TUI
- DER AKTIONÄR

Auf Bewährung

TUI-Chef Michael Frenzel stand gehörig unter Druck. Der Reise- und Schifffahrtskonzern fährt seit Jahren schwache Margen ein und hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Hinzu kam eine miserable Kursperformance. In der vergangenen Woche zauberte der Steuermann jedoch ein Ass aus dem Ärmel: Frenzel legt das Touristikgeschäft, die Nummer 1 in Europa, mit dem britischen Konkurrenten First Choice, der Nummer 4, zusammen.

Seit Monaten kursieren um TUI-Chef Michael Frenzel Rücktrittsgerüchte. Nun festigte er seine Position mit einem überraschenden Deal.

TUI-Chef Michael Frenzel stand gehörig unter Druck. Der Reise- und Schifffahrtskonzern fährt seit Jahren schwache Margen ein und hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Hinzu kam eine miserable Kursperformance. In der vergangenen Woche zauberte der Steuermann jedoch ein Ass aus dem Ärmel: Frenzel legt das Touristikgeschäft, die Nummer 1 in Europa, mit dem britischen Konkurrenten First Choice, der Nummer 4, zusammen. An dem neuen Gemeinschaftsunternehmen TUI Travel, das in London notiert sein wird, halten die Hannoveraner 51 Prozent, die Aktionäre von First Choice 49 Prozent. Das Ruder übernimmt First-Choice-Chef Peter Long.

Briten machen guten Schnitt

Erstaunlich ist, dass die Briten knapp die Hälfte der Anteile erhalten. Denn First Choice ist mit einem Jahresumsatz von nur vier Milliarden Euro deutlich kleiner als das TUI-Touristikgeschäft, das rund 14 Milliarden Euro pro Jahr erlöst. Zwar sind die Briten mit einer operativen Marge von fünf Prozent deutlich profitabler als die Deutschen, die zuletzt nur 2,8 Prozent aufwiesen. Doch zeigt dies, wie schwach Frenzels Position in der Verhandlung war. First Choice hat sich auf hochprofitable Nischenprodukte spezialisiert. Beispielsweise sind sie Marktführer in der Vercharterung von Jachten mit weit über 1.000 Schiffen.

Kopie einer Transaktion

Im Grunde genommen ist der Deal ein Spiegelbild der vor einem Monat bekannt gegebenen Fusion von Thomas Cook und MyTravel, dem zweit- und drittgrößten Reiseveranstalter Europas. Frenzel musste zusehen, wie zwei Konkurrenten immer näher an sein Imperium heranrücken. Ob bei TUI nun Urlaubsstimmung aufkommt, ist zu bezweifeln. Erstens steckt Europas größter Reisekonzern mitten im Umbau und muss den Deal erst einmal verdauen. Zweitens benötigt TUI die erwarteten Synergieeffekte im Volumen von 146 Millionen Euro dringend zur Verbesserung der bisher unbefriedigenden Rentabilität. Die vorgelegten Konzernzahlen für 2006 geben ein schwaches Bild ab: Unter dem Strich summiert sich der Verlust auf 847 Millionen Euro nach plus 496 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Dividende strich TUI kurzerhand. Die Nettoschulden türmen sich trotz fortgesetzter Tilgungsbemühungen auf 3,2 Milliarden Euro.

Gefundenes Fressen

Kapitän Michael Frenzel dürfte trotz des jüngsten Befreiungsschlages weiter in der Kritik stehen. Sollte die Rentabilität in den kommenden Quartalen nicht spürbar steigen, ist sein Rücktritt und eine Kurskorrektur unausweichlich. Die zweigleisige Strategie, Touristik und Container-Schifffahrt (Hapag-Lloyd), macht wenig Sinn, weil sie kaum Synergien bietet. Vor diesem Hintergrund dürfte TUI zukünftig noch stärker als bisher im Fokus von Finanzinvestoren stehen. Anleger, die der AKTIONÄRS-Empfehlung zu 16,51 Euro gefolgt sind, bleiben mit neuem Stopp bei 15 Euro an Bord.

Kursziel bei TUI: 23,00 Euro. Stopp: 15,00 Euro.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 14/2007.

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