- DER AKTIONÄR

Auf einem guten Weg

Die Firma Intercell entwickelt Impfstoffe gegen Infektionen - und zielt damit auf einen Milliardenmarkt ab

Die Firma Intercell entwickelt Impfstoffe gegen Infektionen - und zielt damit auf einen Milliardenmarkt ab

Von Frank Phillipps

Der 28. Februar 2005 war gleich in mehrerlei Hinsicht ein historischer Tag für den Finanzplatz Wien. Zum einen fand an diesem Tag der erste Börsengang des Jahres in Österreich statt, zum anderen wagte sich mit der Firma Intercell zum ersten Mal überhaupt ein Unternehmen aus der Biotechnologie-Branche aufs Parkett. Auch wenn der Preis für die neuen Papiere im Vorfeld der Emission nach unten korrigiert werden musste, kann das IPO im Nachhinein als Erfolg gewertet werden. Und Anleger, die der Kaufempfehlung des aktionärs im Juni dieses Jahres gefolgt sind, können ohnehin zufrieden sein: Sie verbuchen mittlerweile ein stattliches Plus von fast 50 Prozent.

Starke Pipeline, starke Partner

Intercell ging 1998 als Spin-off aus dem Campus Wien Biocenter hervor. Das Unternehmen aus dem dritten Wiener Gemeindebezirk konzentriert sich auf die Entwicklung von Medikamenten zur Therapie von Infektionskrankheiten. Zwei Produktkandidaten von Intercell befinden sich bereits in fortgeschrittenen Phasen der klinischen Entwicklung. Vier weitere experimentelle Wirkstoffe testet Intercell derzeit in der präklinischen Forschung auf ihr Potenzial für die Behandlung von Reisedurchfall und anderen Erkrankungen.

Gemeinsam mit Partnern wie Sanofi Aventis und Merck & Co arbeitet Intercell an vier weiteren potenziellen Medikamenten. Die Branchengrößen greifen darüber hinaus auf von Intercell entwickelte Technologien zurück. Die Österreicher profitieren davon in Form von Lizenzgebühren.

Zwei Trümpfe

Am weitesten fortgeschritten in der Entwicklung ist ein vorbeugender Impfstoff gegen die so genannte Japanische Enzephalitis (Gehirnentzündung). Noch in diesem Jahr soll die dritte und finale Phase klinischer Tests beginnen. Einen erfolgreichen Verlauf vorausgesetzt, könnte das Medikament 2007 auf den Markt kommen. Analysten schätzen das Marktpotenzial auf rund 250 Millionen Dollar jährlich. Als noch lukrativer könnte sich ein therapeutischer Impfstoff gegen Hepatitis C erweisen, der aktuell klinische Studien der Phase II durchläuft. Spätestens 2008 sollen auch hier die Tests der Phase III beginnen. Da die gegenwärtig gängige Hepatitis-C-Therapie mit Interferonen oft nur bescheidene Behandlungserfolge bringt, ist die Nachfrage nach innovativen Medikamenten in diesem Bereich groß. Entsprechend könnte Intercell, sofern der Produktkandidat die Zulassung erhält, ein großer Wurf gelingen. Der weltweite Markt für Interferon-Präparate wird von Experten für 2006 auf 3,7 Milliarden Dollar geschätzt. Langfristig könnte sich Intercell von diesem Kuchen ein gutes Stück abschneiden.

Attraktive Beimischung

Bislang gehen die Analysten davon aus, dass bei Intercell mit signifikanten Umsätzen erst ab 2007 zu rechnen ist, auch die Gewinnzone scheint noch weit entfernt - eine typische Situation also für ein Biotechnologie-Unternehmen. Der Erfolg steht und fällt mit der Zulassung der Produkte und da ist Intercell mit zwei experimentellen Wirkstoffen in fortgeschrittenen Phasen der Entwicklung auf einem sehr guten Weg. Risikobereite Anleger mit mittel- bis langfristiger Strategie legen sich deshalb einige Stücke als Beimischung ins Depot.

Artikel aus Ausgabe 43/2005

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