- DER AKTIONÄR

Alte Favoriten, neue Chancen?

Von Frank Philips

Myriad Genetics, Millennium und Vertex. Allesamt klingende Namen - allerdings in einer ganz anderen Börsenzeit. Als die Anleger 1999 von der Fantasie des grenzenlosen Wachstums beseelt waren und die Aktienkurse in Schwindel erregende Höhen stiegen, waren die Biotech-Firmen ganz vorn mit dabei; leider auch, als Ende 2000 die Internet-Blase platzte und sämtliche Technologie-Titel mit in die Tiefe riss.

Myriad - Der (Wieder-) Aufsteiger

Vom Hoch im Jahr 2000 ist auch die Aktie von Myriad Genetics Lichtjahre entfernt. Und doch gibt es bei Myriad derzeit keinen Grund für lange Gesichter. Die Aktie befindet sich seit Monaten im Aufwind, die Analysten sprechen unisono Kaufempfehlungen für das Papier aus. Seit der letzten Vorstellung im aktionär vom November 2004 liegt die Myriad-Aktie schon gut 27 Prozent im Plus - Tendenz: weiter steigend. Zu verdanken hat Myriad den Aufschwung vor allem Flurizan. Die Arznei, die derzeit klinische Tests der Phase III durchläuft, soll zur Behandlung von Alzheimer eingesetzt werden. Bislang gibt es für die Demenzerkrankung, an der in den USA über vier Millionen und in Deutschland mehr als 800.000 Menschen leiden, kaum schlagkräftige Therapieoptionen, von einem Heilmittel ganz zu schweigen.

Deutliches Aufwärtspotenzial

Fazit: Auch Flurizan wird Alzheimer nicht heilen können, doch es könnte nach den bislang erzielten Studienergebnissen ein Meilenstein bei der Prophylaxe und der Behandlung sein. Hinzu kommt, dass Myriad Flurizan derzeit auch auf seine Anwendbarkeit bei Prostata-Krebs prüft. Auch hier sind die Tests weit fortgeschritten. Sollten sich die bisher erzielten Resultate bestätigen, könnte sich das Mittel für Myriad - und für dessen Aktionäre - als echter Glücksfall erweisen. Die Aktie bleibt deshalb auf der Kaufliste. Gelingt es dem Papier, den Widerstand im Bereich von 26 Dollar zu überwinden, besteht noch deutliches Aufwärtspotenzial.

Millennium - Der Absteiger

Millennium schien eine Zeit lang am ehesten in der Lage, im Konzert der Großen mitzuspielen. Das Unternehmen pumpte das an der Börse eingenommene Geld konsequent in Forschung und Entwicklung. Mit anfänglichem Erfolg: Recht schnell konnte Millennium zwei marktreife Produkte präsentieren und verfügte über eine Pipeline mit vielversprechenden Wirkstoffen. Doch die Verkäufe des Herz-Kreislauf-Präparates Integrilin und des Krebsmittels Velcade blieben hinter den Erwartungen zurück. Auch bei der Entwicklung neuer Medikamente gab es einige Rückschläge. Zusätzlich verunsicherte die Anleger die Tatsache, dass das Millennium-Management wiederholt schwarze Zahlen ankündigte, um wenig später doch wieder massive Verluste zu melden. Allein im viertel Quartal 2004 machte Millennium fast 95 Millionen Dollar Miese, für das Gesamtjahr steht ein Fehlbetrag von 252 Millionen Dollar zu Buche.

Schwarze Zahlen erst 2007

Fazit: Das Erreichen der Gewinnzone wurde erst einmal wieder auf 2007 verschoben. Ganz abschreiben sollte man Millennium dennoch nicht. Mit einer Cash-Position von über 700 Millionen Dollar ist das Unternehmen von einer Pleite weit entfernt. Hinzu kommt, dass sich die Produktumsätze (2005e: 530 Millionen Dollar) durch eine mögliche Ausweitung der Anwendungsgebiete für das Krebsmittel Velcade noch deutlich erhöhen könnten. Charttechnisch sieht das Papier aktuell schwer angeschlagen aus, ein Kursrückgang bis zum Tief aus dem Jahr 2003 scheint durchaus möglich. Hier dürfte dem Kursverfall jedoch spätestens Einhalt geboten werden. Sehr spekulative Anleger sollten im Bereich von 5,oo Euro ein Abstauberlimit legen und eine kleine Position aufbauen.

Vertex - der Geheimtipp

Auch bei Vertex übten sich die Anleger in den letzten Jahren in vornehmer Zurückhaltung. Horrende Verluste und die Ausfälle einiger Produktkandidaten vergällten den Investoren den Spaß an der Aktie. Seit Herbst 2003 dümpelt das Papier in einer Seitwärtsrange vor sich hin. Vertex schreibt immer noch tiefrote Zahlen. Für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr 2004 erwarten die Analysten einen Verlust von 1,90 Dollar je Aktie, der sich 2005 nur unwesentlich auf 1,74 Dollar je Anteilschein reduzieren dürfte. Doch das Geld, das Vertex ausgibt, könnte gut angelegt sein. Im letzten Jahr konnte das Unternehmen die Entwicklung experimenteller Wirkstoffe zur Behandlung von Hepatitis C deutlich vorantreiben.

Mögliche Revolution in der Hepatitis-C-Behandlung

Fazit: Schon in Kürze sollen klinische Tests der dritten und entscheidenden Phase mit dem Produktkandidaten MMPD (merimepodib) beginnen, nachdem die Phase-II-Studien bislang überaus zufriedenstellende Ergebnisse geliefert haben. Noch vielversprechender scheint das Forschungsprojekt mit dem Namen VX-950. Nach ersten klinischen Tests sprechen Wissenschaftler bereits über eine mögliche Revolution bei der Behandlung von Hepatitis C. Weitere Erfolgsmeldungen dieser Art wären genau der Treibstoff, den der Aktienkurs in den letzten Jahren schmerzlich vermisst hat. Auch hier könnte es sich für wagemutige und geduldige Spekulanten lohnen, sich einige Stücke ins Depot zu legen.

Millenium und Vertex - zwei ganz heiße Eisen

Name
WKN Akt. Kurs in €

Marktkap. in US-$

Entfernung zum Allzeithoch in % Ziel in € Stopp in €
Millennium Pharma 900625 6,79 2,72 Mrd. -89,9 11,50 4,90
Vertex Pharma 882807 7,97 849 Mio. -89,3 15,00 7,97

 

Hinweis: Der Artikel ist in Ausgabe #07/05 von DER AKTIONÄR erschienen.

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