- DER AKTIONÄR

Alles klar bei Solar?

Die Solarindustrie ist auf dem Weg von der Nische in den Massenmarkt. An der Börse ist das längst bekannt – nun sind die meisten Papiere fair bewertet. Einige Papiere sind aber noch klar unterbewertet. meisten Papiere fair bewertet.

Die Solarindustrie ist auf dem Weg von der Nische in den Massenmarkt. An der Börse ist das längst bekannt - nun sind die meisten Papiere fair bewertet.

Von Ingo Hübner

"Das industrielle Zeitalter beginnt", so lautet der verheißungsvolle Titel einer neuen Branchenstudie über den Solarmarkt der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Was weitsichtigen Naturen schon seit geraumer Zeit klar ist, entdeckt nun auch die Analystenwelt für sich. Die Photovoltaikindustrie wird sich sehr wahrscheinlich zu einem der bedeutenden Wirtschaftszweige des 21. Jahrhunderts entwickeln. "Wir würden das derzeitige Stadium mit der Automobilindustrie um 1910 bis 1920 vergleichen - die Zeit, in der das erste Ford T-Modell vom Fließband lief", schreibt Analyst Patrick Hummel, der Autor der Studie. Und das nicht nur wegen des in Deutschland gültigen Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG), an dessen Tropf die Branche derzeit noch hängt.

EEG als Grundlage des Booms

Eines ist aber klar: Seit dem In-Kraft-Treten des EEG im August 2004 haben die Solar-Gesellschaften hohe Planungssicherheit - quasi ein Freibrief für lukrative Geschäfte. Ein Betreiber einer Solaranlage erhält für den in das Netz eingespeisten Strom bis zu 62,4 Cent pro Kilowattstunde. Und das hat die Nachfrage gehörig angeheizt. Rund 340 Megawatt solare Stromleistung haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr ans Netz gebracht und damit dem bisherigen weltweiten Solarstromvorreiter Japan den Rang abgelaufen. Nach den Berechnungen der LBBW beträgt der Weltmarkt derzeit rund 6,3 Milliarden Euro, für das Jahr 2020 prognostiziert das Institut ein Volumen von über 50 Milliarden Euro. Andere Experten rechnen mit einem derartigen Jahresumsatz der Branche schon in sechs bis sieben Jahren. Für diese sonnigen Aussichten sind zunächst die guten Förderbedingungen in Ländern wie Deutschland und Japan verantwortlich. Andere Nationen legen bereits nach: Spanien hat jüngst ein Gesetz ähnlich dem EEG verabschiedet, China, Indien, Südkorea, Thailand und die USA stehen in den Startlöchern. Durfte sich die Branche bereits in den letzten Jahren über rund 30-prozentige Zuwachsraten im Jahr freuen, so ist auch in Zukunft mit einer ähnlichen Größenordnung zu rechnen. Setzt sich der Boom so fort und können die Solarzellenhersteller die Kosten weiter wie bisher senken, dann ist in einem Zeithorizont von acht bis 15 Jahren mit der Wettbewerbsfähigkeit des Solarstroms zu rechnen, so die Prognose der LBBW. Bis es so weit ist, müssen die Unternehmen aber noch kräftig investieren und expandieren. Ausnahmslos hat jeder Solarkonzern in den vergangenen Monaten Geld in die Erweiterung seiner Produktion gesteckt. Zu einem Engpass kommen könnte es bei der Versorgung mit Silizium, der Rohstoff aus dem die Solarzellen sind. Experten warnen, dass es zu einer vorübergehenden Versorgungslücke im Laufe des nächsten Jahres kommen könnte. Für die Hersteller hieße das, dass die Produktion nicht ausgelastet wäre. Gut beraten sind deshalb Konzerne, die bei der Materialbeschaffung stark positioniert sind. Solarworld ist dafür ein gutes Beispiel, die Bonner sind dabei, ihre eigene Siliziumproduktion aufzubauen. Damit ist die wesentliche Gefahr beschrieben, die für die Hersteller in den nächsten Monaten relevant werden könnte: Unterauslastung.

Dynamik auf hohem Niveau

Trotzdem überwiegen bei weitem die positiven Perspektiven. Wie viele andere Branchen haben schon ein derartiges Luxusproblem? Zwar sind die Aktien der Solarunternehmen in den letzten Monaten sehr gut gelaufen, doch mittelfristig besitzen sie weiteres Aufwärtspotenzial. Bezogen auf das 2006er-KGV schneiden Solarworld und Phönix Sonnenstrom innerhalb der Peergroup mit am günstigsten ab. Solarworld hat mit einem Ergebnis von 7,4 Millionen Euro den Gewinn im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr verfünffacht. Zudem hat Unternehmenschef Frank Asbeck ein Gewinn- und Umsatzwachstum von 40 Prozent für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Angesichts des Rekordergebnisses ist diese Prognose nicht zu hoch gegriffen. Da Phönix Sonnenstrom bereits Anfang des Jahres seine geplanten Modulkäufe realisiert hat, sollte auch der Silizium-Mangel dem Ziel eines 30-prozentigen Wachstums in 2005 bei Umsatz und Ertrag nicht im Weg stehen. Evergreen Solar schreibt zwar noch keine Gewinne, doch die Technik des Unternehmens - die Amerikaner haben ein materialsparendes Verfahren zur Herstellung von Solarzellen entwickelt - ist viel versprechend. Nach dem starken Kursrückgang bietet sich auch hier eine Einstiegschance. Die Favoriten des AKTIONÄR bleiben Solarworld und Phönix Sonnenstrom.

Artikel aus DER AKTIONÄR 20/05

 

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