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Anleger auf der Couch

Investoren handeln rational? Von wegen! Das meiste an der Börse ist reine Psychologie. Mit Behavioural Finance haben Anleger einen großen Vorteil

Investoren handeln rational? Von wegen! Das meiste an der Börse ist reine Psychologie. Mit Behavioural Finance haben Anleger einen großen Vorteil.

Von Andreas Deutsch

Sind Börsianer ein Fall für den Psychiater? Nach Erkenntnissen der Behavioural-Finance-Lehre lassen sich die Anleger weitaus mehr von ihren Gefühlen als von der Vernunft lenken. Die Folge könnten große Verluste sein.

Klarer Vorteil

Obwohl es Behavioural Finance schon seit knapp 30 Jahren gibt, wurde diese Finanztheorie erst vor drei Jahren durch die Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises an Daniel Kahnemann und Vernon Smith richtig bekannt. Die beiden Wissenschaftler fanden heraus, dass Investoren immer wieder Fehleinschätzungen erliegen und somit an der Börse irrational handeln. Denn laut Kahnemann und Smith lassen sich Anleger nicht nur von ihren Ängsten, Unsicherheiten und persönlichen Vorlieben beeinflussen, sondern sie folgen der breiten Masse - egal, was die Marktdaten sagen. Auf diese Weise kommt es immer wieder zu Blasen, wie zum Beispiel die Tulpen-Manie im 17. Jahrhundert oder die Technologieblase vor gut fünf Jahren.

Die wichtigste Erkenntnis der Behavioural Finance besagt, dass die meisten Investoren immer wieder die gleichen Fehler machen, ihr unlogisches Verhalten also System hat. Wer nun selbst rational handelt, kann sich das irrationale Vorgehen des Marktes zunutze machen: Er muss lediglich beobachten, welche Fehler die Masse macht und seine Strategie darauf abstimmen. Dann sollte er auf Dauer eine höhere Rendite erzielen als der Markt (siehe unten).

Dem Markt voraus

Die Erkenntnisse der Behavioural Finance dienen dem Börsianer dazu, sein Anlageverhalten deutlich zu verbessern. Wer alle erdenklichen Faktoren berücksichtigt, sich nicht überschätzt, nicht vorschnell handelt und niemals blind der Masse hinterherläuft, hat Top-Chancen auf eine Outperformance.

Behavioural Finance - das sollten Anleger wissen

o Schlechtes Timing: Anleger, die Verlust gemacht haben, kaufen erst wieder Aktien, wenn die Börse längere Zeit gut performt hat - statt dann zu investieren, wenn vieles auf eine Hausse hindeutet. Zudem neigen viele Anleger dazu, Gewinne zu schnell zu realisieren. Auf der anderen Seite halten sie zu lange an Verlustbringern fest.

o Herdentrieb: Anleger laufen oft der breiten Masse hinterher. Dadurch laufen sie Gefahr, falschen Entscheidungen anderer zu folgen und hohe Verluste einzufahren.

o Heimatliebe: Anleger legen lieber in ihrer Heimat an als in der Fremde. Ein Portfolio sollte allerdings immer breit gestreut sein.

o Zu Euphorisch: Viele Börsianer neigen zu übertriebenem Optimismus. Statt sich auf die aktuellen Fakten zu konzentrieren, stützen sich ihre Prognosen auf die Vergangenheit und auf Wunschdenken.

o Selbstüberschätzung: Viele Anleger glauben, mit gezieltem Stock-Picking eine Top-Rendite erzielen zu können. Dabei vernachlässigen sie entweder die genaue Aktienanalyse, missachten das Gebot der Streuung oder machen einen anderen Fehler.

Artikel aus DER AKTIONÄR (30/05).

 

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