ADIDAS AG O.N.
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Anpfiff!

Als am Freitagabend um 20.30 Uhr im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion ein greller Pfiff ertönte, wurden neben den 55.800 Zuschauern vor Ort auch mehrere Millionen an den TV-Geräten Zeuge. Denn das Fußballspiel des Deutschen Meisters VfB Stuttgart gegen den Zweitplazierten Schalke 04 wurde live übertragen. Die Partie markierte den Auftakt der Saison 2007/2008 in der 1. Bundesliga.

Die Fußball-Bundesliga geht in diesen Tagen in die neue Saison. Können Börsianer vom Geschäft mit dem runden Leder profitieren?

Als am Freitagabend um 20.30 Uhr im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion ein greller Pfiff ertönte, wurden neben den 55.800 Zuschauern vor Ort auch mehrere Millionen an den TV-Geräten Zeuge. Denn das Fußballspiel des Deutschen Meisters VfB Stuttgart gegen den Zweitplazierten Schalke 04 wurde live übertragen. Die Partie markierte den Auftakt der Saison 2007/2008 in der 1. Bundesliga. Und damit ging der Milliardenmarkt Fußball in eine weitere Saison der Rekorde. Erste Superlative gibt es bereits: Mitte Juli, bereits drei Wochen vor dem Start der neuen Spielzeit, hatten die 18 Vereine der 1. Bundesliga mit insgesamt 150 Millionen Euro schon mehr Geld in neue Spieler investiert als in der bisherigen Rekordsaison 2001/2002, als die Clubs 147 Millionen Euro ausgaben. Maßgeblichen Anteil daran hat der FC Bayern München, der für die internationalen Stars Ribéry (Frankreich) und Toni (Italien) 36 Millionen Euro auf den Tisch gelegt hat. Das Interesse an den beiden ist groß, weshalb man sich beim Sportartikelhersteller Adidas angesichts bevorstehender hoher Trikotverkäufe schon die Hände reiben dürfte. Und bei solchen Zuschauermagneten ist es auch nicht verwunderlich, dass in einigen Stadien schon vor Beginn der Saison neue Besucherhöchststände feststehen.

Hohe Erwartungen

So etwa bei Borussia Dortmund. Dank einer treuen Fangemeinde ist der BVB Liga-Spitzenreiter beim Verkauf von Dauerkarten; genau 50.549 Tickets für die kommende Saison hatten die Schwarz-Gelben bis zum Dienstag vergangener Woche verkauft. Die Hoffnung der Fans auf eine gute Saison spiegelt sich allerdings nicht nur im Kartenverkauf, sondern auch am Aktienmarkt wider. Dort hat die Notierung des BVB in den vergangenen Wochen ordentlichen Schwung bekommen. So haben Siege der Dortmunder in den Testspielen gegen Arnheim und den AS Rom die Erwartungen für die kommende Saison nach oben geschraubt. Das hat das Papier des einzigen börsennotierten Bundesliga-Vereins auch bitter nötig – derzeit notiert die Aktie rund 80 Prozent unter dem Emissionspreis vom Herbst 2000. Nun scheinen sich aber immer mehr Börsianer der Unterbewertung des BVB bewusst zu werden. Der große Zuspruch des Publikums ist dabei nur eines von mehreren Assets, mit denen die Dortmunder wuchern können. Mit dem früheren Westfalenstadion, dem heutigen Signal Iduna Park, das dem Verein nahezu komplett gehört, hat die Borussia ein kleines Schmuckstück im Portfolio: Das Stadion ist mit über 80.000 Plätzen die größte Fußballarena Deutschlands, allein auf der Südtribüne gibt es 25.000 Stehplätze. Zudem ist die Insolvenzgefahr gebannt, die den Aktienkurs über Jahre belastete. Die Geschäftsführung um Hans-Joachim Watzke, der kürzlich seinen Vertrag vorzeitig bis Ende 2011 verlängert hat, hat in den vergangenen Jahren mit einer umfangreichen Umschuldung für Stabilität gesorgt. Vor diesem Hintergrund ist die Aktie von Borussia Dortmund mehr als eine reine Sportwette. Allerdings hängt die Performance des Papiers nicht zuletzt auch davon ab, ob der BVB in der übernächsten Saison wieder im internationalen Wettbewerb spielt.

Programm für Fans

Ob dem BVB das gelingt, dürfte den Verantwortlichen des Bezahlsenders Premiere egal sein. Premiere profitiert in jedem Fall von der Lust auf Fußball. Denn die Bundesliga – so sagt Premiere in seinem jüngsten Slogan – „ist wieder zu Hause“. Im Dezember 2005 war Premiere noch überraschend vom Wettbewerber Arena bei der Vergabe der Übertragungsrechte für die Bundesliga ausgestochen worden. Nachdem Arena nun vor dem Aus steht, hat Premiere dem Arena-Besitzer Unity Media die Rechte abgekauft. Damit bietet Premiere nun wieder Bundesliga-Fußball und die Spiele der Champions League aus einer Hand an – für viele Fans sicher ein Grund für ein Abo. Allein vor diesem Hintergrund ist die Premiere-Aktie kaufenswert. Zumal Firmenchef Kofler jüngst selbst Übernahmegerüchte schürte.

Spekulationen über einen Kauf gab es zuletzt auch beim Sportwettenanbieter Bet-at-home. Nachdem dessen Aktienkurs ebenso wie der des österreichischen Wettbewerbers nach den Werbeverboten in Deutschland unter Druck gekommen war, ist Bet-at-home in den Augen einiger Börsianer ein attraktives Übernahmeziel. Für eher konservativere Anleger ist diese Spekulation allerdings kein Grund für einen Kauf der Aktie; sie sollten in jedem Fall eine Bodenbildung abwarten.

Volltreffer oder Eigentor?

Obwohl Aktien von Fußballvereinen im Ruf stehen, nur etwas für Fans und Trader zu sein, ist das Risiko beim Papier von Borussia Dortmund dank einiger guter Assets aus fundamentaler Sicht überschaubar. Dennoch ist seine Kursentwicklung auch vom sportlichen Erfolg abhängig. Für konservative Börsianer bieten sich daher eher die Papiere von Adidas und Premiere an.

Erschienen in DER AKTIONÄR Ausgabe 33/2007.

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