Apple
- Alfred Maydorn - Redakteur

Apple: Droht nach Buffett-Einstieg das IBM-Debakel?

„Warren Buffett investiert eine Milliarde Dollar in Apple“, lautete zu Wochenbeginn die mit Abstand wichtigste Schlagzeile an den Finanzmärkten. Aber zu lesen war auch „Warren Buffett wettet auf Apple“. Aber genau das macht Buffett sicherlich nicht, zumindest nicht bei Apple. Hätte er auf Apple wetten wollen – was er ja tatsächlich hin und wieder ganz gerne macht –, dann wäre er vor fünf oder zehn Jahren bei Apple eingestiegen.

Heute ist der Kauf von Apple-Aktie ganz sicher keine Wette mehr, sondern ein Investment. Und zwar eines, dass gerade ideal zu Buffett passt: Viele Cash, Aktienrückkäufe, Dividende und eine attraktive Bewertung, zumindest was die meisten Kennzahlen betrifft. Apple ist wirklich ein ganz solides Investment geworden. 

Auf den Spuren von IBM?

Eine sehr ähnliche Konstellation ließ Buffett vor knapp fünf Jahren schon einmal in einen Technologiewert investieren, sein erstes großes Tech-Investment überhaupt. Im November 2011 wurde bekannt, dass Buffett rund elf Milliarden Dollar in IBM-Aktien investiert hatte. Nicht nur die investierte Summe war damals deutlich größer, als jetzt bei Apple, sondern auch die Überraschung. Denn noch wenige Jahre zuvor hatte Buffett eingestanden, sich im Technologiesektor nicht auszukennen und sich auch gar nicht auskennen zu wollen: „Ich will nicht in einem Spiel mitspielen, in dem die anderen Leute einen Vorteil haben.“ 

20 Prozent Verlust seit 2011

Dann aber war Buffett vom Geschäft und von den Perspektiven von IBM doch überzeugt und kaufte rund fünf Prozent am Unternehmen. In den folgenden Jahren wurde die Position immer weiter vergrößert. Und auch in diesem Jahr legte Apple noch einmal nach, wie gerade bekannt wurde. Und dass, obwohl sich das IBM-Investment bisher enttäuschend entwickelt hat, um es vorsichtig auszudrücken. Denn heute notiert die IBM-Aktie rund 20 Prozent niedriger bei Buffetts Einstand. Im gleichen Zeitraum hat der Dow Jones um etwa 50 Prozent zugelegt. IBM dürfte in diesem Zeitraum einer der schlechtesten Werte im Dow Jones gewesen sein, vielleicht sogar der schlechteste. 

Tim Cook und Warren Buffett – das passt!

Und jetzt also Apple, bekanntlich seit gut einem Jahr auch Dow-Jones-Mitglied. Wiederholt sich die IBM-Geschichte? Wird jetzt der jahrzehntelange Outperfomer Apple zur neuen lahmen Ente im Index? Ist der Einstieg von Buffett, der ja zunächst mit einem kräftigen Anstieg der Apple-Aktie gefeiert wurde, vielleicht doch mehr ein Fluch denn ein Segen? Ob dem so ist, liegt vor allem in den Händen von Apple – oder besser gesagt in denen von Apple-Chef Tim Cook. Und der hat in seiner Amtszeit sicherlich viele Entscheidungen getroffen, die Warren Buffett gefallen haben dürften, aber nur wenige, die das zukünftige Wachstum von Apple sichern. 

Man kann sagen, dass Apple und Buffett nach Jahrzehnten endlich zusammengefunden haben. Schön für die beiden, aber weniger schön für alle anderen Aktionäre. Die Freude über den Buffett-Einstieg dürfte recht schnell vorbei sein. Die Gefahr, dass sich die IBM-Geschichte wiederholt, ist durchaus gegeben.

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  • Margin Call -
    Die Entwicklung von IBM basiert sicherlich nicht auf dem Einstieg von Warren Buffet. Es ist eher davon auszugehen, dass Buffet eingesehen hat, dass er ein breites Portfolio in der Zukunft nicht mehr ohne IT-Werte abbilden kann – und da er auch hier wieder langfristig denkt, lässt er die Finger von stark im Wert gestiegenen Unternehmen / Titeln wie z. B. Amazon oder Alphabet und konzentriert sich auf solche, die einigermaßen berechenbare Bewertungen aufweisen, stabile Gewinne liefern, evtl. eher etwas unterbewertet aussehen und dadurch auch langfristig nicht nur gute Dividenden, sondern auch Kurssteigerungen versprechen. Wenn man, wie Buffet, noch nicht in Apple investiert war, dann ist es evtl. kein schlechter Zeitpunkt, das jetzt nachzuholen. Warum das schlecht für alle anderen Aktionäre sein soll, erschließt sich nicht.

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