Heidelberger Druckmaschinen
- Werner Sperber - Redakteur

Anlage-Profis: Darum ist Heidelberger Druck (noch) nicht kaufenswert

Die Sachkenner der Wirtschaftswoche schreiben, Dr. Gerold Linzbach, Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG, hat bei der Fachmesse drupa sehr gute Laune gehabt. Seit Januar ist er nach einer schweren Krankheit wieder an die Spitze des Unternehmens zurückgekehrt und langsam werden die Erfolge der Sanierung der angeschlagenen Firma sichtbar. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 gelang die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Aktienkurs legte seit Februar rund 60 Prozent zu.

Allerdings ist die Bilanz noch immer schwach und die niedrigen Gewinnspannen können kaum dazu beitragen, sie zu stärken. Im vergangenen Fiskaljahr schaffte das Unternehmen bei einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro nur einen Gewinn von 28 Millionen Euro.

Der für die Produkte verantwortliche Vorstand Stephan Plenz möchte das Drucken flexibler machen und die Umrüstzeiten von einem Druckauftrag zum nächsten verkürzen. Zudem soll das Drucken personalisiert werden. Beispielsweise können auf einer Maschine Kartons trotz großer Stückzahlen individuell gestaltet werden. Zudem können Kunden etwa Verbrauchsmaterialien auf einer neuen Internet-Plattform bestellen. Dr. Linzbach ist mit dem Verlauf der Messe sehr zufrieden. Wie viele Maschinen dort bestellt worden sind, möchte er am 10. August sagen, wenn er die Quartalszahlen vorlegt. Bis dahin gelten die Ziele für das Gesamtjahr, die Finanzvorstand Dirk Kaliebe ausgegeben hat: Der Umsatz soll demnach um vier Prozent und der Gewinn leicht steigen.

Analysten bemängeln allerdings, Heidelberger Druck könne keinen freien Cashflow erwirtschaften. Im vergangenen Wirtschaftsjahr flossen 63 Millionen Euro Barmittel ab. Um das Umsatzziel zu erreichen, müsste das Unternehmen zudem Firmen zukaufen, weshalb wiederum kein Geld übrig bleibe. Zudem sind die Gewinnspannen auch in den neuen Geschäftsfeldern niedrig. Dafür hat der Konzern jedoch bereits in diesem Monat eine eigentlich bis zum Jahr 2018 laufende mit 9,25 Prozent hoch verzinste Anleihe vorzeitig vollständig getilgt. Schon vergangenes Jahr hatte Heidelberger Druck durch die Ausgabe einer niedriger verzinsten Anleihe die Kosten gedrückt und das Finanzergebnis um gut 30 Millionen Euro verbessert. Finanziell gewinnt das Unternehmen durch die Rückzahlung nun weiteren Spielraum.

Analysten schätzen den Gewinn je Aktie für das laufende Geschäftsjahr auf 0,20 Euro, was einem KGV von 11 entspräche. Der Kurs könnte aus zwei Gründen steigen: Zum einen haben viele Investoren sich Aktien geliehen, um sie zu verkaufen und zu niedrigeren Kursen zurück zu erwerben. Wenn die Notierung jedoch nicht sinkt, müssen sich diese Leerverkäufer eindecken und erzeugen dabei zusätzliche Nachfrage nach den Aktien. Zum anderen sind die Ziele von Kaliebe vorsichtig, weshalb das Unternehmen mit den Zahlen überraschen könnte. Die Sachkenner der Wirtschaftswoche verweisen jedoch auf den derzeit stark schwankenden Aktienmarkt, weshalb Anleger derzeit noch nicht einsteigen sollten. Falls die Notierung bis zur Bekanntgabe der Erstquartals-Zahlen jedoch auf etwa 2,20 Euro sinken sollte, sollten risikobereite Investoren kaufen.

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