Microsoft
- Werner Sperber - Redakteur

Anlage-Experten: Microsoft kauft sich Wachstum und Zukunft

Die Fachleute des Heibel-Ticker verweisen auf die bislang größte, mutige und sinnvolle Übernahme von Microsoft. Die bisherigen Firmenkäufe waren überwiegend belastend und steigerten weder Wachstum noch Firmenwert nennenswert. Der US-Konzern möchte mit dem geplanten Kauf von Linkedin für 26,2 Milliarden Dollar die professionelle mit der sozialen Cloud zusammenführen. Microsoft verfügt über 105 Milliarden Dollar an Bargeldbestand. Zudem hat das Unternehmen eine der erfolgreichsten Cloud-Strategien. Microsoft ist das aussichtsreichste Cloud-Unternehmen dieser Tage, wie die Wachstumsraten belegen.

Andererseits müssen Computer heutzutage entweder für ganz spezielle Anforderungen Höchstleistungen bringen – dieser Markt ist sehr klein – oder nur Internet und E-Mail bieten – dieser Markt ist sehr billig. Microsoft kann nur noch im Geschäft mit anderen Konzernen (business to business; b2b) wachsen. Die Cloud für das b2b-Geschäft muss deutlich höhere Sicherheitsanforderungen erfüllen als die für die gerne mal sorglosen Privatanwender.

Linkedin hat den Firmensitz im Silicon Valley und dort ist es automatisches Denken, neue Geschäftsmodelle auszuprobieren und zu entwickeln. Linkedin verfügt über 10.000 junge, talentierte Mitarbeiter, die allesamt die Welt verändern wollen. Der Kauf ist der beste Weg für Microsoft, um an 10.000 solche IT-Experten zu kommen. Zudem eröffnet Linkedin Microsoft die Möglichkeit, die bereits bestehenden Kunden besser kennenzulernen. Diese Kunden könnten etwa über die in der Hilfe-Funktion zu hinterlegenden Linkedin-Profile gleich die passenden Firmen vorgeschlagen bekommen.

Natürlich ist Linkedin keine 26 Milliarden Dollar wert, denn das Unternehmen ist an die Wachstumsgrenzen gestoßen. Die jüngsten Quartalszahlen enttäuschten. Wenn das als alleinstehendes Unternehmen so bliebe, würde Linkedin zwar weiter viel investieren müssen, bekäme jedoch eine schlechte Presse. Für Linkedin ist die Übernahme zu diesem Preis also ein Segen. Microsoft hingegen muss zukaufen, um zu wachsen. Ob der Kaufpreis irgendwann einmal durch Gewinnbeiträge von Linkedin „zurückgezahlt“ werden kann, ist eher unwichtig. Entscheidend für Microsoft ist die Vision, wie die Menschen in der Zukunft arbeiten werden. Eine Kollaboration über die Cloud ist der Kern der Entwicklung, in der Microsoft tonangebend sein möchte. Mit Linkedin kann das gelingen.

Vorstandsvorsitzender Satya Nadella hat Microsoft wiederbelebt seit er diesen Posten übernommen hat. Nadella hat den Konzern auf die b2b-Welt fokussiert und Wachstum im Cloud-Geschäft erzeugt. Jetzt muss Nadella damit nachhaltiges Wachstum belegen und dazu braucht er Linkedin. Charttechnisch dürfte die Unterstützung bei 50 Dollar stark genug sein. Wenn es gelingt, Wachstum zu zeigen, dürfte der Widerstand bei 55 Dollar überwunden werden. Doch das braucht Zeit.

In den kommenden Wochen wird es viele Berichte über die Chancen und Risiken der Linkedin-Übernahme geben. Die Notierung wird daher in erster Linie durch Meldungen getrieben werden, während die Bewertung nach Ansicht der Fachleute des Heibel-Ticker derzeit fair ist. Es gibt keinen Grund, die Aktie überstürzt zu kaufen, noch zu verkaufen. Wer jedoch einen langfristig soliden Titel ins Depot holen möchte, der kann die Aktie an schwachen Tagen kaufen.

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