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Apple lässt den Tiger los

Microsoft bläst der Wind ins Gesicht. Nach dem iPod-Coup greift Apple mit dem "Tiger" den Riesen nun in dessen ureigener Domäne an: bei Betriebssystemen. Und dass Apple wieder wer ist, sieht man an den Zahlen zum ersten Quartal.

Microsoft bläst der Wind ins Gesicht. Nach dem iPod-Coup greift Apple mit dem "Tiger" den Riesen nun in dessen ureigener Domäne an: bei Betriebssystemen.

Von Martin Weiss

Nur naive Menschen werden glauben, dass sich Microsoft 1997 aus einem anderen Grund an Apple Computer beteiligte als sich die Kartellbehörden vom Hals zu halten. Was Microsoft-Gründer Bill Gates nicht vorhersah: Apple bahnte sich binnen weniger Jahre einen Weg aus der Krise und mauserte sich mit dem MP3-Player iPod zum Inbegriff für Innovationsfreude. "Der iPod ist ein großer Erfolg", räumte selbst Gates mittlerweile zähneknirschend ein, "und Steve Jobs ein sehr guter Vermarkter."

Apple lässt den Tiger los

Gut möglich, dass Bill Gates den Rivalen zukünftig noch häufiger loben muss, denn der hat für den iMac-Computer gerade sein neuestes Betriebssystem "Tiger" ins Rennen geschickt - Microsofts XP-Nachfolger "Longhorn" wird hingegen erst in rund 18 Monaten auf den Markt kommen. Zeit genug für Apple, in fremden Gebieten zu wildern. Und die Chancen stehen nicht schlecht, dass der Tiger auch Beute macht, denn immerhin sind etliche der von Microsoft für den Longhorn angekündigten Verbesserungen bei der Apple-Software schon verfügbar. Die wichtigste Neuerung - in den einschlägigen Foren schon als "schlichtweg genial" gefeiert - dürfte das Feature "Spotlight" sein, mit der sich in Sekundenbruchteilen Dateien, Bilder und Musikstücke auf dem Rechner finden lassen.

Aggressives Wachstum

Apple gelingt es immer besser mit seinen Produkten, neue Kundengruppen anzusprechen. Im letzten Quartal verkaufte das Unternehmen 1,1 Millionen Macs, ein Plus von 43 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum, und steigerte dabei den Gewinn um das Sechsfache. Zum Vergleich: Der US-Markt für PCs ist im ersten Quartal um lediglich zwei Prozent gewachsen. Mit der Einführung des neuen und preisgünstigen Mac Mini erreicht Apple nun zudem praktisch den gesamten Computermarkt - die Reichweite für die höherpreisigen iMacs hatten Experten bislang auf knapp über 20 Prozent geschätzt.

Die Laus im Pelz

Keine Frage, Microsoft bleibt mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent bei PC-Betriebssystemen weiterhin der schwergewichtige Gorilla im Käfig - mit Apple als lästiger "Laus" im Pelz. Der Softwareriese will die Zeit bis zur Einführung des XP-Nachfolgers mit einer 100-Millionen-Dollar teuren Werbekampagne überbrücken. Das Motto: Wartet auf unser Longhorn, es lohnt sich. Für die Investoren sollte es sich hingegen lohnen, den Kursrücksetzer bei der Apple-Aktie zum Positionsaufbau zu nutzen. Die ist nun wieder moderat bewertet und bietet auf Sicht von einem Jahr durchaus ein Potenzial von 40 Prozent. Aber selbst ein Anstieg von 50 Prozent und mehr scheint angesichts der Innovationskraft der Verantwortlichen nicht unrealistisch

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