Ecotel Communication
- DER AKTIONÄR

Auf dem Sprung

Lange Zeit wurde Ecotel von der Börse vernachlässigt. Die jüngsten Geschäftszahlen beweisen jedoch den erfolgreichen Kurs der Gesellschaft. Wurden im vergangenen Jahr noch 83 Cent je Aktie verdient, so sollen es im laufenden Jahr - insbesondere durch die Übernahme von Nacamar - mehr als 1,50 Euro werden.

Lange Zeit wurde Ecotel von der Börse vernachlässigt. Die jüngsten Geschäftszahlen beweisen jedoch den erfolgreichen Kurs der Gesellschaft.

Wurden im vergangenen Jahr noch 83 Cent je Aktie verdient, so sollen es im laufenden Jahr – insbesondere durch die Übernahme von Nacamar – mehr als 1,50 Euro werden. Für 2008 prognostiziert SES Research sogar ein EPS von 2,35 Euro. DER AKTIONÄR wollte von dem CFO Bernhard Seidl wissen, worauf das stramme Gewinnwachstum beruht.

DER AKTIONÄR: Herr Seidl, 2006 war für Ecotel ein erfolgreiches Jahr. Wie lief das erste Quartal 2007?

Bernhard Seidl: Im ersten Quartal konnten wir das starke Wachstum des Vorjahres mit einem Umsatzanstieg von 70 Prozent auf fast 21 Millionen Euro und einem EBIT von 2,4 Millionen Euro weiter fortsetzen. Mit einem Gewinn je Aktie von 0,50 Euro im ersten Quartal haben wir schon ein Drittel der Vorgabe für 2007 in den Büchern.

Welche Ziele haben Sie sich für 2007 gesteckt?

Zunächst wollen wir aus der Nacamar-Akquisition die vollen Umsatz- wie auch Kostensynergien einstreichen. Daneben ist sicherlich die Einführung innovativer Mobilfunkprodukte zur Abrundung unseres Produktportfolios ein wesentlicher Schritt. Zusätzlich prüfen wir permanent mögliche Akquisitionen weiterer Kundenportfolios oder zusätzlicher Produkte. In Summe erwarten wir ein Umsatzwachstum auf mehr als 100 Millionen Euro und einen Anstieg des EBITs auf mindestens zehn Millionen Euro. Pro Aktie bedeutet dies eine signifikante Ergebnissteigerung auf mindestens 1,50 Euro – da haben wir im ersten Quartal ja schon gut vorgelegt.

Die Übernahme von Nacamar hat Sie im Ranking der deutschen Telefongesellschaften nicht nur auf Platz 13 gehievt, sondern auch Ihre Kostenstruktur deutlich verbessert. Was sehen Sie als die wichtigsten Highlights an?

Bei Ecotel liegt der Focus auf dem Geschäft mit Firmenkunden. Wir bieten unseren über 40.000 Geschäftskunden, die sich aus dem mittelständischen Bereich, aber auch aus DAX-Firmen zusammensetzen, effiziente und professionelle Sprach-, Internet- und Datendienste an und liefern ihnen eine Vielzahl von Zusatzservices, die sie durch die „Großen“ der Branche nicht geboten bekommen. Das Produktangebot konnten wir durch das Set-up der Nacamar deutlich verbessern. Hier haben wir neben der sicheren Standortvernetzung, Housing und Hosting auch das stark wachsende Multimedia-Streaming-Geschäft hinzubekommen. In 2006 generierte Ecotel noch 95 Prozent ihres Umsatzes mit Geschäftskunden mit Sprachprodukten und nur fünf Prozent mit Datenprodukten – bei der Nacamar ist das Verhältnis genau umgekehrt. Da sehen wir erhebliches Cross-Selling-Potenzial. Neben den umfangreichen Internet- und Daten-Know-how hat uns die Nacamar auch noch ein interessantes Kundenportfolio gebracht. Einen ersten Eindruck der Auswirkungen der Akquisition kann man in unserem Zwischenbericht zum ersten Quartal sehen – da sind wir einen großen Sprung nach vorne gekommen. Die Synergien kommen jetzt erst noch.

Was ist das Geheimnis Ihrer hohen Profitabilität?

Ecotel hat sich von Anfang an auf die Kundenbedürfnisse, den effektiven Vertrieb sowie effiziente interne Prozesse und konsequenten Einkauf konzentriert und sich nicht durch Netzwerk-Themen ablenken lassen. Durch das Überangebot an Netzwerkinfrastruktur erreicht die Ecotel als virtueller Netzwerkbetreiber exzellente Einkaufskonditionen und ist damit beim Kunden konkurrenzfähig. Mit der Übernahme der Nacamar haben wir jetzt nun ein eigenes Backbone-Netz und eine modernes Datencenter erhalten, was es uns ermöglicht, professionell und kostengünstig Internet- und Datenprodukte anzubieten. Insofern war diese Akquisition ein wichtiger Meilenstein für uns.

Muss man Ecotel als „Discounter“ ansehen oder wie muss man Ihr Wachstum in einem an und für sich stagnierenden Markt verstehen?

Unsere Geschäftskunden wollen einen tadellosen Service und individuell angepasste Telekommunikationslösungen zu attraktiven Konditionen – und vor allem transparente und individualisierte Abrechnungen. Unsere Fähigkeit, das Ohr eng am Markt zu haben und schnell auf diese Bedürfnisse zu reagieren, ist sicherlich der Schlüssel zu unserem Erfolg.

Wie sieht Ihre Kundenstruktur aus?

Wir liegen im Schnitt mit unseren Geschäftskunden im unteren bis mittleren Größensegment, wobei wir auch sehr große namhafte Kunden haben. Wir machen 17 Prozent des Umsatzes mit Kunden, die mehr als 6.000 Euro Monatsumsatz generieren; 65 Prozent des Umsatzes mit Monatsrechnungen zwischen 100 und 6.000 Euro und die restlichen 18 Prozent mit Rechnungen unter 100 Euro. Dazu gewinnen wir pro Monat 500 bis 1.000 neue Kunden, damit gleichen wir den Kundenschwund aus und lassen den Bestand wachsen.

Warum stellen Sie jetzt auf IFRS um?

Um mit den anderen Unternehmen aus der Branche voll vergleichbar zu sein, wollen wir zur Jahresmitte in den Prime Standard wechseln. Dazu ist die IFRS-Rechnungslegung notwendig. Es gibt auch eine Reihe von Investoren, die auf Grund Ihrer Fonds-Regularien nicht in den Entry-Standard investieren dürfen – die wollen wir nun ebenfalls erreichen.

Es gibt immer wieder Gerüchte am Markt, dass Sie in den Mobilfunkbereich einsteigen wollen. Was können Sie dazu sagen?

Da die Verhandlungen noch in vollem Gange sind, bitte ich um Verständnis dafür, daß ich keine näheren Details mitteilen kann. Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass wir voll „on track“ sind.

Jetzt nachlegen!

Dass Ecotel zu den günstigsten Nebenwerten gehört, wissen AKTIONÄRS-Leser seit der Empfehlung in Ausgabe 08/2007. Inzwischen realisieren immer mehr Anleger, dass die dynamisch wachsende Gesellschaft mit einem 2008er-KGV von 7 weit unter Wert gehandelt wird. Unterstützt von einem charttechnischen Kaufsignal sind aktuell sogar Zukäufe empfehlenswert.

Kursziel bei Ecotel: 25,50 Euro. Stopp: 13,50 Euro.

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