Thielert AG
- DER AKTIONÄR

Anonymer Nutznießer?

Der Flugzeugmotorenbauer Thielert sieht sich mit massiven Betrugsvorwürfen konfrontiert. Vorstandschef Frank Thielert weist gegenüber dem AKTIONÄR die Vorwürfe jedoch weit von sich. Auch äußert sich der Unternehmensgründer im AKTIONÄR-Interview zur aktuellen Geschäftsentwicklung und zu den Zielen des SDAX-Konzerns.

Der Flugzeugmotorenbauer Thielert sieht sich mit massiven Betrugsvorwürfen konfrontiert. Vorstandschef Frank Thielert weist gegenüber dem AKTIONÄR die Vorwürfe jedoch weit von sich. Auch äußert sich der Unternehmensgründer im AKTIONÄR-Interview zur aktuellen Geschäftsentwicklung und zu den Zielen des SDAX-Konzerns.

DER AKTIONÄR: Herr Thielert, die in der Strafanzeige geäußerten Vorwürfe sind massiv. Es ist sogar von „fiktiven Umsätzen“ die Rede. Was entgegnen Sie diesen Anschuldigungen?

Frank Thielert: Wir sind überzeugt, dass wir in Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden die Anschuldigungen widerlegen können. Klar ist, dass bei einer Veröffentlichung solcher Vorwürfe, massive Kursbewegungen zu erwarten sind. Uns interessiert nun, wer der Nutznießer solcher Kursbewegungen ist. Die Vermutung liegt nahe, dass es der anonyme Anzeigesteller selbst ist. Wer sich mit unserem Unternehmen, dem Geschäftsmodell und unserem Marktumfeld beschäftigt hat, sieht, dass wir ein reales Unternehmen mit realen Produkten sind.

Es wird sogar unterstellt, dass Thielert ohne den erfolgreichen Börsengang insolvenzgefährdet gewesen wäre. War das IPO die letzte Rettung?

Wir hatten zu jeder Zeit Kapitalgeber, die unsere Wachstumsstrategie mitgetragen haben. Der Börsengang zielte darauf ab, zusätzliches Kapital für unsere Motorentwicklung ein zu werben und die finanzielle Flexibilität zu erhöhen . Der Börsengang hat uns gegenüber Großkunden bei Entwicklung, Einkauf und der Verhandlungsposition gestärkt. In der Tat hat das IPO unser konstant starkes Wachstum mitfinanziert, war somit eine konsequente Maßnahme für die aggressive Wachstumsstrategie im Flugmotorenmarkt.

Ein Punkt ist unbestritten: Im Geschäftsjahr 2005 sind die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen von 24,0 auf 45,3 Millionen Euro in die Höhe geschnellt. Wann sind die entsprechenden Zahlungseingänge zu erwarten?

Die Umsätze sind im gleichen Zeitraum von 24 Millionen auf 37 Millionen Euro gestiegen, die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen um 21 Millionen. Hier muss berücksichtigt werden, dass das vierte Quartal mit 13 Millionen Euro auch 2005 unser stärkste war. Das heißt die meisten Forderungen sind zum Bilanzstichtag sehr jung. Zahlungseingänge erfolgen kontinuierlich. Im laufenden Geschäftsjahr konnten die Forderungslaufzeiten weiter verkürzt werden. Das ist ebenfalls ein Resultat der seit dem IPO stärkeren Verhandlungsposition gegenüber unseren Großkunden.

Der operative Cashflow war im ersten Halbjahr 2006 mit minus 14 Millionen Euro tiefrot. Wann wird Thielert einen positiven Cashflow ausweisen können? Ist die Gesellschaft bis zu diesem Zeitpunkt durchfinanziert?

Der Cashflow ist genauso wie das Working Capital eine Kennzahl, die von unseren Investoren kritisch hinterfragt wird. Sie müssen auf jeden Fall vor dem Hintergrund der intensiven Investitionen in neue Produkte und den Ausbau der Fertigungskapazitäten gesehen werden. Ohne dieses Wachstum wäre weder der Eintritt in den zivilen noch in den militärischen Flugmotoren-Markt möglich gewesen wäre. Die Kennzahlen werden sich mit steigenden Auslieferungszahlen verbessern. Der Serienstart unseres zweiten Motorenmodells wird dazu wesentlich beitragen. Die Working-Capital-Situation konnten wir schon jetzt verbessern. Ab dem vierten Quartal 2007 rechnen wir auch mit nachhaltig positivem operativem Cashflow. Bis dahin sind wir sicher durchfinanziert.

Welche Ziele haben Sie sich bis 2010 gesteckt?

Wir werden unsere Wachstumsstrategie weiter verfolgen. Ein Umsatzwachstum um die 50 Prozent jährlich bei unveränderten Marktbedingungen halten wir für realistisch. D.h. das wir im Markt für Flugmotoren unseren Marktanteil von jetzt 17 Prozent auf über 50 Prozent schrauben wollen, denn bis dahin haben wir die Motoren-Produktpalette komplettiert.

DER AKTIONÄR: Vielen Dank für das Interview.

Hier geht es zum AKTIONÄR-Interview mit Markus Straub, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger.

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