- Martin Weiß - stellv. Chefredakteur

Amazon-Aktie auf Rekordhoch - droht jetzt die Korrektur?

Mit der Aktie des E-Commerce-Riesen konnte man 2016 nicht viel falsch machen: Seit dem  4. Januar summiert sich der Kursgewinn auf 17 Prozent. Anleger, die während des marktbreiten Februar-Sell-offs beherzt zugriffen, sitzen sogar auf einem Plus von 55 Prozent – und fragen sich jetzt zu recht, wie es mit der Aktie weitergeht. 

Ungebremstes Wachstum, hohe Erwartungen

Operativ gibt es bei Amazon nichts zu mäkeln. Wer in einem – dem ersten – Quartal 29 Milliarden Dollar umsetzt und dabei eine halbe Milliarden Dollar verdient, ist über jede Kritik erhaben. Egal, wo man bei Amazon hinschaut – überall Wachstum. Es ist wie in einem 5-Sterne-Luxushotel, wo selbst unter dem Waschbecken geputzt wird.

Dass die Geschäftsdynamik im zweiten Quartal aus anderen als saisonalen Gründen nachgelassen haben könnte, steht nicht zu befürchten. Am 21. Juli öffnen die Amerikaner die Bücher und Analysten erwarten eine weitere Demonstration der Stärke.

Beim Umsatz lauten die Prognosen auf 29,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren betrugen die Erlöse im gleichen Zeitraum zehn Milliarden weniger. Amazon ist wie ein schwarzes Loch, das jeden online ausgegebenen Dollar unwiderstehlich anzieht. Hier ein Überblick (Umsatz in Milliarden US-Dollar):

  • Q2 2016: 29,6
  • Q2 2015: 22,5
  • Q2 2014: 19,3

 

Prime Day – eine Erfolgsstory

War der erst 2015 eingeführte Prime Day ein Erfolg? Sie können darauf wetten! Nach Einschätzung der Branchenexperten von FBIC könnte der Shopping-Irrsinn dem Konzern 525 Millionen Dollar in die Kassen gespült haben, ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit dem Prime Day will Amazon das Sommer-Geschäft ankurbeln, keine Frage. Da die Veranstaltung aber Prime-Kunden vorbehalten ist, zielt sie in erster Linie auf den Abschluss einer (kostenpflichtigen) Prime-Mitgliedschaft ab.

Abseits von Prime zählt AWS als der Erfolgsfaktor für Amazon. Hinter der Abkürzung verbirgt sich Amazon Web Services und damit vor allem das Cloud-Geschäft. Im ersten Quartal steuerte AWS 2,5 Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz bei, das Wachstum betrug satte 64 Prozent. Dass AWS mehr als die Hälfte des operativen Konzerngewinns erzielt und sich das hartnäckige Gerücht hält, die Sparte könnte abgespalten und als eigenständiges Unternehmen an der Börse platziert werden, macht die Sache für die Anleger extrem spannend.

Das Haar in der Suppe (und nein, es ist nicht nur die Bewertung)

Wo liegt also das Problem? Das 16er-KGV beträgt 140, das für 2017(e) immer noch 75. Sei's drum, könnte man sagen, die Aktie war schon immer teuer. Das ist richtig, gilt aber nur solange der Aktienkurs steigt und Amazon die Öffentlichkeit mit Events wie dem Prime Day bei Laune hält. Jetzt ist der Prime Day vorüber und die vermeintlichen "good news" draußen. Und die Q2-Zahlen? Werden bestimmt prima, jedoch darf man nicht vergessen, dass die Aktie allein seit Mai um 25 Prozent gestiegen ist. Aus Sicht der Charttechnik ist das Papier überkauft und bedarf einer Verschnaufpause.

Fazit: Halten!

Amazon ist klasse! Punkt. Investierte Anleger lassen die Gewinne laufen, getreu dem Motto: the trend is your friend. Die Gefahr, dass der Kurs auch bei guten Q2-Zahlen erst einmal kurzfristig nach unten dreht, ist angesichts des starken Anstiegs nicht wegzudiskutieren.

 

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