bei Bob Mobile engagieren, sollten sich darüber im Klaren sein, dass es sich dabei um eine Anlage mit Venture-Capital-Charakter handelt.

 

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