- Werner Sperber - Redakteur

Anlegerbrief: Öl wird im nächsten Jahr wohl wieder knapp

Der Anlegerbrief verweist auf die derzeitige Konsolidierung der Öl-Preise, nachdem die Notierungen von Mitte Januar bis Anfang Juli dieses Jahres stark gestiegen sind. Davor wiederum sackten die Ölpreise stark ab. Dieser Ölpreis-Verfall war das Ergebnis eines stark gestiegenen Angebots aufgrund der Öl-Förderung mit der gefährlichen Methode des sogenannten Frackings in den USA.

Nachdem noch im Jahr 2013 weniger Öl produziert als verbraucht wurde, war die weltweite Fördermenge im vergangenen Jahr mit 95,7 Millionen barrel pro Tag (mb/d) deutlich höher als die Nachfrage von 93,9 Millionen Fass mit 159 Liter je Tag. Da viele Bohrlöcher in den USA auf dem niedrigen Preisniveau unrentabel sind, werden anstatt aus 1.600 Ölquellen im Herbst 2014 (Rekordwert) im Mai nur mehr aus 316 Löchern gefördert. Das mindert das Angebot, während die weltweite Nachfrage trotz der wirtschaftlichen Abkühlung in China robust ist. Die US Energy Information Administration schätzt, diese Nachfrage werde in diesem Jahr um 1,5 Prozent auf durchschnittlich 95,3 mb/d zulegen. Die wichtigsten Wachstumstreiber sind Indien, der Nahe Osten und nach wie vor auch China. Damit sinkt das Überangebot voraussichtlich auf nur noch 0,86 mb/d. Im nächsten Jahr könnte dieses Überangebot ganz verschwinden.

Allerdings wird eine solche Entwicklung von der Produktionsmenge in den USA abhängen. Vom Tief Ende Mai ist die Zahl der aktiven Bohrlöcher schon wieder um rund 40 gestiegen. Es rentiert sich also bereits in einigen Projekten wieder zu fördern. Der Anlegerbrief warnt: Diese Flexibilität der US-Industrie ist eine große Bremse für den Preisauftrieb von Öl. Dennoch scheint sich der Ölmarkt nach dem Preisschock in der Tendenz auf ein neues Gleichgewicht zuzubewegen, wobei der größte Teil dieser Anpassung bereits vollzogen sein dürfte. Das Risiko für große Turbulenzen hat damit abgenommen. Charttechnisch hat der Ölpreis mit einer V-förmigen Erholung die steile, kurzfristige Abwärtstrendlinie überwunden. Ein mittelfristiger Boden als Basis für eine Trendwende ist jedoch noch nicht gebildet worden.

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