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Bereit zum Abheben

Nach dem Going Public von MTU will mit Thielert nun ein weiteres Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie an der Börse durchstarten - eine neue Kaufchance? Bis 2007 rechnen Analysten mit einem durchschnittlichen Erlöswachstum von 55 Prozent.

Nach dem Going Public von MTU will mit Thielert nun ein weiteres Unternehmen aus der Luftfahrtindustrie an der Börse durchstarten - eine neue Kaufchance? Bis 2007 rechnen Analysten mit einem durchschnittlichen Erlöswachstum von 55 Prozent.

Von Nancy Lanzendörfer

Thielert wächst dank der Entwicklung des ersten modernen Dieselmotors für Kleinflugzeuge mit zweistelligen Zuwachsraten. Das EBITDA kletterte im letzten Jahr von 10 auf 11,3 Millionen Euro, der Umsatz stieg sogar um 61 Prozent auf 24,2 Millionen. Bis 2007 rechnen Analysten mit einem durchschnittlichen Erlöswachstum von 55 Prozent. Ein gutes Omen für die Aktie?

Allzweckwaffe Centurion

Thielert fertigt Motorkomponenten für die Luftfahrt- und Automobilindustrie sowie den Motorsport. Das Unternehmen entwickelt und produziert aber auch Jet-Fuel-Flugmotoren der Centurion-Reihe. Das Besondere ist, dass diese sowohl mit Kerosin als auch mit Diesel betrieben werden können. Konventionelle Flugzeugmotoren müssen indes mit dem verbleiten Superkraftstoff AvGas vorlieb nehmen, und hier ist das Angebot auf dem Markt rückläufig, heißt es. Zudem reduzieren sich die operativen Flugkosten um bis zu 60 Prozent, so die Hamburger, die daher mit einer anhaltend hohen Nachfrage rechnen. Neben Kleinflugzeugen können auch in unbemannten Flugzeugen (UAV) Centurion-Motoren eingesetzt werden. Thielert liefert diese etwa an die US-Firma General Atomics, die im August durch das US-Verteidigungsministerium einen langfristigen Vertrag zur Lieferung von UAV mit Thielert-Motoren erhielt.

Börsenwert: 307 Millionen Euro?

Thielert will sich am 7. November selbst zu seinem IPO äußern. Presseberichten zufolge sollte sich die Emission insgesamt auf 100 bis 150 Millionen Euro belaufen, dem Unternehmen sollen etwa 80 Millionen Euro zufließen. Damit wollen die Hanseaten Verbindlichkeiten reduzieren, neue Motoren entwickeln und eben die Expansion in die entscheidenden Wachstumsmärkte China und vor allem die USA finanzieren. Von den fast zehn Millionen Papieren sollen etwa 50 Prozent aus einer Kapitalerhöhung stammen. Da Dresdner Kleinwort Wasserstein der Firma einen fairen Wert von 307 Millionen Euro zuspricht, könnte sich für die Aktie ein Preis von rund 15 Euro ergeben. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass dies dem mehr als Zwölffachen des letzten und immer noch dem Dreifachen des für 2007 prognostizierten Umsatzes von rund 90 Millionen Euro entspricht.

Gut, aber teuer

Thielert kann mit einem starken Wachstum überzeugen. Die Bewertung erscheint aber auf den ersten Blick sehr ambitioniert. Bleibt zu hoffen, dass die Aktie vor diesem Hintergrund keine Bruchlandung hinlegt.

Artikel aus Ausgabe 46/05

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