Bitcoin
- Marco Bernegg

Bitcoin vs. Bitcoin Cash – Welcher ist der „wahre Bitcoin“?

Die Identität des eigentlichen Bitcoin-Begründers, Satoshi Nakamoto, bleibt weiterhin unbekannt. Seine Vision, ein elektronisches Peer-to-Peer-Bezahlsystem frei von jeglicher Kontrolle von Drittparteien zu etablieren, begeistert bis heute viele Menschen. Satoshi Nakamoto ist jedoch vor einigen Jahren von der Bildfläche verschwunden und wirkte somit nicht mehr an der Weiterentwicklung seiner Vision mit. Den Bitcoin-Entwicklern blieb das Whitepaper als eine der wenigen Hinterlassenschaften, um die Idee des unbekannten Genies umzusetzen. 

Im Nachhinein betrachtet, ist es leicht zu sagen, dass ein Streit vorprogrammiert war. Schließlich war die Idee auf lediglich neun Seiten Whitepaper niedergeschrieben, die Spielraum für Interpretation lassen. Hinzu kommen einige Mails und Blogeinträge von Satoshi Nakamoto, in denen er seine Ideen erläutert. 

Die Blocksize-Debatte

Bereits seit vielen Jahren wird in der Bitcoin-Community über eine Lösung des Skalierungsproblems diskutiert und sogar gestritten. Dieses rückte mit dem Hype 2017 endgültig in den Vordergrund, als das Bitcoin-Netzwerk an seine Grenzen stieß. Lange Transaktionszeiten und hohe –kosten waren die Folge. 

Das Problem lag in der Blockgröße, die im Whitepaper (ohne Begründung) auf ein Megabyte festgelegt war. Die maximale Kapazität pro Block begrenzt somit die Geschwindigkeit von Bitcoin, da immer nur eine bestimmte Anzahl an On-Chain-Transaktionen verarbeitet werden kann. 

Viele Community-Mitglieder machten sich deshalb für eine Erhöhung der Blockgröße stark. Größere Blöcke schaffen Platz für mehr Nutzer und werden Bitcoin zu einem alltagstauglichen und wettbewerbsfähigen Zahlungsmittel machen, lautete die Argumentation der sogenannten „Big Blocker“. Außerdem wurde den Bedenken einer möglichen Zentralisierung aufgrund höherer Teilnahmekosten entgegnet, dass die größere Blockgröße mehr Parteien in das Netzwerk bringen würde, die wiederum die Dezentralisierung aufrechterhalten werden.

„Small Blocker“ sahen jedoch gerade diese in Gefahr. Durch eine Erhöhung der Blockgröße steigen die Eintrittsbarrieren. Kleine Akteure können dann nicht mehr am Validierungsprozess teilnehmen, da sie die nötige Rechenleistung nicht mehr aufbringen können. Dies gefährdet die erwünschte Zensurresistenz des Bitcoin. Es würden lediglich noch die großen Mining-Pools profitieren, was zu einer Zentralisierung des Netzwerkes führen würde. Die Erhöhung würde dann zudem einen Präzedenzfall darstellen und möglicherweise zu weiteren Blockvergrößerungen führen. „Small Blocker“ sprachen sich für eine effizientere Nutzung der vorhandenen Blockkapazität aus, beispielsweise durch kleinere Transaktionsgrößen oder Off-Chain-Transkationen (Stichwort: Lightning-Netzwerk). Eine Erhöhung der Blockgröße wird als kurzfristiger Ansatz abgestempelt. Es soll eine nachhaltigere Lösung her.

Betrachtet man die Situation aus Sicht der Nutzer ist die Sache eigentlich klar: Größere Blöcke führen zu geringeren Transaktionsgebühren und schnelleren Transaktionen. Deutlich komplizierter sah es aus der Perspektive der Miner aus. Diese verdienten natürlich ihr Geld durch Transaktionsgebühren und liefen Gefahr durch ein effizienteres Netzwerk und den damit sinkenden Gebühren weniger Gewinn zu machen. Andererseits könnte eine wachsende Nutzerzahl die Verluste kompensieren – vielleicht wären dadurch sogar größere Gewinne möglich. 

Die Fronten der beiden Lager waren derart verhärtet, dass eine Hard Fork nicht mehr zu vermeiden war. Am ersten August 2017 erfolgte die Abspaltung von Bitcoin Cash. Die Kryptowährung hat aktuell eine Blockgröße von 32 Megabyte und konnte durch die jüngsten Stresstests eine hohe Skalierungsfähigkeit nachweisen. Die Entwickler des Bitcoin arbeiten derweil weitehrin an der Implementierung des Lightning-Netzwerkes, um ebenfalls eine hohe Skalierung erreichen zu können.

Und nun?

Letztendlich geht es darum, ob Dezentralität vernachlässigt wird, um Skalierung zu ermöglichen. Die „Small Blocker“ wollen das Netzwerk weiterhin so dezentral halten, wie es ist und vertreten damit sehr wahrscheinlich auch die Meinung von Satoshi Nakamoto. Denn die Dezentralität macht den Bitcoin aus. Doch auch die „Big Blocker“, die eine nachhaltigere Lösung für das Problem anstreben, erfüllen den Wunsch des Bitcoin-Begründers, ein elektronisches Peer-to-Peer-Bezahlsystem zu schaffen (wie es im Whitepaper beschrieben ist). Durch die größeren Blöcke ist das System momentan deutlich besser für den Alltag geeignet. 

Es ist also eine reine Einstellungsfrage, für welchen Bitcoin man sich ausspricht. Aus Sicht von Investoren sollten beide Assets in ein Portfolio aufgenommen werden, um das Risiko zu reduzieren.

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