Aurelius
- Markus Horntrich - Chefredakteur

Aurelius: "Wir sehen zweistelliges Wachstum"

Nach der abgeschlossenen Übernahme der ehemaligen englischen Tochter von Bayer CropScience konnte DER AKTIONÄR noch einmal ausführlich mit Aurelius-Chef Dr. Dirk Markus über die Vorzüge des Chemiegeschäfts und die Perspektiven für das Chemieportfolio der Münchener sprechen.

Zum 1. September 2012 übernahm die Münchner Mittelstandsholding Aurelius eine ehemalige Tochter von Bayer CropScience in England und verstärkt dadurch ihre Aktivitäten im Spezialchemiebereich. Diese Firma ist die vierte in der Chemikaliensparte, die in der Zwischenzeit schon auf ein Umsatzvolumen von 200 Millionen Euro angewachsen ist.

DER AKTIONÄR hat mit Aurelius-Großaktionär und Vorstandschef Dr. Dirk Markus noch einmal ausführlich über die Perspektiven der Chemiesparte gesprochen.

DER AKTIONÄR: Herr Dr. Markus, was sind die Vorteile, die Sie zur Übernahme von Bayer CropScience heute Briar Chemicals Ltd. bewogen haben?

Dr. Dirk Markus: Pflanzenwirkstoffe und Spezial-Industriechemikalien sind ein enorm gewinnträchtiger Zukunftsmarkt. Wir erwarten bei dieser Firma einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro in 2012 auf leicht profitabler Basis. Zusätzlich verfügt Briar Chemicals über eine hoch moderne Produktionsinfrastruktur und die Synergieeffekte im Vertrieb mit unseren Spezialchemie-Töchtern CalaChem in Schottland, ISOCHEM in Frankreich und Framochem in Ungarn sind beträchtlich.

Woran hat es bei dieser Tochter gehapert, dass Bayer bereit war, sie zu günstigen Konditionen abzugeben?

Die globale Konsolidierung der Pflanzenschutzmittelproduktion von Bayer CropScience war der ausschlaggebende Grund für den Verkauf. Als eigenständiges Unternehmen wird Briar Chemicals zukünftig besser in der Lage sein, ihr Geschäft zu entwickeln und ihr Know-.how auch Drittkunden zur Verfügung zu stellen.

Können Sie uns auch den Netto-Kaufpreis (nach Berücksichtigung des Bargain Purchase) nennen?

Wir haben mit Bayer CropScience vereinbart, zum Kaufpreis keine Details bekannt zu geben. Daran halten wir uns natürlich auch. Sie können aber davon ausgehen, dass es für beide Seiten ein gutes Geschäft war. Wir werden mit Bayer CropScience in Zukunft sehr eng zusammenarbeiten und dafür ist es elementar, dass beide Seiten die Eckpunkte einer Transaktion als fair empfinden.

Wie setzt sich die Auslastung der Produktion zusammen? Wie viel Prozent sind für die Eigenprodukte, wie viel Prozent für die Drittproduktion und wie viel speziell für Bayer reserviert?

Die Produktion ist derzeit voll ausgelastet. Die Geschäfte werden wie bisher weiterlaufen. Eine prozentuale Unterscheidung zwischen den Umsatztreibern macht keinen großen Sinn, da wir das Unternehmen auf Wachstum, vor allem durch die Erweiterung des Produktportfolios und den Ausbau der Auftragsproduktion für Drittkunden, ausrichten und sich die Verhältnisse somit laufend verändern werden. Wir planen in den nächsten zwei Jahren zweistellige Wachstumsraten beim Umsatz und im Ergebnis.

Hat es eine tiefere Bedeutung, dass Sie die Firmierung auf „Briar Chemicals" geändert haben?

Die Produktionsstätte Norwich ist seit 1. September ein eigenständiges Unternehmen. Dies wollen wir dem Markt auch kommunizieren. Wir haben einen Ideenwettbewerb unter allen Mitarbeitern durchgeführt, und „Briar Chemicals" gefiel allen am besten. Der Name kommt übrigens von der „Sweet Briar Road", in der das Unternehmen liegt.

Sie haben noch zwei weitere Beteiligungen - ISOCHEM und CalaChem - in Ihrem Portfolio. Gibt es Liefer- oder Abnahmeverträge zu Briar Chemicals?

Nein, bisher nicht. Die Synergieeffekte liegen vor allem im Bereich des Vertriebs. Bei unseren im Markt für Spezialchemie tätigen Konzerntöchtern ISOCHEM, Framochem und CalaChem haben wir in den letzten Jahren erfolgreich eine hohe Vertriebskompetenz aufgebaut. Diese werden wir auch für das angestrebte Wachstum bei Briar Chemicals nutzen.

Wenn Sie von „erfreulich positiven" Ergebnissen sprechen, was meinen Sie damit und warum sehen Sie großes Potenzial für Ihre Chemiesparte?

Das Potenzial liegt vor allem bei Pflanzen- und Pharmawirkstoffen. Die Weltbevölkerung wird weiter wachen und die Anbaubedingungen für Nahrungsmittel werden immer schwieriger. Die Menschen werden immer älter und das Bedürfnis nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit immer größer. Dies sind alles gute Argumente für eine stetig steigende Nachfrage.

Ist die Produktion bei Briar Chemicals schon genauso rentabel wie in Ihrer Chemiesparte insgesamt?

Briar Chemicals ist rentabel. Aber natürlich gilt es in den nächsten Jahren vorhandenes Ertragspotenzial zu heben. Bei ISOCHEM, Framochem und CalaChem ist uns dies sehr gut gelungen. Beide Töchter konnten Ihren Ertrag unter dem Dach des Aurelius Konzerns deutlich auf zweistellige EBITDA-Margen steigern und sind weiter auf Wachstumskurs.

Und wohin geht der Trend bei den Wachstumstreibern?

Flexibilität und Umweltverträglichkeit sind die Schlagworte. Wir müssen auf sich verändernde Rahmenbedingungen in der Nahrungsmittel- und Pharmabranche schnell und mit hoher Qualität reagieren können. Deshalb werden wir bei Briar Chemicals in eine neue Multiproduktionsanlage und eine Abwasserkläranlage investieren.

Auf welche Größenordnung wollen Sie den Spezial-Chemikalienbereich in den nächsten fünf Jahren aufbauen und ist geplant, die drei Firmen unter dem speziellen Dach einer Chemie-Holding zusammen anzusiedeln, um sie mit einem Schlag an einen anderen Investor verkaufen zu können?

Wir machen derzeit gut 200 Millionen Euro Umsatz im Bereich Spezial-Chemikalien. Unser Ziel ist es, von innen pro Jahr zweistellig zu wachsen. Sollten sich jedoch weitere interessante Möglichkeiten für Zukäufe ergeben, werden wir „zuschlagen" und mittelfristig unseren Chemie-Umsatz auf eine halbe Milliarde Euro steigern.

Wenn Sie das Beteiligungsportfolio von AURELIUS nach Sektoren aufteilen würden, wie würden Sie die Chemiesparte nach den Wachstumschancen ranken?

Ganz weit oben. Zusammen mit IT-Dienstleistungen steht unsere Chemiesparte mit der Konzentration auf Pflanzen- und Pharmawirkstoffen an der Spitze. Der Bedarf wird in den kommenden Jahren überdurchschnittlich ansteigen. 

Und wenn Sie Ihre Sparten nach Ertragsstärke positionieren würden, wie sieht dann die Reihenfolge aus?

Ebenfalls mit an der Spitze. Die Lebensmittelversorgung sowie die Gesundheitsversorgung sind von der übrigen Weltwirtschaft sehr unabhängig. Mögliche Preissteigerungen im Einkauf von Produktionsmitteln können leichter weitergegeben werden, was sich positiv auf die Ertragslage auswirkt.

Herr Dr. Markus, vielen Dank für das Interview.

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