Augusta Technologie
- Werner Sperber - Redakteur

Augusta Technologie schlägt wieder zu

Daniel Hopp und dem Lincoln-Vale-Fonds ist es mit den Übernahmen bei Augusta Technologie nicht schnell genug gegangen. Nachdem sie im Mai 2010 den Aufsichtsrat komplett ersetzt haben, hat sich der auf Sensorkomponenten und -systeme sowie auf die industrielle Bildverarbeitung spezialisierte Konzern an P+S Technik beteiligt und nun die VDS Vosskühler GmbH für die sehr viel margenstärkere Sparte "Vision" gekauft.

Die in München ansässige Augusta Technologie unterteilt ihr operatives Geschäft in die beiden Sparten "Sensors" und "Vision". Im Segment Sensors sind die Geschäftsfelder "Sensorik und Mikrosystemtechnologie" sowie "Mobile Messsysteme" gebündelt. Augusta beliefert hier vor allem Kunden aus der Medizintechnik, der Industrie, der Automobilindustrie sowie der Luft- und Raumfahrttechnik mit kundenspezifischen Sensorsystemen, von einzelnen Drucksensoren bis hin zu komplexen Messsystemen. Unter dem Dach der Sparte Sensors arbeiten die Tochterfirmen Elbau und Klay sowie HE System Electronic und Dewetron. In den ersten neun Monaten des Jahres 2010 trug Sensors 64 Prozent zum Konzernumsatz bei aber nur 54 Prozent zum Bruttoergebnis. Im Segment Vision beschäftigt sich Augusta hauptsächlich mit digitalen Kameralösungen und hier vor allem mit den hochwertigen Schnittstellentechnologien FireWire und Gigabit Ethernet (GigE). Die Anwendungsgebiete finden sich in der klassischen industriellen Inspektion und Automatisierung über Anwendungen in der Medizintechnik, der Wissenschaft und Forschung, der Sicherheit und Verkehrskontrolle, dem Marketing bis hin zu Multimedia-Unterhaltung. Unter dem Dach von Vision arbeitet die Unternehmensgruppe Allied Vision Technologies (AVT). Zum 30. September lieferte Vision 35,7 Prozent des Konzernumsatzes aber 46 Prozent des Bruttoertrages und 74 Prozent des Vorsteuerergebnisses im Gesamtunternehmen.

Vision wird weiter gestärkt

Nach der Übernahme von 55,5 Prozent an der P+S Technik GmbH, einem im Jahr 1990 gegründeten Anbieter von digitalen Filmkameras für die Entertainment- und Filmbrache sowie von digitalen Filmscannern und Archivierungssystemen, hat Augusta Technologie nun rückwirkend zum 1. Januar die VDS Vosskühler GmbH komplett für rund elf Millionen Euro gekauft. Augusta finanzierte den Preis zur Hälfte selbst und zur anderen Hälfte über Darlehen. Die im Jahr 1985 gegründete Firma VDS konzentriert sich auf Infrarot-Kameras und Digitalkameras für Spezialanwendungen. Im Jahr 2010 erlöste die VDS mehr als sechs Millionen Euro, wobei das operative Ergebnis im Vergleich zum Branchendurchschnitt überdurchschnittlich hoch war, wie Arno Pätzold, seit 1. Januar 2010 CDO, also für die Unternehmensentwicklung, sprich Zukäufe und Zusammenschlüsse verantwortliche Vorstand von Augusta Technologie, erklärt. Augusta setzt die Akquisitionsstrategie in der Sparte Vision also fort und baut die Marktkompetenz für Digitalkameras aus.

Luft bis 24 Euro

Mit einer Netto-Liquidität von 6,6 Millionen und flüssigen Mitteln von 31,1 Millionen Euro zum 30. September 2010 bei einer Eigenkapitalquote von 62,5 Prozent hätte Augusta Technologie diesen Kauf auch aus der Firmenkasse alleine finanzieren können. Doch spätestens seit der Hauptversammlung im Mai 2010 mit der Absetzung des alten und der Einsetzung eines neuen, von den Großaktionären Daniel Hopp und dem Fonds Lincoln Vale gewünschten, Kontrollgremiums, spekulieren Anleger über einen Zusammenschluss mit oder eine Übernahme von Silicon Sensor, an der Hopp 29,9 Prozent hält, beziehungsweise eine Kapitalerhöhung für eine große Übernahme für die Sparte Vision. Unabhängig von diesen Spekulationen schätzen Analysten das KGV für die Jahre 2011 und 2012 auf 11 beziehungsweise 10. Aufgrund dieser günstigen Bewertung dürfte der Kurs Luft haben bis zunächst 24 Euro. Der Stoppkurs sollte bei 13,50 Euro gesetzt werden.

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| Jochen Kauper | 0 Kommentare

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