- DER AKTIONÄR

AWD - Unverhofft kommt oft

Völlig überraschend hat die AWD Holding mit seinem Zahlenwerk zum zweiten Quartal 2005 enttäuscht - die Aktie gab kräftig im Kurs nach. Doch der Finanzdienstleister um Vorstandschef Carsten Maschmeyer blickt optimistisch in die Zukunft.

Völlig überraschend hat die AWD Holding mit seinem Zahlenwerk zum zweiten Quartal 2005 enttäuscht - die Aktie gab kräftig im Kurs nach. Doch der Finanzdienstleister um Vorstandschef Carsten Maschmeyer blickt optimistisch in die Zukunft.

Von Anja Weingran

Während viele Menschen die von Bundeskanzler Gerhard Schröder durchgesetzten Neuwahlen begrüßen, können ihr andere nur wenig Positives abgewinnen. Zumindest dem Finanzdienstleister AWD Holding dürfte es so gehen. Schon im ersten Quartal 2005 musste das Unternehmen einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang bekannt geben. Die rot-grüne Regierung hatte im vergangenen Jahr das Alterseinkünftegesetz geändert - Steuervorteile bei Lebensversicherungen gibt es seitdem nicht mehr. Das hinterließ unschöne Spuren in der AWD-Bilanz des ersten Quartals.

Schwaches zweites Quartal

Die Nachwehen der politischen Entwicklung bekam das Unternehmen auch im zweiten Quartal zu spüren. Zudem übten sich viele Bürger im Hinblick auf die Neuwahlen im September mit ihren Anlagenentscheidungen zur Altervorsorge in Zurückhaltung. Allein in Deutschland brach der Umsatz im zweiten Quartal um 18 Prozent auf 71,5 Millionen Euro ein. Beim Gesamtumsatz lag man mit einem Rückgang von 4,2 Prozent auf 149 Millionen Euro deutlich unter den Analystenprognosen von durchschnittlich 160 Millionen Euro. Der Nettogewinn konnte indes leicht von 11,4 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf zwölf Millionen Euro gesteigert werden. Der operative Gewinn stagnierte mit 16,6 Millionen Euro - Analysten hatten hier einen Wert von 17,7 Millionen Euro erwartet - jedoch wurde dieser im zweiten Quartal mit Einmalkosten von drei Millionen Euro für die Integration des britischen Finanzdienstleisters Chase de Vere belastet. Ohne diese Sonderaufwendung hätte sich die EBIT-Marge von 10,7 Prozent im Vorjahr auf 13,2 Prozent verbessert. Tatsächlich lag sie bei 11,1 Prozent.

Lichtblicke

Eine konkrete Ergebnisprognose für das Gesamtjahr war AWD-Chef Carsten Maschmayer erneut nicht abzuringen. Jedoch hält er weiterhin an seinem Ziel fest, im Geschäftsjahr 2008 eine Milliarde Euro umzusetzen. Das EBIT soll gleichzeitig bei 135 Millionen Euro liegen.

AWD konnte aber trotz der mageren Zahlenentwicklung auch Positives berichten: So zeigte der Geschäftsbereich "Betriebliche Altersvorsorge"im zweiten Quartal einen deutlichen Zuwachs. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Umsatzanteil um zwei auf acht Prozent, Ende des Jahres soll er bei zehn Prozent liegen. Zudem konnte man besonders in den Regionen Österreich und in den CEE-Märkten (Tschechische Republik und Ungarn) punkten: "In Österreich ist die Nachfrage nach langfristigen Vorsorge-Konzepten nach wie vor ungebrochen und in den CEE-Märkten erwarten wir ebenfalls ein weiterhin überdurchschnittliches Wachstum. 2005 sollte deshalb wieder ein Rekordjahr werden.", so Wolfgang Prasser, Geschäftsführer von AWD Österreich und zuständig für die Entwicklung der CEE-Märkte.

Besserung in Sicht

AWD hat seine Rechnung für die magere Entwicklung im zweiten Quartal bereits bezahlt. Der Aktienkurs verlor knapp neun Prozent. Im Kursbereich von 31 Euro wartet eine Unterstützung, die den Wert vor größeren Verlusten schützen sollte. Spätestens nach der Bundestagswahl sollten sich potenzielle AWD-Kunden zu einer konkreten Anlageentscheidung durchringen können, so dass man im vierten Quartal auf ein deutliches Umsatz- und Gewinnplus hoffen kann. Zudem sind im Jahr eins nach der Änderung des Alterseinkünftegesetzes die Unsicherheit unter den Kunden besonders groß. Bereits 2006 sollte sich das relativieren.

 

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