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- Markus Horntrich - Chefredakteur

bmp: Umbau abgeschlossen

Die bmp media invstors AG hat ihren Umbau so gut wie abgeschlossen. Es fehlt nur noch der Exit der nicht zum Kernbereich gehörenden vier Beteiligungen. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutern die Vorstände Oliver Borrmann und Jens Spyrka unter anderem wann mit damit zu rechnen ist.

Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutern die bmp-Vorstände Oliver Borrmann und Jens Spyrka, wann mit dem nächsten Exit zu rechnen ist und welches Potenzial in den einzelnen Beteiligungen steckt.

Herr Borrmann, die „alte" bmp ist seit Ende Juni Geschichte, mit der Reorganisation und der Umbenennung in bmp media investors AG ist eine neue Ära angebrochen. Wie weit sind Sie mit dem Umbau der Gesellschaft bisher vorangekommen?

Oliver BorrmannOliver Borrmann: Den Umbau haben wir abgeschlossen, die bmp media investors AG ist heute eine reine Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf innovative Wachstumsunternehmen aus dem Bereich Medien & Marketing Services in Deutschland und Polen. Wir müssen in den kommenden 1-2 Jahren nur noch zwei Themen final umsetzen: Zum einen wollen wir unseren aktuell 87-Prozent-Anteil an der bmp Beteiligungsmanagement AG bis Jahresende auf unter 50 Prozent reduzieren. Zum anderen halten wir noch vier Beteiligungen an Unternehmen außerhalb unseres künftigen Zielsegmentes, diese wollen wir stufenweise abbauen.

Das Kernportfolio im Bereich Medien & Marketing Services umfasst derzeit acht Beteiligungen. Welchen Beteiligungen bescheinigen Sie dabei das größte Potenzial? Welche Rolle spielt dailyme, bei der Sie im Oktober eine weitere Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen konnten?

Jens Spyrka: dailyme hat neben der brand eins Medien AG das aktuell höchste Potenzial, getrieben durch die sprunghaft ansteigende Nachfrage nach mobilem Bewegtbildkonsum wie Fernsehfilme, Serien, Shows und Nachrichten vieler großer Sender durch die Zunahme der Smartphone- und Tablet-PC-Nutzung. Insbesondere die hohe Usability, die Möglichkeit zum Videokonsum ohne Netzverbindung und das senderübergreifende Programmangebot machen dailyme zu dem mobilen Fernsehgerät. Die hochdynamische Zunahme der Nutzung in diesem Jahr mit nunmehr deutlich über 200.000 Usern und mehr als 2,5 Millionen Clipviews allein im Oktober bestätigt den Erfolg und zeigt den Bedarf und den Erfolg im Markt. Die im September erfolgreich durchgeführte Finanzierungsrunde soll das Erreichen des Break Even in 2012 absichern und die Möglichkeit zur Erweiterung des Angebots legen.

Auch Xamine, ein Anbieter aus dem Bereich Business Analytics für den SEA Bereich, am dem bmp seit 2010 beteiligt ist, zeigt bereits eine sehr erfolgsversprechende Entwicklung. Neben eigenen Projekten stellt Xamine seine Daten und Lösungen auch anderen Partnern zur Verfügung, etwa bedient sich Ebiquity dieser Erhebungen. Xamine hat den Break Even erreicht und plant in 2012 einen deutlichen Ausbau der Geschäftstätigkeit.

Aber auch die weiteren Portfoliofirmen und die zu erwartenden Neuinvestments versprechen hohes Wachstums- und Exitpotenzial für die Folgejahre. Einen Schwerpunkt setzen wir im Bereich Bewegtbild, einen weiteren im Bereich Business Intelligence / Marketing Services zum Zweck der Erfolgsmessung und zur Performancesteigerung von von Online oder Mobile Marketing Kampagnen sowie der besseren Monetarisierung von qualitativ hochwertigen Reichweiten.

Die jüngste Neuerwerbung ist ein 25,4%-Paket am polnischen Vermarkter Instream Media. Was macht Sie so zuversichtlich, dass Sie mit dieser Beteiligung Ihrem Track Record in Polen eine weitere Erfolgsstory hinzufügen können?

Jens Spyrka: Unsere Investitionsentscheidungen stellen nicht unerheblich auf die Gründerteams ab, hier sehen wir in diesem Fall einen Erfolgsgaranten, da wir die Gründer bereits aus anderen Projekten kennen. Zum zweiten ist es das bearbeitete Marktsegment Bewegtbildwerbung und der Zugriff auf hochwertige Reichweiten, die das Projekt lukrativ erscheinen lassen. Wir gehen davon aus, dass Instream in der Lage sein wird, ein attraktives Angebotsportfolio für die werbetreibende Industrie in Polen zu schnüren und so ein nachhaltiges Geschäft aufzubauen. Zukaufsinteressen sehen wir sowohl bei internationalen Playern, die den polnischen Markt erschließen wollen als auch bei polnischen Anbietern, die das Thema Bewegtbildwerbung zu ihren bestehenden Angeboten ergänzen möchten.

Wie sieht zukünftig Ihre Exit-Strategie im Kerngeschäft aus? Wie lange wollen Sie die Beteiligungen durchschnittlich halten und welche jährlichen Renditen peilen Sie dabei an?

Oliver Borrmann: Die durchschnittliche Haltedauer der Beteiligungen soll zwischen 3 und 7 Jahren liegen, die Rendite sollte aufgrund der Konzentration auf Venture Capital bei über 20 Prozent pro Jahr liegen. Dass wir diese Vorgaben auch erfolgreich umsetzen können, hat einmal mehr unser letzter Exit aus dem Medien & Marketing Services Portfolio mit der polnischen Gesellschaft Pomocni Ende Juli 2011 gezeigt. Hier haben wir unseren Einsatz innerhalb von nur drei Jahren mehr als verneunfacht. Wir sind überzeugt, dass wir durch die Konzentration auf Medien & Marketing Services in Zukunft noch besser werden können.

Die Fokussierung des bmp-Portfolios schreitet voran. Mit ETH, Heliocentris, Newtron und Revotar stehen die vier Beteiligungen, die nicht zum Kernbereich Medien & Marketing Services gehören, zur Disposition. Wie weit sind hier Ihre Exit-Pläne gediehen? Wird es im laufenden Jahr noch eine Transaktion geben?

Oliver Borrmann: Im laufenden Jahr erwarten wir keine Exits mehr aus dem Restportfolio. Jedoch befinden sich alle vier Unternehmen bereits in einer Unternehmensphase, in der ein Exit umgesetzt werden kann. Unser Ziel wird es sein, in 2012 zumindest zwei Unternehmen erfolgreich in Richtung Verkauf zu entwickeln.

Ihre börsennotierte Beteiligung Heliocentris Energy Solutions AG hat mit einem Großauftrag aus den Vereinigten Arabischen Emiraten für seine P21-Technolgie einen entscheidenden Durchbruch erreicht. Die aktuellen Erfolgsmeldungen dürften den Verkauf Ihres 11%-Anteils wesentlich erleichtern. Stehen Sie schon in konkreten Verhandlungen mit potenziellen Käufern?

Oliver Borrmann: Es gibt durchaus einige strategische Investoren, die Interesse an einem Einstieg bei Heliocentris haben. Wir führen aber aktuell keine Verhandlungen über einen Verkauf unserer Position, da wir Heliocentris heute vor einem signifikanten Wachstumssprung sehen, den wir gerne als Investor, der inzwischen seit 12 Jahren in dem Unternehmen investiert ist, miterleben wollen. Wir beabsichtigen aber definitiv innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre den Verkauf unserer Beteiligung an dem Unternehmen.

Ein weiteres Highlight im Exit-Portfolio ist die 38,8%-Beteiligung an der Revotar Biopharmaceuticals AG. Der Newsflow bei Revotar ist unverändert gut. Mittelfristig verfügt die Gesellschaft über ein hohes Ertragspotenzial, allerdings muss zunächst die Finanzierung gesichert werden. Ist hier aktuell eine Lösung in Sicht?

Oliver Borrmann: Revotar ist bis Anfang 2012 finanziert und wir arbeiten zurzeit an einer kleinen Finanzierungsrunde, die noch im Dezember 2011 umgesetzt werden soll. Dadurch soll Revotar den finanziellen Spielraum erhalten, in 2012 einen Pharmadeal, eine große Finanzierungsrunde oder einen IPO umzusetzen. Wenn dies gelingt, stellt Revotar mit Sicherheit aktuell das größte Ertragspotenzial im Portfolio dar.

Welche finanziellen Mittel stehen Ihnen aktuell für Neuinvestments zur Verfügung? Werden Sie bei größeren Investments auch einen Teil des Kaufpreises mit eigenen Aktien begleichen wie im Fall der brand eins Medien AG?

Oliver Borrmann: Unsere Liquidität ist mit knapp sechs Millionen Euro nach wie vor sehr ordentlich, so dass wir in diesem Jahr wahrscheinlich noch drei Neuinvestments umsetzen wollen. Was das Thema Übernahme von Beteiligungen gegen Aktien anbelangt, so würden wir dieses Instrument grundsätzlich gerne ähnlich zu brand eins wieder nutzen, doch leider ist dies aufgrund unseres aktuellen Börsenkurses nicht möglich und macht auch keinerlei Sinn, wir wollen unsere Aktionäre ja nicht unter Wert verwässern.

Die bmp-Aktie notiert aktuell bei 0,63 Euro, rund 38 Prozent unter Ihrem Net-Asset-Value. Worauf führen Sie die Skepsis der Anleger zurück?

Oliver Borrmann: Bei herben Rückschlägen an den Börsen wie diesen Sommer kommen die Beteiligungsgesellschaften oft zuerst unter die Räder, da sie einen Teil ihrer Erlöse auch über Börsengänge erzielen, die in einem solchen Marktumfeld natürlich kaum denkbar sind. Gleichzeitig wird SmallCaps in solchen Phasen meist zuerst der Rücken zugekehrt, da die Aktien nicht so liquide wie eine Daimler sind.

Ungeachtet dessen sind wir aber auch sehr enttäuscht über die Kursentwicklung und haben daher erstmals seit 2007 wieder einen externen Research Report beauftragt, um die Transparenz unserer Aktie und unseres Portfolios für den Anleger zu erhöhen. Wir hatten uns vor dem Börseneinbruch im Sommer als nicht gerade euphorisches Ziel für unsere Marktkapitalisierung 25 Millionen Euro per Ende 2011 vorgenommen, aktuell stehen wir gerade einmal bei der Hälfte. Hier haben wir in den nächsten Monaten noch einiges zu richten.

Kommen wir abschließend auf Ihre Vision zu sprechen: Wo sehen Sie die bmp media investors AG in fünf Jahren?

Oliver Borrmann: In fünf Jahren ist die bmp media investors AG einer der führenden Investoren für innovative Wachstumsunternehmen im Bereich Medien & Marketing Services in Deutschland und Polen. Sie wird über ein inhaltlich breit diversifiziertes Portfolio von voraussichtlich mehr als 30 Unternehmen verfügen und hoffentlich, auch dank der schlanken Kostenstruktur, konstant gute Erträge für die Aktionäre erwirtschaften.

Herr Borrmann und Herr Spyrka, vielen Dank für das Interview.

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