Solarworld
von Florian Söllner - Leitender Redakteur

Bilanz-Zündstoff: Solarworld mit großen Problemen

Die jetzt vorgelegte Bilanz der Solarworld AG hat es in sich. Sie zeigt schonungslos, wie tief die Probleme des Solarmodulherstellers gehen. Interessant sind vor allem die langfristigen Silizium- und Waferverträge.

Zunächst ein Lob: Solarworld hat eine sehr transparente Jahresbilanz für 2011 vorgelegt. Doch die schön illustrierten 230 Seiten bestätigten in aller Deutlichkeit die großen Probleme. Solarworld spürt den überraschend hohen Preisverfall von Silizium, Wafern und Modulen von bis zu 50 Prozent innerhalb eines Jahres sehr schmerzhaft - vor allem wegen der Auswirkungen auf langfristige Wafer- und Siliziumverträge der Firma.

Waferverträge. Solarworld schreibt offen über das bereits in Ausgabe 02/2012 von DER AKTIONÄR thematisierte Problem: "Im Laufe des Berichtsjahres 2011 lösten Waferkunden infolge der schlechten Rahmenbedingungen im Solarmarkt vermehrt ihre langfristigen Verträge mit uns auf. Die Auflösung der vorgeleisteten Anzahlung sowie die Schadenersatzansprüche (...) wirkten sich zwar zunächst positiv auf unser Ergebnis aus, zeitgleich sank aber unsere langfristige Auftragslage." Die deutlichsten Auswirkungen stehen also wohl noch aus. Zumal die Lage nicht besser wird. "Noch immer herrscht eine erhöhte Unsicherheit über die aktuelle Auftragslage für Waferlieferungen, da weiterhin die Gefahr besteht, dass eine Vielzahl von Kunden ihren Abnahmeverpflichtungen nicht nachkommt." 

(Grafik aus Ausgabe 02/2012 - zwischenzeitliche Vertragsänderungen wahrscheinlich)

Siliziumverträge. Besonders schmerzhaft: Wafer werden nicht mehr abgenommen, aber gleichzeitig ist Solarworld daran gebunden, dafür zuvor bestelltes Silizium abzunehmen. In der Bilanz steht: "Aufgrund des Wegfalls von Langfristkunden müssen nach derzeitigen Planungen deutlich mehr Mengen abgenommen werden, als die SolarWorld für ihren eigenen Bedarf braucht." Gleichzeitig werden die Verträge und ausgehandelten Einkaufspreise immer ungünstiger, da der Spotmarktpreis für Silizium fällt. Die Solarfirma ist ehrlich und schreibt: "Solarworld könnte gezwungen sein, überschüssige Siliziummengen unter den Einstandspreisen weiter zu veräußern."

Finanzierung. Ebenfalls brisant: Solarworld spricht von einem "hohen" Risiko, dass "aufgrund der gesunkenen Ertragskraft die Gefahr besteht, dass insbesondere die Kennziffer für den Verschuldungsgrad (Nettoverbindlichkeiten/EBITDA) überschritten wird." Damit könnten Gläubiger eine Rückzahlung durchsetzen und es kann es zu einem kurzfristigen Refinanzierungsbedarf kommen.

Bilanz. Auch an den nackten Zahlen lässt sich die Krise deutlich ablesen: Das Eigenkapital ging von 923 Millionen auf 631 Millionen Euro zurück. Der Cashflow aus operativer Tätigkeit brach von 313 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 3,6 Millionen Euro ein. Gleichzeitig sind die Vorräte - offensichtlich aufgrund schleppender Wafer- und Modulverkäufe - von 337 auf 387 Millionen Euro angestiegen.

Perspektiven. Immerhin: Aufgrund der langfristigen Finanzierung ist die bilanzielle Kraft von Solarworld noch deutlich höher als die vieler Konkurrenten. Auch die Firma selbst weist daraufhin: "Der Fortbestand des Konzerns ist zum Zeitpunkt der vorliegenden Berichterstattung nicht gefährdet." Operativ will man dem zunehmenden Wettbewerbsdruck beim Verkauf von Wafern oder Modulen mit einer hohen Produktqualität entgegentreten: "Eine unserer anerkannten Stärken liegt im Bereich der kundenspezifischen Solarstromlösungen für gewerbliche und private Hausdächer. Unsere Kraft wird daher auch zukünftig darin liegen, diese Kompetenz noch weiter auszubauen."

Weiter meiden

DER AKTIONÄR rät mittelfristig orientierten Anleger weiterhin, das Papier zu meiden. Zumal der bisherige Gewinngarant Waferverträge wegzubrechen droht. 2012 könnten vielmehr weitere Abschreibungen auf Vorräte und Fabriken anstehen. Wegen Überkapazitäten und des Preisverfalls dürfte parallel dazu die operative Gewinnmarge sinken. Analysten-Prognosen (EPS 0,06 Euro) zufolge ist das laufende Solarworld-KGV auf mittlerweile 50 gestiegen.

| Markus Bußler | 0 Kommentare

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