- Andreas Deutsch - Redakteur

Fußball-Star Simon Rolfes: Darum liebe ich die Börse

Normalerweise zieht er die Fäden im Mittelfeld von Bayer Leverkusen. Aber Simon Rolfes hat neben dem Fußball eine weitere Leidenschaft: Börse. Im AKTIONÄR-Interview verrät er seine Strategie und auf welche Aktien er setzt.

Wir treffen Simon Rolfes in Hennef, im Büro seines Freundes und Mentors Markus Elsässer. Rolfes ist gut drauf. Ruhig, sachlich und sehr ausführlich schildert er, was ihn an der Börse fasziniert. Er ist einer der wenigen Menschen, die nicht mit ihrem Smartphone verheiratet sind. Während des zweieinhalbstündigen Interviews bleibt es in seiner Jackettasche. Der Fußballstar und der erfolgreiche Fondsmanager trinken grünen Tee zu Keksen und Schokoriegeln.

DER AKTIONÄR: Herr Rolfes, seit wann sind Sie an der Börse dabei?

SIMON ROLFES: Ich habe mich schon als Kind für Geldanlage interessiert. Anfang der 90er-Jahre, da war ich elf Jahre alt, habe ich Gold gekauft - und zwar für 75 Mark. Dafür bekam ich damals eine kleine Münze, eine Zehntel-Unze Gold. Ich habe einen totalen Schreck bekommen und der Frau am Schalter gesagt, das Mini-Ding könne doch nicht alles sein. Die Münze habe ich immer noch, und die Investition hat sich wirklich gelohnt: Ich habe eine jährliche Rendite von knapp 14 Prozent erzielt.

MARKUS ELSÄSSER: 14 Prozent jährlich, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Auch wenn Gold keine Zinsen abwirft, zeigt dies, dass ein langfristiges Investment in Gold überaus lukrativ ist.

Wann haben Sie begonnen, sich für Aktien zu interessieren?

ROLFES: Mit 17 bin ich auf den Neuen Markt aufmerksam geworden, und mein Bruder und ich kauften einen Aktienfonds. Wie er hieß, weiß ich nicht mehr. Zunächst ging es bergauf, steil bergauf, dann kam der Abschwung. Den haben wir auch voll mitgemacht.

Aber die Lust an Aktien haben Sie nicht verloren?

ROLFES: Richtig. Ich fand das Thema spannend und interessant. Ich habe viel gelesen, unter anderem Bücher über Anlagestrategien, etwa „Intelligent investieren" von Benjamin Graham. Je mehr ich lernte, desto unzufriedener wurde ich mit meinen Anlageberatern. Egal ob Finanzdienstleister oder Bankberater: Sie empfahlen mir nicht das, was ich wollte. Ich will ihnen hier nichts Böses unterstellen, sie machten ja nur ihren Job. Aber sie sind halt Verkäufer, am Ende zählt für sie der Abschluss. Das, was sie mir empfahlen, war es einfach nicht, was ich wollte.

Sie wollten Aktionär sein.

ROLFES: Ja. Und dafür muss man sich bei den Unternehmen, an denen man sich beteiligen möchte, sehr gut auskennen. Mit diesem Wissen konnten meine Berater aber nicht dienen.

Und dann lernten Sie beide sich kennen.

ELSÄSSER: Und zwar 2008, über einen gemeinsamen Bekannten. Der erzählte mir von Simon Rolfes' Unzufriedenheit mit den Banken, und ich sagte ihm, er solle ihn mal vorbeischicken. Wir verstanden uns von Anfang an gut. Ich merkte, da ist ein junger Mann, der macht sich Gedanken über sein Leben, der will lernen. Wir haben uns in unregelmäßigen Abständen zusammengesetzt und über Unternehmen, die Konjunktur und Anlagechancen gesprochen. Ich bin sozusagen in die Mentorenrolle geschlüpft. Nicht weil ich intelligenter bin, sondern weil ich mehr Erfahrung habe.

Was hat Ihnen an Simon Rolfes besonders imponiert?

ELSÄSSER: Dass er die Sache mit sehr viel Fleiß angegangen ist. Er liest zum Beispiel Geschäftsberichte - und zwar gerne. Welcher Privatanleger macht das schon? Außerdem fand ich es imposant, dass er sich auf seinem Geld, das er beim Fußball verdient, nicht ausruhen will. Er war sich immer bewusst darüber, dass ein Vermögen oft nicht ausreicht, um unbeschwert alt zu werden.

Das könnte man aber meinen. Schließlich sind Sie seit sieben Jahren Bundesligaprofi, Herr Rolfes.

ROLFES: Als Profisportler kann man nie sicher sein, wie lange die Karriere andauert. Möglicherweise verletzt man sich schwer und dann ist alles aus.

ELSÄSSER: Selbst der Chef eines DAX-Konzerns würde nicht darauf spekulieren, mit seinem Gehalt auszusorgen. Alle müssen vorbeugen. Angenommen, es kommt zu Hyperinflation oder Enteignung - davor ist keiner gefeit.

2008 tobte die Finanzkrise. Haben Sie damals verkauft oder gekauft?

ROLFES: Wir haben den Einbruch genutzt, um Klarschiff in meinem Depot zu machen. Ich habe etwa 20 Positionen aufgebaut - alles Aktien von Unternehmen, die zu Unrecht im Sog des Gesamtmarktes abgesackt waren.

Zum Beispiel?

ROLFES: VTG habe ich bei 6,86 Euro gekauft. Heute steht die Aktie bei 14 Euro. Das Unternehmen besitzt rund 54.000 Güterwagen und vermietet sie. Hier tut sich einiges. Die Schienensysteme in Europa werden vereinheitlicht, sodass VTG die Waggons auch bald nach Osteuropa vermieten kann. Immer mehr Waren werden nicht mehr per Lkw, sondern per Zug transportiert.

ELSÄSSER: Viele VTG-Kunden mieten die Waggons als Lager, wenn sie mal Überproduktion haben. Dann werden die Wagen aufs Abstellgleis verfrachtet, wo sie monatelang stehen. Das ist viel praktischer, als wenn sie sich eine Halle mieten. Die VTG-Aktie notiert trotz des Kursanstiegs immer noch unter Buchwert. Die Marktkapitalisierung beläuft sich aktuell auf 280 Millionen Euro, während die Firma über ein Eigenkapital von 320 Millionen Euro verfügt.

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