ASV Axel Springer Verlag AG
- DER AKTIONÄR

Bild, BamS und Glotze

Die bevorstehende Fusion von Springer und ProSiebenSat.1 schlägt hohe Wellen. Wie können Anleger von diesem Megadeal profitieren? DER AKTIONÄR stellt Ihnen die interessantesten Medienwerte vor.

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Von Michael Lang

Springer-Chef Mathias Döpfner ist nach zähen Verhandlungen endlich am Ziel. Durch die Übernahme des TV-Konzerns ProSiebenSat.1 schafft sich die Verlagsgruppe Axel Springer (Bild, Welt, Hörzu) ein zweites lukratives Standbein und avanciert damit zum ersten börsennotierten Medienkonzern Deutschlands, der sowohl im Print- als auch im TV-Bereich aktiv ist.

Finanzieller Kraftakt

Insgesamt hat die Transaktion ein Volumen von bis zu 4,2 Milliarden Euro. Im ersten Schritt übernimmt die Axel Springer AG für rund 2,5 Milliarden Euro das Aktienpaket der Investorengruppe German Media Partners um Haim Saban und erhöht damit ihren Anteil an ProSiebenSat.1 von zwölf auf 62,5 Prozent. Pro Stammaktie zahlt der Berliner Konzern 22,60 Euro in bar plus 0,0085 eigene Aktien. Zwar steht die Übernahme noch unter dem Vorbehalt kartell- und medienrechtlicher Genehmigungen, Branchenexperten erwarten jedoch allenfalls kleinere Auflagen und kein grundsätzliches Veto.

Im zweiten Schritt ist ein Übernahmeangebot an die Vorzugsaktionäre geplant. Diese Offerte zu 14,10 Euro je Aktie hat ein Volumen von bis zu 1,16 Milliarden Euro. Darüber hinaus übernimmt Springer Schulden in Höhe von 550 Millionen Euro. Abschließend ist die Verschmelzung der beiden Unternehmen geplant, die bis Frühsommer 2005 über die Bühne gebracht werden soll.

Profiteur Premiere

Für Springer kommt dieser Deal einem finanziellen Kraftakt gleich. Der erforderliche Kredit in Höhe von drei Milliarden Euro soll zwar aus dem laufenden Cashflow beglichen werden, die zusätzliche Verschuldung schränkt jedoch die Investitionsmöglichkeiten des Bild-Konzerns in den kommenden Jahren empfindlich ein. Zudem werden die Berliner gezwungen sein, durch den Verkauf einzelner Beteiligungen zusätzliche Finanzmittel zu erlösen.

Ein kostspieliger Ausflug in den Pay-TV-Sektor scheint für Springer vor diesem Hintergrund vorerst nicht realisierbar. Wenngleich ProSiebenSat.1 am 1. August Lizenzen für vier Pay-TV-Kanäle beantragt hat, scheint dies nach der Verschmelzung zunächst nur eine Randaktivität zu bleiben. Deshalb gilt unter Beobachtern Premiere als einer der Profiteure, bleibt dem deutschen Marktführer im Bezahlfernsehen doch ein starker Konkurrent erspart, der die Preise für exklusive TV-Rechte zusätzlich in die Höhe getrieben hätte.

Neue Nahrung könnten mittelfristig auch die Übernahmespekulationen um den Medienkonzern EM.TV erhalten. Denn der ehemalige Highflyer des Neuen Marktes verfügt nicht nur über ein umfangreiches Lizenzangebot an Kinder- und Jugendprogrammen. Mit dem Flaggschiff DSF hat EM.TV einen lukrativen Sportkanal im Portfolio, der angesichts der unangefochtenen Marktstellung in Deutschland durchaus Begehrlichkeiten wecken könnte.

Strahlender Sieger

Hauptprofiteur ist jedoch der bisherige Großaktionär Haim Saban, der 2003 nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe die Mehrheit an ProSiebenSat.1 zum Schleuderpreis erworben hatte. Nachdem das von Saban und Vorstandschef Guillaume De Posch initiierte Restrukturierungsprogramm trotz rückläufigem Werbemarkt den Turnaround ermöglicht hat, realisiert die Saban-Gruppe nun einen Gewinn von fast 1,6 Milliarden Euro.

Kaum Grund zur Freude haben hingegen die freien Aktionäre. Das Übernahmeangebot in Höhe von 14,10 Euro je Aktie entspricht zwar dem gesetzlichen Minimum, wird jedoch von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) als deutlich zu niedrig kritisiert. Allerdings verweist DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker auf die Chance einer Nachbesserung. Der beabsichtigte Aktientausch ermögliche ein Spruchstellenverfahren, das den ProSiebenSat.1-Aktionären einen Nachschlag bescheren könnte.

Konkurrenz greift an

Döpfner gelang mit dem Einstieg ins TV-Geschäft zwar ein Quantensprung, doch ein Selbstläufer wird der neu geschaffene Mediengigant sicherlich nicht. Angesichts eines weiterhin rückläufigen Werbemarktes schmerzt die Programmoffensive der Konkurrenz besonders.

Neben einem Relaunch von Tele5 als Spielfilmsender, wildert auch NBC Universal mit dem neuen Free-TV-Kanal "Das Vierte" im ProSiebenSat.1-Revier. Döpfners großer Vorteil liegt in den cross-medialen Vermarktungsmöglichkeiten, die sich ihm nun eröffnen.

So zeigt sich auch Finanzinvestor Hellman & Friedman vom Potenzial des neuen Konzerns überzeugt. Die US-Beteiligungsgesellschaft, die bereits rund 19 Prozent der Springer-Aktien hält, will ihren Anteil am fusionierten Konzern weiter aufstocken und dafür bis zu 300 Millionen Euro investieren.

Medienriese fürs Depot

Ungeachtet der Frage, wie der TV-Einstieg Springers angesichts der entstehenden Meinungsmacht medienpolitisch zu werten ist, dürfen sich Anleger auf die Geburt eines zweiten deutschen Mediengiganten neben Bertelsmann freuen. Für ProSiebenSat.1-Aktionäre empfiehlt es sich dabei nicht, auf das Barangebot Springers einzugehen. Obwohl es noch Monate dauern wird, bis das konkrete Umtauschverhältnis vorliegt, sind angesichts des überschaubaren Risikos sogar Zukäufe vertretbar. Für Anleger, die es eine Spur spekulativer mögen, bietet sich EM.TV als Depotbeimischung an.

Artikel aus DER AKTIONÄR (34/05).

 

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