Bilfinger
- Markus Bußler - Redakteur

Bilfinger: Jetzt wird’s bizarr

Die Aktie des Baudienstleisters Bilfinger schlägt sich heute in einem schwachen Gesamtmarkt verhältnismäßig gut. Und das, obwohl dem Unternehmen die Insolvenz droht – zumindest dann, wenn es nach einem türkischen Subunternehmer geht. Er hat Insolvenzantrag gegen Bilfinger in Katar gestellt.

Der Dienstleistungskonzern Bilfinger steht laut einem Pressebericht vor einem Imageschaden in der Golfregion. Nachdem sich der Konzern seit Jahren geweigert habe, ein Schiedsurteil der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris zu akzeptieren, drohe nun eine Blamage schreibt das Handelsblatt. Der laut Schiedsspruch geschädigte türkische Subunternehmer Tubin habe gegen Bilfinger in Katar einen Gläubigerantrag auf Insolvenz gestellt. Bilfinger sagte auf Anfrage des Blatts, der Insolvenzantrag entbehre jeder Grundlage. Ein Bilfinger-Sprecher kritisierte auch die Entscheidung der ICC. Der Schiedsspruch weise "gravierende Mängel" auf.

Vorfall liegt einige Jahre zurück

Im Zentrum des Streits steht ein 5,6 Kilometer langer Autobahn-Abschnitt in der Hauptstadt von Katar. Ein von Bilfinger geführtes Joint Venture gewann 2006 die Ausschreibung für das 275 Millionen US-Dollar-Projekt und verpflichtete sich zur Fertigstellung des Doha Express Ways bis Januar 2008. Bilfinger suchte sich als Subunternehmer den türkischen Baukonzern Tubin. Beim Bau kam es zu erheblichen Verzögerungen.

Das Schiedsgericht sah die Schuld für Verzögerungen laut dem Blatt Ende 2011 bei Bilfinger. „Das Gericht hat entschieden, dass die angeblich schlechte Leistung von Tubin zum großen Teil daran lag, dass das Bilfinger Joint Venture dem Subunternehmen zu wenig zahlte", zitiert das Blatt aus dem Schiedsspruch. Bilfinger solle 65 Millionen US-Dollar an Tubin zahlen.

Sicherlich sind das keine guten Nachrichten für Bilfinger. Doch das Unternehmen 65 Millionen Dollar zahlen soll, ist keine Neuigkeiten. Und von einer Blamage zu sprechen, erscheint doch reichlich übertrieben. Vielmehr zeigt dieser Vorfall, dass der eingeschlagene Weg, sich vom risikoreichen Baugeschäft hin zum Dienstleistungsgeschäft zu orientieren, richtig ist. DER AKTIONÄR rät Anlegern, Ruhe zu bewahren.

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