SAMSUNG SDI CO. SW 5000
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Batterie-Experte: Tesla wagt mehr als BMW – und auch Samsung könnte Elektroautos bauen

Die Automobilindustrie steht vor dem größten Umbruch ihrer Geschichte. Selbst die bislang in Sachen Elektromobilität eher zurückhaltenden deutschen Hersteller kündigten nun eine wahre E-Modelloffensive an, um Vorreitern wie Tesla nicht das gesamte Feld der E-Mobilität zu überlassen. Die Anzahl von Elektroauto-Modellen wird sich innerhalb von zehn Jahren auf rund 200 verzehnfachen. Das Herz jedes Elektroautoautos ist dabei der Akku. DER AKTIONÄR hat mit Batterieexperte Professor Egbert Figgemeier darüber gesprochen.

DER AKTIONÄR: Herr Figgemeier, welcher Hersteller verfügt über das beste Kosten­niveau für Elektroauto-Batterien?

Egbert Figgemeier: Tesla (mit Panasonic) bewegt sich vermutlich schon sehr deutlich in Richtung 100 Euro je kWh. Das ist viel niedriger, als es selbst Optimisten erwartet hatten. Tesla ist durch die schiere Größe der Gigafactory ein ganzes Stück weiter. Der Branchenschnitt liegt noch rund 30 bis 40 Prozent höher. 80 Euro für 2022 sind das Ziel und wohl realistisch erreichbar. Dann wird es eng mit weiteren Senkungen, da schon die Rohstoffkosten in diesem Bereich liegen.

Was macht Tesla anders?

Tesla hat es durch die Verwendung der schon existierenden Laptop-Rundzellen clever gemacht. Hinzu kommt, dass die klassischen Hersteller große Puffer einbauen, die mit steigenden Erfahrungswerten den Kunden freigeschaltet werden. Tesla reizt die Grenzen schon heute aus. BMW und Co können sich Experimente mit Elektroautos und der Marke jedoch nicht erlauben. Die deutschen Autohersteller setzen auf prismatische oder Pouch-Zellen, welche aufgrund der Größe Vorteile bei der Montage haben.

 

Wie sind die Koreaner in diesem Wachstumsmarkt positioniert?

Samsung und LG dringen nun massiv in die Elektromobilität vor. Hier ist die Zeit der Überkapazitäten definitiv vorbei. Seit der Markt für Elektroautos Schwung aufnimmt, ist die Nachfrage hoch. Wenn es um reine Zellproduktion geht, ist die Marge jedoch dünn. Richtig verdient wird, wenn daraus ein starkes Produkt wird. Ich finde es ex­trem spannend, dass Samsung etwa jetzt schon quasi die gesamte Wertschöpfungskette abdecken kann. Samsung SDI ist aktiv in der Chemie, beherrscht die Zellproduktion und dank der Übernahme von Magna Batteries hat Samsung auch Know-how im Pack-Bau. Man kann sich auch vorstellen, dass Samsung ein Auto bauen könnte.

Ist die Zellfertigung auch in Deutschland – etwa von VW – sinnvoll?

Die Asiaten sind technologisch Jahrzehnte voraus. Man benötigt Zeit und viel Kapital. In diesem Preiskampf ist das Risiko hoch, dass man kein Geld verdient für lange Zeit.

Wie geht es mit dem Elektroauto weiter?

Bis 2020 werden wir allein in der Zellchemie noch einmal zehn Prozent mehr Leistung in den Zellen gewinnen. Ich selbst besitze ein Elektroauto. Wenn man einmal eins gefahren hat, will man nicht in den brummenden, holprigen Verbrenner zurück. Das Elektroauto kommt in großen Schritten. Es wird eng für alle anderen Technologien.

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  • Dietmar Budden -
    Samung baut ja schon seit 1994 Autos, zusammen mit Renault. Das ist nur noch eine Frage der Zeit. Die E-Autos werden immer effizienter (siehe Hyundai ioniq). Strom liegt an jeder Laterne (ist nur eine Frage der Technik und lässt sich kurzfristig lösen). Teslas Marktanteil von fast 0,5% ist beachtlich weil zur Zeit ja nur hochpreisige Luxusautos verkauft werden (wie ist der Markanteil von 7er und S-Klasse in den USA?). Ein E-Auto fährt einfach besser als ein Verbrenner (nicht so träge).
  • Dennis Pagel -
    Die ewig gestrigen waren stets Verlierer. Allerdings gibt es auch mehr als genug Beispiele für Schnellschüsse und hochgejubelte Techniken, die zum Ladenhüter wurden. DAT-Kassetten wurden von der CD verdrängt, Energiesparlampen innerhalb weniger Jahre fast komplett von den LEDs. Denn ein Problem hat das Elektroauto nach wie vor und es lässt sich auch nicht wegwischen... wie laden Millionen Menschen ohne Eigenheim und/oder festen Stellplatz ihren PKW über Nacht bzw. wie lade ich ihn schnell auf der Langstrecke? Das Elektroauto funktioniert im Moment nur, weil es nur sehr wenige gibt. Sobald es mehrere Millionen sind, gehen die Probleme los...
  • Werner Müller -
    @Christian Micksch :Das erinnert mich an den Wankelmotor.Noch ist die Batterietechnik auch weit davon entfernt zu akzeptabelen Kosten vernüftige Reichweiten zu bieten. Daran ändern die auch Sprüche von Herrn Figgemeier nichts. Und es klingt eher skuril wenn er behaupte bis 2022 seinen 80 Euro ddas Ziel ,dann aber einräumt , das da schon die Rohstoffkosten in diesem Bereich liegen. Würde also bedeuten die Herstellung würde nahzu nichts mehr kosten
  • Christian Micksch -
    @ W. Müller. Die Geschichte der technologischen Entwicklung hat immer gezeigt, die ewig gestrigen waren auch immer die Verlierer.
  • Werner Müller -
    Wenn man sieht das selbst in Teslas Heimatmarkt in den USA, der Marktanteil bei unter 0,5 % liegt , dann klingen die Sprüche dieses "Experten" mehr als realitätsfremd. Und bei den Kosten für die Batterien ist angesicht von mehtmehr 10.000Euro Aufpreis bei Model S für 15 KWH mehr Kapazität , klingt die behauptete Zahl zu den Kosten bei Tesla eher nach Münschenhausen. Und auch das Samsung in die sehr kosten intensive PKE-produktion einsteigt scheint eherr unwahrscheinlich . auch Apple hast diese Pläne doch kürzlich ad acto gelegt

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