Bertrandt
- Michael Schröder - Redakteur

AKTIONÄR Top-Tipp Bertrandt: Starke Entwicklung erwartet

Egal ob Benziner, Diesel, Hybrid oder Elektro-Antrieb: Ohne Bertrandt geht bei BMW, Daimler, VW und Co in Sachen Mobilität fast nichts. Von der Idee über die Konstruktion bis hin zur Werkzeugherstellung und dem Serienanlauf – der Entwicklungsdienstleister mit Schwerpunkt Automobilbranche ist in allen Bereichen dabei.


Bertrandt profitiert vom langfristig anhaltenden Outsourcing-Trend bei Ingenieur- und Entwicklungsleistungen. Dabei spielen den Schwaben vor allem die Trends zu mehr Komfort, Sicherheit, Vernetzung und umweltfreundlicher Fortbewegung in die Karten. Die Gesellschaft zählt das Who is who der Hersteller und Zulieferer aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie sowie viele Firmen aus anderen technologischen Schlüsselbranchen zu ihren Kunden. Die Automobilbranche ist mit 90 Prozent Umsatzanteil der größte Kunde. Die restlichen zehn Prozent verteilen sich auf die Luftfahrt und die fertigende Industrie.
Neben der starken Wettbewerbsposition verfügt Bertrandt über gefestigte Kundenbeziehungen sowie eine dezen¬trale Organisation mit Niederlassungen in direkter Nähe zum Kunden. Vor Ort werden in eigenen Designstudios, Elektroniklabors sowie Testeinrichtungen Projekte jeder Größe vorangetrieben. Derzeit wird der Bau einer Niederlassung in Immendingen geplant, in direkter Nähe zum Daimler-Prüfzentrum.

„Während die Modellvielfalt der größte Treiber in den 2000er-Jahren war, sehen wir die strengen Abgasnormen sowie die damit einhergehende Elektrifizierung derzeit als größten Treiber“, so Björn Voss gegenüber dem AKTIONÄR. „Darüber hinaus bringen die Pkw-Digitalisierung sowie neue Technologien erhebliche Wachstumspotenziale“, führt der Analyst von Warburg Research aus.

Im Bereich Vernetzung erwarten Branchenkenner in den kommenden fünf Jahren eine Verdreifachung des Marktvolumens auf über 122 Milliarden Euro. Unter Vernetzung versteht man die Verbindung von Infotainment und Multimedia, Fahrerassistenzsystemen sowie Echtzeit-Informationssystemen und allem, was das Thema „autonomes Fahren“ ermöglicht.
Der Volkswagen-Konzern spielt dabei eine große Rolle – nicht nur weil der Konzern rund 25 Prozent der Bertrandt-Anteile hält. Der Umsatzanteil mit der VW-Marke liegt unter 20 Prozent. Die Erlöse, die mit dem gesamten VW-Konzern und allen Töchtern generiert werden, betragen dagegen rund 40 Prozent. „Als zum Konzern zugehöriges Unternehmen ist Bertrandt natürlicher Partner für Outsourcing“, so Voss. Bei der Präsentation der Strategie 2025 hat der VW-Konzern schon angedeutet, noch mehr Forschungs- und Entwicklungstätigkeit (F&E) auslagern zu wollen. Mit Ex-BMW-Entwicklungschef Herbert Diess als VW-Markenchef könnte das Thema „Outsourcing“ künftig einen größeren Stellenwert erlangen. Bei BMW beträgt die Outsourcing-Quote bis zu 40 Prozent. Bei Volkswagen liegt sie gerade mal bei rund 20 Prozent. Ebenfalls positiv: „Die Strategie der Wolfsburger, 30 neue E-Autos auf den Markt zu bringen, erfordert viel mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, als die Streichung von 40 Kombis oder Coupes aus einer Baureihe einspart“, weiß der Experte.

„Die Umstellung der F&E-Organisation bei VW hat bei allen Dienstleistern zu Jahresanfang Spuren hinterlassen. Lange geplante Projekte wurden kurzfristig verschoben oder nicht abgerufen“, so der Warburg-Experte. „Wir gehen davon aus, dass sich im Laufe der letzten Wochen eine Normalisierung bei VW eingestellt hat und Bertrandt somit wieder auf den ursprünglichen Wachstumspfad zurückgekehrt ist.“ Nach einem schwächeren zweiten Quartal dürfte sich die Geschäftsdynamik im dritten Quartal 2015/16 demnach wieder verbessert haben – und die Jahresprognosen erreicht werden. „Wir rechnen vor allem für das Abschlussquartal mit einer starken Geschäftsentwicklung und EBIT-Margen über zehn Prozent. Allerdings wird man die Schwäche zum Jahresanfang nicht gänzlich wieder aufholen können, sodass im Gesamtjahr die Mitte der jeweiligen Zielspannen bei Umsatzwachstum und EBIT-Marge erreicht werden sollten. Dies sind im Branchenumfeld aber dennoch starke Performance-Indikatoren“, stimmt Voss zu.

Bertrandt selbst sieht aufgrund der guten Marktbedingungen weiterhin unternehmerische Perspektiven mit einem kurz- bis mittelfristigen Umsatzwachstum von sieben bis zehn Prozent sowie einem operativen Ergebnis zwischen acht und 10,5 Prozent vom Umsatz pro Jahr. 

Starkes Wachstum führt zu hohen Schulungskosten, bei Nullwachstum wäre sogar eine EBIT-Marge von rund zwölf Prozent möglich. Bei aller Euphorie sollte man daher die Risiken nicht ausblenden. Um erfolgreich agieren zu können, ist ein anhaltend starker Fokus auf die Kostenpositionen unerlässlich. Ein aggressives Preisverhalten von Wettbewerbern könnte sich bei Bertrandt negativ auf Margen und Umsatzwachstum auswirken. Zudem wird sich die Gesellschaft nie von den globalen Branchentrends abkoppeln können. Im Falle eines schwierigen Automobilumfelds leidet auch der Dienstleister. „Aufgrund der Abhängigkeit von den vergleichsweise stabilen F&E-Budgets allerdings weitaus weniger stark als Komponentenzulieferer“, so Voss.

Bertrandt ist stark aufgestellt und profitiert von vielen Megatrends im Automobilbereich. Der Gezeitenwechsel bei VW dürfte die Auftragsbücher kräftig füllen. Die verbesserte Geschäftsdynamik wird in den nächsten Quartalsberichten sichtbar. Der jüngste Rücksetzer bietet bei der im Peergroup-Vergleich günstigen Aktie daher eine günstige Gelegenheit, das Depot etwas mobiler aufzustellen.

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