Apple
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Apple: Achtung Amazing

Die jüngsten Quartalszahlen waren überraschend schwach. Doch Firmenchef Tim Cook gibt sich weiterhin betont optimistisch und begeistert. Analysten sehen hingegen nach einem enttäuschenden Ausblick "Warnsignale".

Für Apple-Chef Tim Cook war es eine "unglaubliche Freude, ein außergewöhnliches Rekordquartal" vorzustellen. Doch Investoren jubeln nicht mit. Zumal zwar die Gewinnschätzungen übertroffen wurden, der Umsatz jedoch schwächer ausfiel. Aktuell verliert das Papier rund acht Prozent. Die Zahlen der erfolgreichsten Firma der Welt an sich sind weiterhin beeindruckend - doch vor allem die Erwartungen wurden teils verfehlt und der Ausblick enttäuscht. Börse handelt Zukunft, nicht die Vergangenheit.

Deutsche Bank senkt Daumen

In einer ersten Reaktion senkte die Deutsche Bank das Kursziel für Apple von 800 auf 575 Dollar. Viele andere Analysten haben die 2013er-Gewinnschätzungen um etwa zehn Prozent gesenkt. Apple selbst stellt für das laufende Quartal nur noch einen Umsatz von 41 bis 43 Milliarden Dollar in Aussicht - Analysten hatten bisher im Schnitt mit 46 Milliarden gerechnet.

Irritierend auch die Ankündigung von Apple, dass man nicht mehr wie bisher eine sehr konservative, punktuelle Prognose abgeben wolle, sondern eine Range. Entsprechend wurde das Ziel der Rohmarge mit 37,5 bis 38,5 Prozent angegeben - bislang hatten Experten auf über 39 Prozent gehofft.

Fantasie verpufft

Im anschließenden Call mit den Analysten sagte Tim Cook, angesprochen auf Konkurrenten, welche größere 5-Zoll-Displays Smartphones vorstellen, sinngemäß, dass er mit dem 4-Zoll-iPhone-Bildschirm sehr zufrieden sei - "ich glaube wir haben die richtige Lösung gewählt". Spekulationen über die Vorstellung eines 4,8-Zoll-Smartphones von Apple dürften sich damit abkühlen.

Natürlich ist für Cook das aktuelle Retina-Display ohnehin das "beste in der Branche, kein anders kommt an dessen Qualität heran". Doch auch diese Begeisterung teilen längst nicht mehr alle Branchenexperten (TechCrunch bezweifelte etwa vor wenigen Stunden diese Aussage) - denn die Konkurrenz schließt auf und überholt.

Entsprechend vorsichtig agieren derzeit auch die Analysten wie Daniel Morris von Morris Capital. Er bemängelt, dass seit dem iPad im Jahr 2010 kein bahnbrechendes neues Produkt mehr vorgestellt wurde - er sieht daher "einige Warnsignale". Schließlich startet der Konkurrent Blackberry gerade erst sein Comeback und Überraschungserfolge wie der des Nexus 4 von Google oder das Lumia 920 waren bis zuletzt noch gar nicht in großen Stückzahlen verfügbar.

Überverkauft?

Kurzfristig dürfte der Druck auf das Paper anhalten. Denn Analyst Per Lindberg ("Verliert Apple an Coolness?") war die Ausnahme. Das Gros der Analysten war prozyklisch und long, wurde auf dem falschen Fuß erwischt und muss nun die Prognosen und das Kursziel senken.

Das bereits erwähnte Gap bei 427 Dollar oder 320 Euro rückt nun noch mehr in den Fokus. Spätestens nach dem Schließen dieser Kurslücke könnte das mittlerweile sehr überverkaufte Papier jedoch eine Erholungsrallye starten. Dennoch gilt grundsätzlich für konservative Anleger - Stoppkurse einhalten und nicht ins fallende Messer greifen.

Auf dem Papier ist Apple mit einem KGV von 10 günstig bewertet. Doch Anleger sollten vorsichtig bleiben. Denn die große Frage ist - sind die Zukunftsaussichten wirklich noch so "Amazing" wie von Tim Cook behauptet? Wie stark müssen die lange zu optimistischen Analysten ihre Schätzungen noch senken?

DER AKTIONÄR wird das Papier in der ab Freitagabend erscheinenden Ausgabe 06/2013 ausführlich unter die Lupe nehmen.

Mitarbeiter der Börsenmedien AG halten Zertifikate auf Apple.

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