- DER AKTIONÄR

Alcatel - Ein Engel aus Frankreich

Der französische Telekommunikations-Konzern Alcatel hat eine komplexe Restrukturierung hinter sich. Ein Fundament für einen steigenden Aktienkurs?

Wer sich nicht ganz sicher ist, was an der Börse mit „Fallen Angel“ (zu deutsch „gefallener Engel“) gemeint ist, sollte sich einmal den Kursverlauf der Aktie des französischen Telekommunikations-Ausrüsters Alcatel anschauen: Von fast 100 Euro im Boomjahr 2000 fiel die Notierung auf rund zwei Euro im Herbst 2002. Das Platzen der IT-Blase und der Preisverfall im Telekom-Sektor hatten zu Rekordverlusten in der Alcatel-Bilanz geführt und diesen extremen Kursrutsch nach sich gezogen.

Aufträge im Fokus

Seit dem Tief vor drei Jahren hat sich einiges getan: Die Aktie notiert mittlerweile bei zehn Euro – sie war zeitweise sogar schon bei fast 15 – und der Konzern schreibt seit 2004 wieder Gewinne. Leidtragende der Entwicklung waren allerdings 40.000 Angestellte, Alcatel kürzte seine Mitarbeiterzahl um 70 Prozent. Dafür stellte Konzernchef Serge Tchuruk die Weichen auf langfristiges Wachstum: Einige Unternehmensteile wurden verkauft – so etwa die heutige Gesellschaft Alstom, die Kabel- (Nexans) und die Handy-Sparte –, Kooperationen mit anderen Großen wurden gesucht. Jüngster Erfolg ist etwa der 2,2 Milliarden-Euro-Auftrag des australischen Telekommunikationsunternehmens Telstra.

Thales bald in Alcatel-Händen?

Derzeit ist Alcatel vor allem im Zusammenhang mit dem französischen Rüstungselektronik-Konzerns Thales in den Schlagzeilen. So soll Alcatel, das einen 9,5-prozentigen Anteil an Thales hält, an einer Komplettübernahme interessiert sein. Zwar gibt man von Seiten Alcatels diese Interesse auch unverhohlen zu, schließlich wolle man sich mit Thales eine bessere Position im Telekommunikationsmarkt positionieren. Allerdings bezweifeln Marktbeobachter, dass der mit 33 Prozent der Anteile größte Thales-Aktionär, die französische Regierung, schon bald eine Entscheidung über die Zukunft von Thales fällen wird. Bis dato muss sich Alcatel mit kleineren Erfolgen bescheiden. Aber immerhin: Jüngst konnten die Franzosen vermelden, dass der weltweit führende Router-Hersteller Cisco Systems im Service-Provider-Markt Marktanteile an Alcatel verloren hat.

Fazit

Spekulationen um eine Übernahme von Thales dürfen auch zukünftig für Kursbewegungen bei Alcatel sorgen. Und auch ohne diese Fantasie ist die Aktie ein Kaufkandidat: Die konsequente Fokussierung der vergangenen Jahre lässt auf solides Wachstum hoffen, vor diesem Hintergrund ist die Aktie mit einem 2006er-KGV von 16 nicht zu teuer

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