Ferrari
- Jochen Kauper - Redakteur

Aston Martin: 007 ist maßlos überteuert!

Die britische Traditionsfirma feiert am 8.Oktober ihr Debüt an der Londoner Börse. Die Lieblingsautomarke von James Bond ist allerdings viel zu teuer. Angestrebt wird eine Bewertung von rund 5,5 Milliarden Euro. Das ist auch der Grund, warum der Börsengang des Sportwagenbauers Kreisen zufolge auf verhaltenes Interesse stößt.

Heiße Kisten
Sie gelten als heimliche Hauptdarsteller in jedem James-Bond-Film: die Flitzer, mit denen 007 auf Verfolgungsjagd durch die Metropolen der Welt rast. Im bislang letzten Bond-Streifen „Spectre“ versenkt der MI6-Agent seinen Aston Martin DB 10 nach einer wilden Verfolgungsjagd durch Rom im Tiber.

Bewegte Vergangenheit
Aston Martin ist zweifellos eine der bekanntesten Luxus-Automarken der Welt mit einer Historie von über 100 Jahren. Die Fahrzeuge, die die Briten herstellen, stehen für Luxus, Exklusivität, Kraft, perfektes Design, Innovation und reichlich PS. Wenn man sich die Entwicklung von Ferrari seit dem IPO Anfang 2016 ansieht – die Aktie hat sich in zweieinhalb Jahren mehr als verdoppelt –, könnte man auf die Idee kommen, dass Aston Martin die richtigen Zutaten für eine erfolgreiche Börsenstory besitzt.
Vor allem aber hat Aston Martin eine bewegte Vergangenheit. Die britische Autoschmiede musste nicht weniger als sieben Mal Konkurs anmelden. Ebenso häufig wechselte der Eigentümer, zu denen etwa die Ford Motor Company, ein Halbleiterhersteller und ein kanadischer Hotelier zählten. Auch Daimler ist mit 4,9 Prozent beteiligt. Die Schwaben liefern die V8-Motoren für die Inselflitzer.

Durchwachsene Zahlen
Operativ läuft es bei Aston Martin nach der bewegten Historie nicht optimal, aber immerhin wieder besser. Zwischen 2015 und 2017 konnten die Briten die Zahl der verkauften Fahrzeuge von 3.615 auf 5.098 steigern, wobei gleichzeitig auch der durchschnittliche Verkaufspreis kontinuierlich höher ausfiel. Bis 2020 soll der Absatz auf 9.600 bis 9.800 Einheiten klettern.
Dieser Erfolg spiegelt sich auch in der Umsatz- und Ergebnisentwicklung wider: 2015 setzte Aston Martin 510 Millionen Britische Pfund um, 2017 waren es bereits 876 Millionen. 2017 gelang dem Börsenaspiranten auch der Sprung in die Gewinnzone: Unter dem Strich blieben 76,8 Millionen Pfund hängen, 2015 beziehungsweise 2016 war man mit 107 beziehungsweise 147,6 Millionen Pfund noch tief in den roten Zahlen.

Aktionäre steigen aus
Grundsätzlich ist ein Börsengang für Aston Martin zu begrüßen, da sich die Briten dadurch einen besseren Zugang zum Kapitalmarkt erschließen. Bei einer Nettoverschuldung in Höhe des 5,3-Fachen des Eigenkapitals sind die Briten stärker geleveraged als Wettbewerber Ferrari mit einem Vielfachen von nur 1,3. Unverständlich ist allerdings gerade in dieser Hinsicht, dass das IPO nur dafür genutzt wird, um den Investoren einen (Teil-)Ausstieg zu ermöglichen. Dieser soll – wenn man die Mitte der Preisspanne nimmt – auch zu einem stattlichen Preis erfolgen. Aston Martin liegt beim Pricing auf oder über dem Niveau von Ferrari (siehe Peergroup-Vergleich) bei geringeren Margen und schwächerer Bilanz.

Zu teuer
Das IPO ist interessant, der Preis zu hoch. Ein Einstieg bietet sich erst bei Kursen um 16,50 Euro an, was einem Abschlag von 25 Prozent auf die Mitte der Preisspanne entspricht.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: