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- Markus Horntrich - Chefredakteur

BMW, Daimler, VW: Aktien unter Druck

Aufgrund negativer Analystenkommentare von mehreren Researchhäusern befinden sich die Aktien der deutschen Autobauer heute auf Tauchstation. BMW, Daimler und VW sind die größten Verlierer im Leitindex DAX, der mit 0,72 Prozent im Minus notiert.

(dpa-AFX) Kritische Studien von Bernstein Research, der Citigroup und vor allem von Morgan Stanley zur Autobranche haben die Aktien von BMW, Daimler und VW belastet. Am späteren Vormittag sanken die Anteilsscheine von Daimler um 3,8 Prozent auf 39,70 Euro und waren damit Schlusslicht im Dax . BMW gaben um 3,3 Prozent auf 58,26 Euro nach und die VW-Vorzüge verloren 3,1 Prozent auf 140,40 Euro. Die Branchenexperten der drei Banken verwiesen auf die sich eintrübende Lage der Autobranche, durch die die Gewinne der Unternehmen zunehmend gefährdet seien.

Margenziele gefährdet?

Bernstein-Analyst Max Warburton hob die Lage in China hervor. Nachdem wichtige große in Hongkong notierte Autohändler für hochklassige Fahrzeuge ihre Halbjahreszahlen vorgelegt hätten, habe er nun seine Schätzungen überarbeitet. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass die Preise und die Nachfrage in China sich im ersten Halbjahr schlechter als von ihm vermutet entwickelt hätten. "Die Margenziele für die deutschen Hersteller von Oberklasse-Fahrzeugen sind in der zweiten Jahreshälfte gefährdet." Ein Blick auf die Finanzdaten der drei Autohändler Zhengtong, Zhongsheng und Yongda zeigten wachsende Lagerbestände, sinkende Bruttomargen beim Absatz und sinkende Vorauszahlungen, die ein Indikator für rückläufige Auftragseingänge seien, sowie steigende Finanzierungskosten.
China wird überschätzt

"Die Management-Teams in China haben offen über das Problem gesprochen: Die deutschen Premiumhersteller haben die Nachfrage überschätzt und zu viele Autos verschifft. Zugleich stehen sie einem weiter rückläufigen Markt gegenüber." Die Nachfrage nach PS-starken Fahrzeugen sei komplett abgerissen und der Tiefpunkt bei der Preissetzung dürfte noch nicht erreicht worden sein. Zwar sieht Analyst Warburton noch keine Krise, bleibt aber vorsichtig mit Blick auf den Autosektor und vor allem auf deutsche Autohersteller.

Allerdings dürften sie 2012 immer noch ein kleines Absatzwachstum verbuchen können und auch das Chinageschäft sollte in der zweiten Jahreshälfte noch durchaus profitabel sein. Angesichts dieser Entwicklungen senkte der Experte das Kursziel für die BMW-Aktie von 90,00 auf 75,00 Euro. Er hofft aber weiterhin auf Absatzwachstum in den USA und bei den Modellen der 3er-Serie und beließ das Anlageurteil auf "Outperform". Für VW hat Warburton die Prognose für die operative Gewinnmarge im kommenden Jahr gesenkt und liegt nun zehn Prozent unter der durchschnittlichen Marktschätzung, bei Daimler liegt er sogar um 16 Prozent darunter. Beide Aktien beließ er zudem auf "Market-Perform" und behielt auch auch die Kursziele bei. Das Daimler-Ziel sieht er bei 40,00 Euro erreicht und das für VW bei 140,00 Euro.

Fehlendes Wachstum

Kritisch äußerte sich zudem die Citigroup zur Lage der Autobranche, auch wenn Analyst Philip Watkins keine Änderungen an seinen Einschätzungen zu den Aktien vornahm. Fehlende Wachstumsimpulse führten zu Produktionsrückgängen in Europa, den USA und in Brasilien während des zweiten Quartals, wodurch die Ergebnisse des dritten belastet werden dürften, schrieb er. Mit dem Abflauen des Absatzwachstums kehre auch der Druck auf die Preise zurück. Das Risiko-Ertrags-Profil für Investitionen in die Autobranche bleibe abgesehen von den Reifenherstellern "armselig". Die mit "Neutral" und einem Kursziel von 60,00 Euro bewerteten BMW-Aktien bleiben dennoch weiterhin ein "Top Pick" des Experten, ebenso wie die VW-Vorzüge und die Daimler-Aktien. Die VW-Vorzüge beließ er auf "Neutral" mit einem Kursziel von 140,00 Euro. Daimler beließ er auf "Buy" mit einem Kursziel von 45,00 Euro.

Gewinne in Gefahr

Auch die Analysten von Morgan Stanley sehen die Gewinne der Autobauer als gefährdet an, sofern die Nachfrage weiter zurückgehe oder eine Erholung im nächsten Jahr ausbleibe. Die Pkw-Absatzquote in Westeuropa sei im Juli auf etwa 11 Millionen gesunken. Damit sei ein Niveau erreicht worden, wie nur ein einziges Mal zuvor in den vergangenen 30 Jahren. Der Tiefpunkt dürfte im vierten Quartal erreicht sein und dann im ersten Quartal 2013 eine leichte Erholung, aber nicht im Jahresvergleich, eintreten. Die Absatzvolumina dürften im neuen Jahr etwa ein Prozent unter dem Vorjahr liegen.

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