- DER AKTIONÄR

Auf zu neuen Ufern

Auf der NanoEquityEurope 2005 zogen zahlreiche internationale Nanotechnologie-Unternehmen eine große Aufmerksamkeit seitens der Finanzbranche auf sich.

Auf der NanoEquityEurope 2005 zogen zahlreiche internationale Nanotechnologie-Unternehmen eine große Aufmerksamkeit seitens der Finanzbranche auf sich.

Von Florian Söllner und Anja Weingran

Am 13. und 14. Juni stand im Frankfurter Hilton Hotel alles im Zeichen der Nanotechnologie. Insgesamt präsentierten 42 internationale Nanotechs ihr Geschäftsmodell und stießen dabei auf ein enormes Interesse seitens der Finanzwelt - rund 450 Wirtschaftsexperten und Investoren prüften die einzelnen Unternehmen auf Herz und Nieren. "Was heute Vision ist, wird morgen Praxis sein", prophezeit der deutsche Nano-Frontmann Prof. Dr. Wolfgang Heckl in seiner Eingangsrede. Der Experimentalphysiker, ein ehemaliger Schüler des Vaters der Rastersondenmikroskopie und Nobelpreisträgers Gerd Binnig, ist sich des enormen Potenzials der Nanotechnologie sicher. Er bezeichnet sie gleichermaßen als Evolution wie auch Revolution. Evolution, weil schon heute zahlreiche Produkte existieren, deren Eigenschaften von der Nanotechnologie grundlegend bestimmt sind. Revolution, weil die Vision einer industriell allgegenwärtigen Nanotechnik nach Ansicht vieler Wissenschaftler keine bloßen Wunschträume sind. Neue Techniken, aus denen Produkte hervorgehen, die jenseits unserer heutigen Vorstellungskraft liegen, sind zumindest in den weltweiten Forschungslaboratorien theoretisch schon umsetzbar.

Schlafender Riese

Obwohl die Medien das Thema Nanotechnologie in den letzten Jahren intensiver beleuchteten, können noch immer 80 Prozent der deutschen Bevölkerung mit dem Begriff nichts anfangen. Auch der Kapitalmarkt hat der Nanotechnologie bisher nur eine geringe Aufmerksamkeit geschenkt. In der europäischen Union existieren derzeit erst drei Aktienfonds, die in Nanotechs investieren. Ihr Gesamtvolumen liegt unter 60 Millionen Euro. Das Potenzial der Nano-Fonds ist damit vielversprechend. Zudem haben Investoren längst erkannt, dass ein großer Teil davon noch in den bisher privat geführten Unternehmen schlummert. Diese mussten sich auf der NanoEquity daher keineswegs hinter den großen Börsenbrüdern verstecken. Im Gegenteil: Die privaten Gesellschaften liegen mit ihren Forschungsarbeiten mit den börsennotierten gleichauf, manche von ihnen dürften zum Zeitpunkt des Börsengangs sogar fertige Produkte auf dem Markt haben. Bereits in den kommenden zwölf Monaten ist mit mindestens drei Nano-IPOs zu rechnen.

Der IPO-Markt brodelt

Den Beginn dürfte die amerikanische NaturalNano spätestens im August dieses Jahres machen. Das Unternehmen hat sich von Atlas Mining 500 Millionen Tonnen Nanoröhren gesichert. Der Clou: Diese Nanomaterialien wachsen in der Miene von Atlas Mining. Mit der Weiterverarbeitung der Nanoröhren will NaturalNano rund 200 Anwendungsbereiche erschließen und fischt damit in einem großen Markt. Das Volumen von Nanomaterialien soll laut Lux Research von 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 2004 auf 2,6 Billionen Dollar bis 2014 steigen. Doch auch der deutsche Nano-IPO-Markt ist am Brodeln. Neosino plant den Börsengang für das Frühjahr 2006. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mit deren Hilfe natürliche Materialien auf Nanogröße gebracht werden können. Die von Neosino produzierten Silizium-Nanopartikel sind Bestandteil zahlreicher Produkte, die bereits vertrieben werden. Im Geschäftsjahr 2005 liegt die Umsatzprognose nach eigenen Angaben bei drei Millionen Euro.

Süss Microtec goes Nano

Auch der Elektronik-Spezialist Süss Microtec ist mit einem neuen Nanotechnologie-Produkt für die Zukunft gerüstet. Um die immer feineren Strukturen in Halbleiterkreisen möglichst schnell und präzise zu produzieren, bietet Süss ab diesem Jahr einen "Nanostepper" an. Diese Maschine benutzt einen mit einem Elektronenstrahl feinstrukturierten "Stempel", welcher gemeinsam mit UV-Licht für eine schnellere Wafer-Produktion sorgt. Süss ist die erste europäische Firma, die ein solches Produkt anbietet, so Süss-Chef Dr. Stefan Schneidewind im Gespräch mit der aktionär: "Während der Nanostepper in diesem Jahr eine Million Euro zum Umsatz beiträgt, werden es in fünf Jahren bereits rund 30 Millionen sein", prognostiziert Schneidewind. Hinsichtlich der gemeinsam mit IBM entwickelten Chip-Produktionsanlagen verläuft nach Angaben des Unternehmens alles plangemäß. Im September soll es die ersten Kundenvorführungen geben, bereits im vierten Quartal dieses Jahres rechnet man mit ersten Aufträgen aus diesem Projekt.

MFIC - molekulares Know-how

Auch Irwin Gruverman, Chef der US-Firma MFIC, fand sich in Frankfurt zur Präsentation und zum Hintergrundgespräch mit dem aktionär ein. Die von MFIC produzierten Mikrofluidik-Systeme schießen verschiedene Substanzen unter höchstem Druck durch schmale Kanäle. Die dadurch auf Nano-Größe verkleinerten Stoffe weisen veränderte Eigenschaften auf und werden unter anderem für Drucker-Tinte, Medikamente und Aromen verwendet. Das neue Flagschiff der Firma ist der Multiple Stream Mixer Reactor. Diese Neuenwicklung soll Substanzen unter computergesteuertem Hochdruck im Molekular-Bereich vermischen. "Im Worst-Case werden wir die erste neue Anlage Anfang 2006 verkaufen, vielleicht sogar schon dieses Jahr", so Gruverman. MFIC ist wie ein normaler Maschinenbauer bewertet und hat die Fantasie einer Nanotech-Aktie. Das bereits etablierte Geschäft und die solide Bilanz lassen nur einen Schluss zu: Kaufen!

Süss Microtec

 

ISIN DE0007226706
Kurs am 26.06.2005 5,15 €
Empfehlungskurs 4,23 €
Ziel 7,50 €
Stopp 3,40 €
KGV 06e 6
Chance/Risiko 5/4

 

Artikel aus DER AKTIONÄR 26/05

 

 

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