- DER AKTIONÄR

Besser als Ebay?

Mit einer neuen Online-Plattform will die Artnet AG den Kunsthandel im Internet populärer machen. Die Vorteile liegen auf der Hand.

Der Kunsthandel bei Online-Auktionen beschränkt sich meist auf Kunstwerke der untersten Preisklasse. Zu groß erscheint den Interessenten die Betrugsgefahr, zu vage eventuelle Echtheitsgarantien. Wird man hingegen bei traditionellen Auktionshäusern fündig, muss man hohe Gebühren in Kauf nehmen.

Günstiger und schneller

Die Vorteile beider Konzepte verbinden will nun die Artnet AG mit einer Transaktionsplattform, bei der lediglich registrierte Händler mitsteigern können. Kunsthändler sind schon jetzt die Hauptkunden der mit 100.000 Kunstwerken von 25.000 Künstlern gefüllten Galerie-Datenbank von Artnet. Will einer der über zwei Millionen monatlichen Besucher auf der Website einen alten Meister oder einen modernen Immendorff ersteigern, macht er dies direkt über einen der registrierten Händler. Dies verhindert Betrugsprobleme à la Ebay. Während beim Kauf von Kunstwerken auf herkömmlichem Wege Gebühren von bis zu 30 Prozent anfallen, wird der Handel über Artnet künftig schneller und mit einem Provisionssatz von rund zehn Prozent deutlich günstiger funktionieren. „Es wird nur gute Kunst angeboten, hauptsächlich der mittleren Preisklasse bis 100.000 Euro“, so Artnet-Vorstand Hans Neuendorf im Gespräch mit dem AKTIONÄR.

Hohe Wachstumsraten

Selbst ohne den neuen Auktionsbereich, welcher schon in wenigen Monaten startet, kann sich Artnet nicht über mangelnde Einnahmen und Wachstum beklagen. In den ersten neun Monaten 2005 stiegen die Umsätze, die sich aus Gebühren für die Nutzung der Datenbank und aus Werbeeinnahmen zusammensetzen, um 30 Prozent auf 4,7 Millionen Euro. Dabei wurde ein Nettogewinn von 0,9 Millionen Euro eingefahren. Während das Gros der Gewinne bisher in den USA erzielt wurde, entwickelt sich mittlerweile auch das Deutschland-Geschäft vielversprechend. „Der Zuspruch ist sehr lebhaft“, so Neuendorf, der nun auch Großbritannien und Frankreich ins Visier nimmt. Größter Konkurrent ist die französische Artprice, die neben einer reinen Preis- und Datenbank auch einen Kleinanzeigenteil für Kunstverkäufe anbietet.

Fazit

Obwohl Konkurrent Artprice nur halb so viel erlöst wie Artnet und zudem defizitär arbeitet, weisen die Franzosen mit einer Marktkapitalisierung von 170 Millionen Euro eine annähernd vierfach höhere Bewertung auf. Selbst wenn der Auktionsbereich im laufenden Geschäftsjahr erst geringe Ergebniseffekte beiträgt, dürfte Artnet einen Nettogewinn von mindestens 1,7 Millionen Euro erzielen. Da die Aktie aktuell nicht viel mehr als das bereits etablierte und boomende Geschäft einpreist, winkt bei einem Erfolg des neuen Angebots eine Kursvervielfachung.

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