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Apple gegen den Rest der Welt

Von Martin Weiß

Die Aktien des Kultunternehmens kletterten gestern in New York um 2,94 Dollar oder 3,5 Prozent auf 88,23 Dollar und befinden sich nun wieder in unmittelbarer Nähe zu ihrem Allzeithoch (90,88 Dollar). In den letzen zwölf Monaten hat sich der Wert der Aktien mehr als vervierfacht. Ausgelöst wurde der Run auf die Papiere durch die Ankündigung einer Produktoffensive für den iPod. Demnach bietet Apple den digitalen Musik-Player nun auch mit einem Festplattenspeicher von 6 Gigabyte an. Hinzu kommen zwei 30- und 60-Gigabyte große iPod-Photo-Geräte mit Farbdisplay.

Kein Platz für Konkurrenten

Der 4-Gigabyte-iPod kostet jetzt 199 Dollar statt wie bisher 249 Dollar. Mit dieser Maßnahme reagiert Apple auf die zunehmende Konkurrenz auch aus Deutschland. Erst am Mittwoch hatte die T-Online-Tochter Musicload einen eigenen digitalen Player angekündigt. Für Analysten ist die Sache klar: Apple rüstet sich für den Kampf. "Sie würden nicht so reagieren, gäbe es keine Konkurrenten", sagte Piper Jaffray-Experte Gene Munster dem US-Wirtschaftsdienst CNN/Money. Die Erweiterung der Produktpalette lasse kaum Spielraum für die Wettbewerber.

199 Dollar sind die magische Grenze

Mit einem Marktanteil von 90 Prozent dominiert Apple den amerikanischen Markt für digitale Festplattenspieler. Und der iPod ist für den Konzern zu einer echten Geldmaschine geworden. Im vierten Quartal verkaufte Apple rund 4,5 Millionen iPods und erzielte damit einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar. Auf die Computersparte, das Brot-und-Butter-Geschäft bei Apple, entfielen 1,61 Milliarden Dollar. Einige Analysten rechnen damit, dass die Preissenkung des iPod Minis zu einem Absatzschub führen wird. "Aus irgendeinem Grund sind 199 Dollar eine magische Grenze für die Käufer - und der Mini kostet jetzt 149 Dollar", sagte ein Analyst von Needham. Befürchtungen, wonach der Mini dem erst kürzlich vorgestellten Apple-Shuffle (99 Dollar) den Rang ablaufen könnte, gibt es kaum. Vielmehr hätten viele Geschäfte binnen weniger Stunden nach Verkaufsstart den Ausverkauf des Shuffle gemeldet.

Fazit: Charttechnisch sieht es weiterhin positiv für Apple aus. Die Papiere haben einen schönen Aufwärtstrend ausgebildet und der Break über das alte Hoch sollte kein allzu großes Hindernis darstellen. Fundamental ist die Sache problematischer, denn mit KGVs von 43 (2005e) bzw. 36 (2006e) sind die Titel hoch bewertet. Das Wachstum bei digitalen Musikgeräten wird sich nicht endlos fortsetzen, zudem drängen immer mehr Wettbewerber in den Markt. Wer investiert ist, sollte die Gewinne laufen lassen. Ein Neueinstieg bietet sich hingegen nicht an.

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