- DER AKTIONÄR

Asien macht mobil

In Japan und Südkorea gehört der hyperschnelle Datenverkehr mit 3G-Handys längst zum Alltag. Anleger setzen auf Softbank und SK Telecom. Wir zeigen Ihnen, wer auf welche Aktie setzen sollte.

In Japan und Südkorea gehört der hyperschnelle Datenverkehr mit 3G-Handys längst zum Alltag. Anleger setzen auf Softbank und SK Telecom. Wir zeigen Ihnen, wer auf welche Aktie setzen sollte.

Von Olaf Hordenbach

Wenn auf den Straßen Tokios Menschen gebannt auf ihr Handy schauen, dann warten sie nicht unbedingt auf einen Anruf. Es ist auch gut möglich, dass sie gerade einen Film angucken, einen Comic lesen oder einfach nur die schnellste Wegroute zu ihrem nächsten Ziel aufrufen. Denn im Gegensatz zu Europa ist in Japan das Handy längst zu einem multifunktionalen Kommunikations- und Informationszentrum geworden. Möglich wird das durch eine extrem hohe Übertragungsrate und leistungsstarke Endgeräte. Die Welt von UMTS - in Europa noch ein Randphänomen - ist in Japan dank Mobilfunktechnologien der Dritten Generation (3G) längst Realität. Rund ein Drittel der 90 Millionen japanischen Handynutzer besitzt ein 3G-Gerät. Aber nicht nur in Japan gehört 3G zum Alltag. Zweitwichtigste "3G-Metropole" ist Südkorea. Circa 15 Millionen Koreaner surfen mit ihrem Handy in UMTS-Geschwindigkeit durch das World Wide Web. Komplette Musikdateien, ganze Bücher und Videofilme werden in wenigen Sekunden auf das mobile Endgerät gespeichert.

Neue Wettbewerber im 3G-Markt

In Japan sind in Sachen 3G die Telekommunikationsunternehmen NTT Docomo, KDDI und Vodafone tonangebend. Sie haben sich bisher den gesamten heimischen Mobilfunkmarkt untereinander aufgeteilt. Allerdings kam es dabei vor allem in den letzten Jahren zu einem harten Verdrängungswettbewerb. Kostenlose Zusatzangebote und teure Rabattschlachten haben zuletzt deutliche Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Die Zeiten, in denen 3G unbegrenztes Wachstum versprach, sind vorbei - und das vor allem deshalb, weil bald neue Anbieter in den 3G-Markt drängen werden. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren wird nämlich das japanische Kommunikationsministerium wieder neue Lizenzen für den Mobilfunkverkehr vergeben. Allerdings wird es dabei zu keiner Auktion kommen, so wie es in vielen europäischen Ländern der Fall ist. Die japanischen Behörden entscheiden in Eigenregie, welches Unternehmen Lizenzen erhält. Als ausgemachte Sache gilt es, dass Softbank eine 3G-Mobilfunkerlaubnis zugesprochen wird.

Softbank in Angriffslaune

Die 1981 von Masayoshi Son gegründete Softbank, unter Anlegern genießt die Gesellschaft einen fast schon legendären Ruf, hat sich in den letzten Jahren radikal gewandelt. Als Beteiligungsunternehmen war Softbank Ende der 1990er- Jahre in über 600 meist jungen Hightechfirmen investiert. In den USA war man zudem der größte Anteilseigner an Internetfirmen wie Yahoo, E*Trade und CNET. Der Name Softbank stand stellvertretend für die New Economy. Als diese dann langsam, aber sicher in sich zusammenfiel, stellte Softbank das Geschäft um und mauserte sich sukzessive zu einem Telekommunika- tionskonzern, der auf die Breitbandtechnologie setzt. Gemeinsam mit Yahoo Japan betreibt Softbank das DSL-Joint-Venture Yahoo BB. Dieses konnte dank aggressiver Preise und eines offensiven Marketings stark wachsen und trug dazu bei, dass Japan heute zu den Ländern mit der höchsten DSL-Dichte zählt. Für den Fall, dass Softbank eine 3G-Lizenz zugesprochen bekommt, hat Masayoshi Son eine massive Werbekampagne für den hyperschnellen Datentransfer angekündigt. Wie bereits beim DSL könnte Softbank dann den 3G-Markt in kürzester Zeit vollständig umkrempeln. Für die Konkurrenten NTT Docomo, KDDI und Vodafone brechen harte Zeiten an. Die Papiere von Softbank hat der aktionär Ende November 2003 bei einem Kurs von 28,90 Euro empfohlen. Mit einem Zuwachs von 45 Prozent haben sie sich bis dato bereits sehr schön entwickelt, bleiben aber nach wie vor ein Kauf.

Fernsehen mit SK Telecom

In Südkorea ist SK Telecom mit einem Anteil von 51 Prozent Marktführer. Das Unternehmen setzt beim margenträchtigen 3G-Zusatzgeschäft vor allem auf den mobilen Fernsehempfang. Damit erzielen die Koreaner derzeit ein Viertel ihres Gesamtumsatzes. Und geht es nach dem Willen des Vizepräsidenten von SK Telecom, Song Hyun-jong, wird man alles daran setzen, diesen Umsatzanteil kräftig auszubauen. Den bereits erschlossenen Kundenstamm möchte man durch Zusatzdienste an sich binden und zum verstärkten Nutzen von 3G-Technologien anregen. Das hätte dann auch zur Folge, dass SK Telecom die hohen Werbe- und Imageausgaben, die man bisher in die Gewinnung von Neukunden investierte, zurückfahren könnte. SK Telecom wartete für das erste Halbjahr 2005 mit hervorragenden Zahlen auf: Im Vergleich zur Vorjahresperiode wies das Unternehmen einen um elf Prozent gestiegenen Nettogewinn auf umgerechnet 654 Millionen Euro auf. Für das Gesamtjahr 2005 rechnet der aktionär mit einem Gewinn je Aktie (in Deutschland gehandelte ADRs) von 1,88 Euro, für 2006 von 2,04 Euro. Daraus errechnet sich ein 2006er-KGV von lediglich 9.

Die 3G-Favoriten

Risikofreudige Anleger setzen auf Softbank. Das Unternehmen steht erst vor dem Start seines 3G-Netzes, dürfte dann aber bald zu den Marktführern aufschließen. SK Telecom ist für konservative Anleger erste Wahl. Die Aktien des Unternehmens sind gerade im internationalen Vergleich sehr günstig bewertet. Zudem ist SK Telecom fest im 3G-Markt etabliert.

 

Artikel aus DER AKTIONÄR 38/05

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