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- DER AKTIONÄR

Auf der Jagd

Anleger meiden Biotech-Aktien derzeit wie der Teufel das Weihwasser. Auf den ersten Blick verständlich. Das Jahr ist kaum vier Wochen alt, da muss man mit Aktien wie zum Beispiel der von YM Biosciences schon ein Verlust von mehr als 50 Prozent hinnehmen. Ein mit vielen Hoffnungen verbundenes potenzielles Krebsmittel von YM hatte in der dritten und entscheidenden Phase der klinischen Tests versagt.

Die Pharmabranche steht unter Druck: Patente für Verkaufschlager laufen aus, Nachschub fehlt. Deswegen wird bei kleinen Biotech-Firmen gewildert.

Anleger meiden Biotech-Aktien derzeit wie der Teufel das Weihwasser. Auf den ersten Blick verständlich. Das Jahr ist kaum vier Wochen alt, da muss man mit Aktien wie zum Beispiel der von YM Biosciences schon ein Verlust von mehr als 50 Prozent hinnehmen. Ein mit vielen Hoffnungen verbundenes potenzielles Krebsmittel von YM hatte in der dritten und entscheidenden Phase der klinischen Tests versagt. Die Anleger entzogen dem Unternehmen daraufhin kollektiv das Vertrauen und flüchteten aus dem Papier.

Gewinne ohne Risiko?

Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Denn ob der Hiobsbotschaften aus den Labors – von denen es im letzten Jahr zugegebenermaßen einige gab – werden auch die Kursgewinne, die mit Biotech-Aktien möglich sind, allzu schnell unter den Teppich gekehrt. Wer zum Beispiel in die Aktie von Cytrx investierte, liegt mit dem Papier allein seit Jahresbeginn um 70 Prozent vorn. Investoren von Seattle Genetics, einer US-Biotech-Firma, die sich auf die Entwicklung neuer Krebsmedikamente fokussiert,verbuchen in ihrem Depot immerhin einen Wertzuwachs von über 50 Prozent. Dass diese satten Renditen nicht ohne ein erhöhtes Risiko zu erzielen sind, liegt auf der Hand.

Das geringe Interesse an Biotech-Aktien von Seiten der Privatanleger spielt den Großen der Pharma- und der Biotech-Branche in die Karten. Denn es hält die Kurse auf einem niedrigen Niveau und eröffnet ihnen die Möglichkeit, vor allem kleinere Unternehmen mit vielversprechenden Medikamentenkandidaten zu vergleichsweise günstigen Konditionen aufzukaufen. Und damit vielleicht gleichzeitig dem eigenen Portfolio einen möglichen neuen „Blockbuster“ – so nennt man Medikamente mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar –, hinzuzufügen. Am Nachschub für die eigene Pipeline mangelt es nämlich den meisten großen Pharmakonzernen. Für immer mehr Arzneien, mit denen sich die Konzerne in den letzten Jahrzehnten eine goldene Nase verdienten, läuft der Patentschutz in den kommenden Jahren ab. Zum Beispiel für den Cholesterin-Senker Lipitor. Das weltweit meistverkaufte Medikament beschert dem Branchenprimus Pfizer bislang Umsätze von über elf Milliarden Dollar jährlich. Doch dies dürfte sich bald ändern. Bis 2011 läuft der Patentschutz für das Mittel in den wichtigen Pharmamärkten USA, Japan und Europa nach und nach ab. Konkurrenten mit günstigen Kopien dürften Pfizer das Leben schwer machen. Experten schätzen, dass in den kommenden Jahren Patente für Medikamente auslaufen, die den Herstellern bislang insgesamt Umsätze jenseits der 30-Milliarden-Dollar-Marke sichern. Kein Wunder also, dass zum Beispiel Pfizer im letzten Jahr ankündigte, 17 Milliarden Dollar – und damit die Hälfte seiner liquiden Mittel! – für Zukäufe aus dem Biotech-Bereich bereit zu halten. An Geld für Akquisitionen fehlt es der Pharmabranche allgemein nicht. Laut Analystenschätzungen verfügt sie zusammengenommen über liquide Mittel in Höhe von 135 Milliarden Dollar. Damit wäre sie quasi in der Lage mehr als ein Drittel der fast 170 im Branchenbarometer Nasdaq Biotech Index gelisteten Firmen gleichzeitig aufzukaufen.

Antikörper bleiben gefragt

Aus der Portokasse würde ein großes Pharmaunternehmen demnach die 264 Millionen Dollar zahlen, die der Antikörper-Hersteller Xoma derzeit an der Börse wert ist. Als einer der ersten Anwärter könnte Schering-Plough gelten. Der Pharmakonzern fixierte erst vor kurzem den Ausbau der bereits bestehenden Partnerschaft mit Xoma. Kooperationen unterhält Xoma auch mit Novartis und den Biotech-Unternehmen Genentech und Aphton. Doch Xoma könnte für die Konkurrenz nicht nur interessant sein, um sich die Zahlungen für die gelieferten Antikörper zu sparen. Das Unternehmen verfügt auch über einen aussichtsreichen Produktkandidaten, den es in Eigenregie entwickelt. Das potenzielle Mittel zur Behandlung von Entzündungskrankheiten durchläuft derzeit die zweite von drei Phasen der klinischen Entwicklung.

Insgesamt vier Produktkandidaten hat Acadia Pharmaceuticals bereits in Phase II der klinischen Tests. Das US-Unternehmen hat sich dabei auf Arzneien zur Behandlung von Störungen des Zentralen Nervensystems wie Parkinson oder Schizophrenie spezialisiert. Drei der vier Testprogramme führt Acadia auf eigene Faust durch, ein mögliches Medikament gegen neurophatische Schmerzen (Nervenschmerzen) entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Allergan, das damit in der Liste der potenziellen Übernehmer weit oben angesiedelt ist. Konkurrenz könnte Allergan allerdings durch den Konkurrenten Sepracor bekommen, der bereits jetzt an Acadia beteiligt ist und rund 3,6 Prozent der Aktien hält.

Dass Dor Biopharma demnächst vom Kurszettel verschwindet und das Unternehmen im Konkurrenten Cell Therapeutics aufgeht, scheint bereits ausgemachte Sache. Doch um den Preis wird noch gefeilscht. Dem Vernehmen nach sollen die Verantwortlichen von Dor bei einem Preis von 0,60 bis 0,70 Dollar je Aktie schwach werden. Vom aktuellen Niveau entspräche dies einem Kurspotenzial von immerhin 40 Prozent. Dor ist in einer komfortablen Verhandlungsposition: Zum einen steht mit Sigma-Tau Pharmaceuticals ein weiterer Interessent bereit. Zum anderen meldete das Unternehmen vor wenigen Tagen, dass ein unabhängiges Expertengremium der US-Gesundheitsbehörde FDA das von Dor entwickelte Krebsmittel orBec unter die Lupe nehmen wird und bis zum 27. Juli dieses Jahres entscheiden will, ob es der FDA eine Zulassung empfiehlt. Bis dahin ist also noch jede Menge Zeit für Kurssteigerungen, die potenziellen Aufkäufern wohl eher weniger ins Kalkül passen dürften.

Salz in der Suppe

Übernahmefantasie ist das Salz in der Suppe jeder Aktienspekulation. In der Biotech-Branche ist sie zur Zeit allgegenwärtig. Xoma, Acadia und Dor stellen zum einen reizvolle Übernahmeobjekte dar, eignen sich zum anderen aber auch als Langfristanlage für Anleger mit einer sehr hohen Risikobereitschaft.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 07/2007.

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