Aurelius
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Aurelius: Aktien-Musterdepotwert vor weiteren guten Nachrichten

Mit der Übernahme der IT-Aktivitäten des finnischen Tieto-Konzerns ist das Umsatzvolumen der IT-Sparte des Aurelius-Konzerns auf über 650 Millionen Euro angewachsen. Im Interview mit dem AKTIONÄR verrät Konzernchef Dr. Dirk Markus die Vorzüge des Tieto-Deals und was sonst noch an guten Nachrichten zu erwarten ist.

Mit der Übernahme der IT-Aktivitäten des finnischen Tieto-Konzerns baut AURELIUS die IT-Sparte weiter aus. Damit setzt die Münchner Mittelstandsholding konsequent auf die Wachstumstreiber der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren. Die Börse reagierte mit einem kleinen Freudensprung auf die Meldung der Übernahme, zumal die Hoffnung besteht, dass Tieto kurzfristig in die Gewinnzone kommen könnte. Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Markus erklärt im Interview mit dem AKTIONÄR die Vorzüge des Tieto-Deals.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, die von Ihnen veröffentlichte Meldung für die Übernahme der IT Aktivitäten der Tieto-Gruppe ist kurz und knapp. Bitte erläutern Sie unseren Lesern, warum Sie gerade diese Gesellschaft gekauft haben?

Dr. Dirk Markus: Die übernommenen Einheiten sind für uns attraktiv. Wir denken, dass wir hier mittel bis langfristig unseren Einsatz vervielfachen können. Das Unternehmen ist in zwei Zukunftsmärkten hervorragend positioniert. Als Spezialist für IT Serviceleistungen im Gesundheitswesen steht Tieto schon seit vielen Jahren als anerkannter Partner an der Seite von mehr als 200 Krankenhäusern in Deutschland. Die daraus resultierenden stabilen Lizenzumsätze bilden eine perfekte Ausgangssituation für weiteres Wachstum.

Und im Bereich des digitalen sowie sogenannter digitaler Workspaces ist diese Gesellschaft in absoluten Zukunftsmärkten mit viel Wachstumspotenzial tätig. Das gesamte Angebot an IT-Serviceleistungen passt perfekt zu unseren derzeitigen Töchtern aus dem IT-Bereich. Wir können in den kommenden Jahren mit langfristigen Synergieeffekten auf der Umsatzseite rechnen.

Branchenkreisen zufolge machen die erworbenen Tieto-Gesellschaften 90 Prozent des Umsatzes in Deutschland von einem Gesamtgeschäftsvolumen von 110 Millionen Euro. Welchen Umsatzanteil haben die Near- und Offshore-Zentren in Polen und in Indien?

Die beiden Near- und Offshore-Zentren in Polen und Indien machen derzeit noch geringe Umsätze, da sie primär intern tätig sind. Beide Regionen stehen aber für die Märkte von Morgen. Tieto hat hier mit seinen zwei Entwicklungsfirmen den Fuß bereits in der Tür. Durch den Ausbau des Dienstleistungsangebots sollten wir speziell dort hohe Wachstumsraten erzielen können. Die indische Basis für Tieto ist vor allem ein Wettbewerbsvorteil. Wir finden hier die besten Vorrausetzungen um IT-Beratung und Support weltweit effizient und zuverlässig anbieten zu können. 

Arbeiten diese beiden Entwicklungsfirmen exklusiv für Tieto oder können diese künftig Nearshore-Aktivitäten auch für Getronics als Entwickler tätig werden?

Ich glaube hier stecken viele Synergien. Inwieweit Tieto aus Indien oder Polen zukünftig als Dienstleister für Getronics tätig sein wird, wird sich zeigen. Für die Entwicklungsfirmen ist ein zweiter strategischer Geschäftsbereich durchaus sinnvoll. Durch die Positionierung als Dienstleister in der Produktentwicklung und Systemintegration können sie ihr Potenzial voll ausnutzen und zusätzlich einen eigenen Cashflow generieren. Auch eine Zusammenarbeit mit anderen zum Aurelius-Konzern gehörenden Töchtern kann ich mir vorstellen. Die Idee mit Hilfe von Tieto für Blaupunkt neue Produkte im Bereich mobiler Navigation zu entwickeln, gefällt mir. 

In welchem Geschäftsbereiche sind die Wachstumschancen am besten?

Healthcare und Digital Business Consulting. Beide Märkte stehen für langfristiges Wachstum. Die Weltbevölkerung nimmt zu, die Menschen werden immer älter und die medizinischen Versorgungsleistungen damit immer komplexer. Die großen Institutionen werden verstärkt externe Dienstleister mit der Verknüpfung, dem Handling und der Weiterentwicklung Ihrer IT-Systeme beauftragen. Viele große Konzerne vertrauen bereits auf integrierte Systeme von Tieto. Beispielsweise Systemintegrationen für modernes Kundenmanagement.

In einem früheren Interview haben Sie die Zielmarge für Getronics mit fünf Prozent angegeben, was nicht sonderlich ambitioniert ist. Haben Sie für die Tieto-Aktivitäten andere Ertragsziele und bis wann glauben Sie, diese erreichen zu können?

Vertrauen gewinnt man, wenn man besser ist als erwartet. Wir sind mit unserer Wachstumsstrategie für Getronics noch am Anfang und planen deshalb konservativ. Wir richten unsere Töchter auf langfristig steigende Margen und Umsätze aus. Dazu stellen wir sie zunächst auf eine solide Basis. Diese Integrationsstrategie war in der Vergangenheit sehr erfolgreich. Wir werden deshalb in Zukunft auch bei Getronics, bei Tieto sowie unseren übrigen Unternehmen aus dem IT Bereich signifikante Ertrags- und Umsatzsteigerungen sehen.

Welches Umsatz- und Ertragsvolumen sollen die IT-Aktivitäten von Aurelius mittelfristig bringen?

Über 650 Millionen Euro Umsatz im IT-Bereich sind es bereits heute. Bei einer EBIT-Marge von konservativ gerechnet nur fünf Prozent bedeutet dies 32,5 Millionen Euro Ergebnisbeitrag jedes Jahr. In den kommenden Jahren soll das IT-Segment durch organisches Wachstum und weitere Zukäufe deutlich wachsen. Qualität geht dabei jedoch vor Quantität. Angebote sind derzeit am Markt reichlich vorhanden. Wir werden uns Zeit lassen, weitere Perlen zu finden.

Sie haben Ihren Aktionären in Aussicht gestellt, dass Sie mit 2013 das Rekordjahr 2012 nochmals toppen können. Worin begründet sich Ihre Zuversicht?

Ja. Mit recht. 2012 war für Aurelius ein Rekordjahr. Aurelius ist im Markt für Konzernabspaltungen und Unternehmensübernahmen sehr gut positioniert. Unsere Töchter haben ihre Hausaufgaben gemacht und entwickeln sich planmäßig. Und das, obwohl die Rahmenbedingungen im abgelaufenen Jahr nicht besonders waren. Nachfragerückgänge durch die Verschuldungskrise in vielen europäischen Ländern haben ihre Spuren hinterlassen. Dies sollte sich 2013 deutlich bessern. Die Marktteilnehmer und Unternehmen schauen wieder deutlich optimistischer auf die kommenden zwölf Monate. Sollte alles doch anders kommen, so haben wir bewiesen, dass wir auch in schwierigen Zeiten erfolgreich Geld verdienen können.

Bis wann entscheiden Sie die Höhe der Ausschüttung?

Wir werden in den kommenden Wochen erste Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr veröffentlichen und zu diesem Zeitpunkt auch einen Vorschlag zur Dividende kommunizieren. Die letzte Entscheidung trifft dann die Hauptversammlung am 16. Mai 2013.

Wie sieht der Newsflow in den kommenden Wochen aus?

Bei inzwischen 17 Beteiligungen können Sie von weiteren interessanten Nachrichten in nächster Zeit ausgehen. Wir befinden uns darüber hinaus in etlichen Verhandlungen über Käufe und Verkäufe. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt will und kann ich darüber jedoch keine Details nennen. Auch weiterhin gilt unser Leitmotiv, den Markt und die Investoren immer wieder aufs Neue positiv zu überraschen.

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Interview.

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| David Vagenknecht | 0 Kommentare

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