KT ADR 1/2/SW 5000
- DER AKTIONÄR

Besser spät als nie

Der neue TV-Spot der Deutschen Telekom hat es in sich. Zum Rolling-Stones-Kultsong „Paint it black“ erlebt ein junges Paar die Vorzüge des neuen Markenmottos „Grenzenlos zuhause“: in New York, in der Allianz-Arena, bei einem Rock-Konzert, auf einer Party, im Traumurlaub. Das Ganze ist technisch aufwendig produziert und rasant geschnitten und ein Sinnbild dafür, wie viel Bewegung derzeit in der Branche ist.

Aktien aus der Telekombranche sind auf dem aufsteigenden Ast. Die Unternehmen sind zum einen günstig, zum anderen gibt es jede Menge Übernahmefantasie.

Der neue TV-Spot der Deutschen Telekom hat es in sich. Zum Rolling-Stones-Kultsong „Paint it black“ erlebt ein junges Paar die Vorzüge des neuen Markenmottos „Grenzenlos zuhause“: in New York, in der Allianz-Arena, bei einem Rock-Konzert, auf einer Party, im Traumurlaub. Das Ganze ist technisch aufwendig produziert und rasant geschnitten und ein Sinnbild dafür, wie viel Bewegung derzeit in der Branche ist. DER AKTIONÄR hat den Sektor analysiert und stellt die vielversprechendsten Papiere vor.

Obermann packt es an

Ein Grund für die neue Attraktivität der Telcos ist die Übernahmefantasie. Vor wenigen Wochen haben die Investmentbank Goldman Sachs und der Finanzinvestor Texas Pacific Group den US-Mobilfunker Alltel für 27 Milliarden Dollar geschluckt. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass Alltel 2006 gerade einmal sieben Milliarden Dollar umgesetzt hat. Auch in Europa tut sich was: Die Deutsche Telekom hat ein Auge auf die France-Télécom-Tochter Orange Niederlande geworfen. Die Franzosen haben indes den spanischen ADSL-Provider Ya.com für 320 Millionen Euro von der Deutschen Telekom übernommen. Die Konsolidierung dürfte weitergehen, da viele Telcos organisch kaum noch zulegen und daher nennenswertes Wachstum nur noch durch Übernahmen möglich ist. Branchenkenner halten es für denkbar, dass bald auch einer der großen Anbieter gekauft wird. Ins gleiche Horn stößt Telekom-Chef René Obermann: Kurzfristig rechne er zwar nicht damit, mittel- bis langfristig bestehe aber diese Gefahr. Die Konsequenz: Der DAX-Konzern müsse seinen Wert steigern, um sich vor einem Aufkauf zu schützen. Deswegen will Obermann den Markenauftritt vereinfachen. Das eingangs erwähnte Konzept „Grenzenlos zuhause“ bedeutet, dass es nur noch zwei Telekom-Marken gibt: T-Mobile vereint alle Produkte für unterwegs, T-Home beinhaltet sämtliche Angebote für zu Hause. T-Com geht in der Marke T-Home auf. Zudem will Obermann die Konzernstrukturen verbessern und so deutlich höhere Margen einfahren. Bis 2010 sollen bis zu 4,7 Milliarden eingespart werden. Kein einfaches Vorhaben, wie der Kampf mit der Gewerkschaft Ver.di zeigt. Kann Obermann seine Ziele durchsetzen und den (noch) unbeweglichen Koloss Deutsche Telekom flexibler und effizienter machen, würde dies dem Kurs der T-Aktie aufdie Sprünge helfen.

Noch mehr Favoriten

Seit Längerem gilt KPN als Übernahmekandidat. Kaum ein Telekomunternehmen ist mit seiner Restrukturierung so weit fortgeschritten wie die Holländer. KPN-Chef Ad Scheepbouwer will aus dem Unternehmen einen Multimediakonzern machen. Seit Kurzem gibt KPN zusammen mit dem Verlag PCM eine neue Gratis-Tageszeitung namens Dag heraus. Auflage: 300.000. Seit Empfehlung des AKTIONÄRS ist die Aktie um 80 Prozent gestiegen. Mit einem aktuellen 2008er-KGV von 14 und einer Dividendenrendite von 4,5 Prozent ist das Papier aber noch nicht zu teuer. Auch MTN (s. DER AKTIONÄR 25/07), AT&T, Telefónica und Vodafone sind empfehlenswert. AT&T dürfte in den kommenden Monaten eine Sonderkonjunktur erleben: Das Unternehmen besitzt zusammen mit Apple das Vertriebsrecht für das Kulthandy iPhone, das es in den USA ab Ende Juni zu kaufen gibt. Laut den Analysten von UBS spiegelt der Aktienkurs von AT&T das anziehende Wachstum des Unternehmens nicht wider. Deswegen raten sie zum Kauf des Titels. Telefónica hat sich zum Muster-Telekomkonzern entwickelt. Die Spanier haben mittlerweile 200 Millionen Kunden und sind damit klare Nummer 1 in der Spanisch und Portugiesisch sprechenden Welt. Mit einem 2008er-KGV von 11 zählt Telefónica zu den günstigsten Papieren der Branche. Vodafone profitiert von seiner starken Position in den Schwellenländern. Zudem gibt es Gerüchte, die Briten könnten übernommen oder von einem Investor zur Aufspaltung gedrängt werden. Jüngst hieß es, AT&T sei am Kauf von Vodafone interessiert.

Hierzulande noch relativ unbekannt ist die koreanische KT Corp. Die Börse in Seoul zählt in diesem Jahr zu den weltweit stärksten Märkten, KT Corp hat allerdings noch reichlich Nachholpotenzial. Koreas Nummer 1 in Sachen Festnetz, Mobilfunk und Internet ist nämlich extrem günstig: Das 2008er-KGV beträgt 9, die Dividendenrendite beläuft sich auf stolze 5,1 Prozent.

Ausgeschlafen

Die Telcos sind aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und sorgen für reichlich Bewegung. Die Branche lockt mit niedrigen KGVs und hohen Dividendenrenditen. Trotzdem sollten Börsianer bei dem einen oder anderen Wert etwas Geduld mitbringen. Anleger investieren entweder in die vorgestellten Einzelwerte oder kaufen das DJ Sector Titans Telecom Indexzertifikat. Wer sich auf die europäischen Unternehmen beschränken möchte, für den eignet sich der Indexfonds DJ Stoxx 600 Telecom. EX (ISIN: DE0006289358).

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 26/2007.

Hier erhalten Sie weitere Informationen zum Magazin.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV