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- Markus Horntrich - Chefredakteur

bmp: Beteiligungen fast geschenkt

Unter Substanzwert: Der kürzlich erstmals wieder veröffentlichte Net-Asset-Value der Beteiligungsfirma bmp liegt deutlich über den aktuellen Kurs. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert bmp-Vorstandschef Oliver Borrmann, was von den Beteiligungen und der neu strukturierten Firma künftig zu erwarten ist.

Nach einer fünfjährigen Unterbrechung hat bmp zum ersten Mal wieder ein Net Asset Value nach IFRS bekanntgegeben. Dieser liegt mit 1,02 Euro je Aktie deutlich über dem aktuellen Börsenkurs. Im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert Unternehmensgründer und Firmenchef Oliver Borrmann, was die Aktionäre künftig von bmp erwarten können.

DER AKTIONÄR: Herr Borrmann, haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Aktie der bmp in den letzten Wochen so abgestraft worden ist?

Oliver BorrmannOliver Borrmann: Das hatten wir in 2008 auch schon erlebt, als wir von Höchstkursen über 3,00 Euro je Aktie binnen Jahresfrist zum Pennystock geworden sind. Sobald die Märkte so nervös und volatil werden wie aktuell, sind wir als SmallCap Wert, der dem Bereich Financial Services zugeordnet wird, meist ganz vorne auf der Schlachtbank.

Dabei wird leider übersehen, dass unser Geschäftsmodell nicht gleich zusammenbricht, wenn wir schwächere Kapitalmärkte sehen. Wir verkörpern ein Portfolio innovativer Wachstumsunternehmen, die sich vollkommen unabhängig von den Kapitalmärkten entwickeln. Bei einer Eigenkapitalquote von 93 Prozent sowie Cash und börsennotierten Wertpapieren von aktuell über 50 Cents je Aktie bekommt der Investor unser Portfolio bei den aktuellen Kursen fast geschenkt.

Wir werden alles Erforderliche unternehmen, schnellstmöglich wieder aus dem Pennystock-Bereich herauszukommen, immerhin bin ich mit meiner knapp 18-Prozent-Beteiligung auch selbst sehr stark betroffen. Aber gegen den Gesamtmarkt können wir uns auf Dauer auch nicht stemmen.

Alle Anleger, die sich mit Holdinggesellschaften beschäftigen, wissen, dass konstante Gewinne oder ein konstanter Gewinntrend nur sehr schwierig zu erreichen sind, insbesondere dann, wenn unregelmäßige Exits an der Tagesordnung stehen. Wie zufrieden sind Sie vor diesem Hintergrund mit dem Ergebnis des ersten Halbjahres?

Diese Einschätzung ist grundsätzlich richtig, sofern man nicht über eine kritische Masse von Beteiligungen verfügt. Wir wollen unser Portfolio in den kommenden Jahren deutlich ausbauen, dann werden unsere Ergebnisschätzungen auch einfacher.

Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit unserem 1. Halbjahr 2011. Wir konnten unseren Umsatz deutlich von 1,8 auf 4,6 Millionen Euro steigern, haben unsere Liquidität im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und konnten das Halbjahr mit einem Gewinn von über 0,9 Millionen Euro profitabel gestalten.

Aber was noch viel wichtiger ist: Wir haben im 1. Halbjahr den Umbau der bmp vorbereitet und erfolgreich abgeschlossen. Die ehemalige bmp AG notiert jetzt als reinrassige Media-Beteiligungsgesellschaft mit schlanker Kostenstruktur im Prime Standard, die 90-Prozent-Tochtergesellschaft bmp Beteiligungsmanagement AG ist ist Juli 2011 im Open Market gelistet worden, so dass die bmp media investors AG sich bis zum Jahresende von ihrer Mehrheitsbeteiligung trennen kann. Dieser Schritt wird beiden Gesellschaften sehr gut tun und bmp vollkommen neue Wachstumsperspektiven ermöglichen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Umbau Ihres Portfolios, den Sie in den ersten Monaten des laufenden Jahres angegangen sind?

Wir wollen mittelfristig als bmp media investors AG natürlich nur noch Beteiligungen aus dem Bereich Media & Marketing Services im Portfolio halten. Unser sonstiges Portfolio konnten wir durch den Verkauf von ergoTrade von fünf auf vier Beteiligungen reduzieren. Hier ist natürlich noch einiges zu tun, um in zwei bis drei Jahren das sonstige Portfolio abgebaut zu haben. Aber wir setzen uns selbst unter keinerlei Zeitdruck, sondern warten jeweils auf den richtigen Zeitpunkt zum Verkauf der Beteiligungen.

bmp media investors hatte per 30.06. börsengängige Wertpapiere und Zahlungsmitteläquivalente von 8,7 Millionen Euro in der Bilanz, davon knapp drei Millionen Euro börsengängige Wertpapiere. Wie schnell können Sie diese veräußern, wenn Sie liquidieren wollten?

Die börsengängigen Wertpapiere bestehen nach dem Verkauf der börsennotierten Beteiligung K2 Internet im April 2011 per 30. Juni ausschließlich aus Aktien der Heliocentris Energy Solutions AG. Ich gehe davon aus, dass wir diese äußerst spannende Beteiligung sehr kurzfristig außerbörslich umplatzieren könnten, wenn wir es denn wollten. Aber das wollen wir heute mit Sicherheit nicht, wir haben noch einiges mit dem Unternehmen vor.

Wie läuft das Geschäft bei Heliocentris?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Gesellschaft. Die Integration der Übernahme P21 schreitet sehr gut voran, zum 1. September erfährt die Gesellschaft mit Ayad Abul-Ella eine hervorragende Verstärkung des Vorstandes. Und gerade durch die Übernahme der Assets der P21 zeichnet sich ein fulminanter Ausbau des Industriegeschäftes ab.

Da es sich hier aber oft um größere Projekte mit längeren Akquisitionszyklen handelt, konnte Heliocentris in den ersten Wochen nach der Übernahme noch nicht mit großen Abschlüssen aufwarten. Man muss aber kein Wahrsager sein, um vorherzusehen, dass Heliocentris die Umsatzhürde von zehn Millionen Euro in 2012 klar überschreiten dürfte, und das nach vier Millioenen Euro Umsatz in 2010. Wir können uns also auf spannenden Wochen und Monate freuen.

Und bei Revotar?

Hier hat sich in den letzten Wochen wenig verändert. Das Management arbeitet weiter mit Hochdruck an einer Finanzierungsrunde über 25 Millionen Euro  oder einem Lizenzdeal mit einem Pharmaunternehmen und bleibt zuversichtlich, dies auch bis Ende 2011 umsetzen zu können. Das aktuelle Marktumfeld kommt uns dabei natürlich nicht sonderlich gelegen, aber wir sind erfahren genug, auch damit umgehen zu können.

Wie viel Aktien von der bmp Beteiligungsmanagement AG konnten nach dem Halbjahresstichtag über die Börse veräußert werden und wie viel Ergebnis haben Sie damit gemacht?

Wir haben seit dem Listing am 15.07.2011 fast noch keine Aktien der bmp Beteiligungsmanagement AG über die Börse verkauft, das hatten wir aber auch nicht vor. Unser Ziel ist es, zum Jahresende auf alle Fälle in der Minderheit, besser bei unter 20 Prozent Beteiligung zu sein. Dieses Ziel erachten wir als äußerst realistisch.

Wenn Sie per 31.08. ein NAV berechnen würden, würde dieser höher oder niedriger liegen als zum 30.06.?

Da wir dies nicht tun, kann ich Ihnen darauf auch nicht antworten. Es macht keinerlei Sinn, den NAV auf täglicher Basis zu ermitteln, da wir gerade in Private Equity, nicht in Public Equity, investieren. Und hier finden Bewertungsänderungen nur bei gewissen Ereignissen statt, wei etwa bei einem Verkauf, einem IPO, einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage etc. Somit können Sie zumindest per heute davon ausgehen, dass sich der NAV kaum verändert haben dürfte.

Haben Sie noch (positives) Überraschungspotenzial?

Wenn ich das verraten würde, wären es keine Überraschungen mehr. Zumindest sind die Chancen für positive Überraschungen deutlich größer als für negative, das ist doch auch schon mal eine Aussage.

Werden Sie das gedrückte Kursniveau nutzen, um Ihre Position selbst aufzustocken?

Um ehrlich zu sein würde ich das liebend gerne tun. Da ich aber bereits mein ganzes Geld in bmp gebunden habe, sind mir aktuell etwas die Hände gebunden.

Herr Borrmann, vielen Dank für das Gespräch.

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