- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Amazon schluckt Whole Foods – das sind die nächsten Übernahmeziele!

Der E-Commerce-Riese will sich den Einstieg in den stationären Einzelhandel rund 14 Milliarden Dollar kosten lassen. Der Übernahmehunger von Jeff Bezos dürfte damit jedoch nicht gestillt sein. Ein Unternehmen drängt sich als „Opfer“ geradezu auf.

Erst Supermärkte, dann Food Delivery?

Prangt das Amazon-Logo demnächst über hunderten Supermärkten von Whole Foods? Es sieht ganz danach aus. Sinn macht der geplante Deal für das Online-Schwergewicht (Umsatz 2016: 136 Mrd. Dollar) auf jeden Fall. Seit einiger Zeit arbeiten die Verantwortlichen mit Hochdruck an Lösungen, wie sie das Kundenerlebnis aus dem Online-Handel in die reale Welt, sprich den stationären Einzelhandel transferieren können. Besonders knifflig ist hierbei die Frage, wie sich die ausgefuchsten Algorithmen in einen normalen Supermarkt einsetzen lassen.

Diese „Algos“ sorgen zum Beispiel dafür, dass Kunden, die ein bestimmtes Produkt gekauft haben, weitere Angebote gemacht werden, die zu ihrem Nutzerprofil passen. Amazon hat diese Art des Einkaufens perfektioniert und mit Amazon Go – einem kassenlosen Supermarkt – seit 2016 ein Pilotprojekt am Laufen. Gut möglich, dass das Geschäftsmodell über die Whole Foods-Filialen drübergestülpt wird.

Überschaubarer Erfolg

Dass der Übernahmehunger von Jeff Bezos mit dem Zukauf gestillt ist? Unwahrscheinlich! Der Konzernlenker hat viele offene Baustellen, darunter die Aktivitäten bei Food Delivery. Seit Juni 2016 liefern die Amerikaner beispielsweise Essen im Großraum London aus – mit überschaubarem Erfolg, wie es heißt (Details gibt’s wie so oft nicht). Der Konzern listet auf seiner „Restaurants“-Seite 545 Restaurants auf, bei denen Kunden bestellen können. Geliefert wird das Essen binnen einer Stunde. Unumstrittener Marktführer auf der Insel ist aber Just Eat. Dessen Chef, David Buttress, ist überzeugt: „Bei Food Delivery bekommt der Gewinner alles“. Für alle anderen Wettbewerber bleiben nur Krümel.

Wedbush-Analyst Aaron Turner spekuliert deshalb, dass Bezos Gefallen an dem amerikanischen Food-Delivery-Konzern Grubhub finden könnte: „Für uns klingt die Idee einer Übernahme sinnvoll“. Grubhub führt den US-Markt mit einem Anteil von geschätzten 18 Prozent (Quelle: Datanyze) an. Das Unternehmen verfügt über 50.000 angeschlossene Restaurants und rund neun Millionen aktive Kunden. Für einen Deal müsste Amazon zudem nicht allzutief in die Tasche greifen. Zuletzt wurde Grubhub mit 3,9 Milliarden Dollar bewertet und somit mit dem rund 6fachen der für 2017 erwarteten Umsätze. Das Gewinnvielfache (2017e) beträgt 40, soll 2018 auf 33 sinken. Die Kennziffern liegen auf, beziehungsweise leicht unter dem Niveau der Peer-Group. Just Eat bringt es hier auf KGV 39 und ein KUV von 9.

Fazit: Die Spekulation um Grubhub ist nachvollziehbar und laut Turner könnte Amazon den Anlegern einen Deal mit bis zu 55 Dollar/Aktie versüßen. Dieser Preis entspricht einem zusätzlichen Potenzial von rund 20 Prozent auf den aktuellen Aktienkurs (45 Dollar). Risikofreudige Anleger springen mit einer kleinen Position auf den Zug auf.

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