S R Biogas Energiesys.
- DER AKTIONÄR

Auf Rekordkurs

Mit einer neu installierten Kapazität von etwa 550 Megawatt hat sich die Biogasbranche im Jahr 2006 still und heimlich an die Windkraft herangepirscht. Zwar wurden hier knapp 2.300 Megawatt errichtet, doch wegen einer vierfach besseren Auslastung lagen die beiden Branchen bei der Stromerzeugung nahezu gleichauf. Für 2007 sehen Branchenkenner ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 30 Prozent.

Die Nachfrage nach Biogasanlagen steigt kontinuierlich – die installierte Leistung hat im Jahr 2006 erstmals das Niveau der Windkraft erreicht.

Mit einer neu installierten Kapazität von etwa 550 Megawatt hat sich die Biogasbranche im Jahr 2006 still und heimlich an die Windkraft herangepirscht. Zwar wurden hier knapp 2.300 Megawatt errichtet, doch wegen einer vierfach besseren Auslastung lagen die beiden Branchen bei der Stromerzeugung nahezu gleichauf. Für 2007 sehen Branchenkenner ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 30 Prozent. Zwar wird der Löwenanteil davon in Deutschland generiert werden, doch die Exportrate soll um mehr als zwei Drittel auf 15 Prozent ansteigen. Das Institut für Energetik und Umwelt aus Leipzig sieht noch weit mehr Potenzial in dem Sektor: Bei entsprechender Effizienzsteigerung könnte der europäische Gasverbrauch im Jahr 2020 komplett durch Biogas und synthetisches Biogas gedeckt werden.

Der Primus

Die Aktie von Schmack Biogas hat sich in den vergangenen Wochen äußerst erfreulich entwickelt. Kurstreiber bei der AKTIONÄRS-Altempfehlung war beispielsweise die Übernahme der Biogasaktivitäten der Hese Umwelt GmbH. Neben Marktanteilen brachte der Deal auch technisches Knowhow. Zudem gingen die Schwandorfer mit dem Energieversorger Rewag, wie zuvor schon mit Erdgas Südbayern, eine Partnerschaft ein. Ziel ist die gemeinsame Errichtung von Biogasanlagen und die Vermarktung der daraus gewonnenen Energie. Aktuell steht die Erweiterung einer Anlage von E.on auf der Agenda. Für rund 18 Millionen Euro werden unter anderem Systeme installiert, die das produzierte Biogas für die Einspeisung ins Gasnetz aufbereiten. In 2007er-Zahlen ausgedrückt bedeutet das einen Umsatzanstieg um rund 70 Prozent auf mehr als 140 Millionen Euro sowie einen überproportionalen Ergebnissprung auf 1,68 Euro je Aktie.

Die zweite Reihe

Auch Biogas Nord wird im Jahr 2007 rund 70 Prozent mehr erlösen, was die enorm hohe Nachfrage in der Branche widerspiegelt. Bei Umsätzen in Höhe von knapp 35 Millionen Euro dürfte operativ etwa eine Million Euro hängen bleiben. Das Aufholpotenzial gegenüber Schmack liegt dabei klar in der Rentabilität: Mit einer EBIT-Marge von vier bis fünf Prozent arbeiten die Bielefelder noch doppelt so teuer wie die Schwandorfer. Nachdem Biogas Nord in Deutschland bereits über einen Marktanteil von rund sechs Prozent verfügt, sieht das Unternehmen im Ausland große Chancen. Der jüngste Coup glückte in Indien, wo erst kürzlich der Grundstein zum Bau einer Biogasanlage für eine Zuckerfabrik im Bundesstaat Maharashta gelegt wurde. Das könnte für rosige Zeiten sorgen, denn in der Region stehen etwa 165 weitere Zuckerfabriken.

Gute Geschäfte erhofft sich auch das ehemalige Wertpapierhandelshaus Birkert. Mitte 2006 firmierte sich das defizitäre Unternehmen durch den Zukauf der S&R Energy Systems in eine Biogasfirma um. Neben dem Bau bieten die Frankfurter auch Software für das Management und die Steuerung von Biogasanlagen an. Durch die jüngste Übernahme der Opticons Verwaltungsgesellschaft soll nun auch der Bereich Entwicklung und Betreuung abgedeckt werden. Insgesamt präsentiert sich das Unternehmen aber noch recht intransparent.

Klassenunterschiede

Die Wachstumschancen im Biogassektor werden nicht zuletzt durch die aktuelle Klimadebatte vorangetrieben. Die hohe Bewertung der einzelnen Unternehmen ist deshalb für viele Investoren eher zweitrangig. Nach wie vor ist das Papier von Marktführer Schmack Biogas der Favorit unter den Biogasfirmen – die guten Perspektiven sprechen weiterhin für steigende Kurse. Biogas Nord hingegen muss noch deutlich an der Profitabilität feilen. Die Strategie der internationalen Expansion trägt jedoch zusehends Früchte und dürfte sich langfristig auszahlen. Solange keine genauen Information über die Aktivitäten von S&R Biogas veröffentlicht werden, hat das Papier lediglich einen Platz auf der Watchlist oder im Depot von Zockern verdient.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 14/2007.

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