- Alfred Maydorn - Redakteur

Aktien so überkauft wie seit 38 Jahren nicht mehr – droht jetzt der Absturz?

Aus der heutigen Ausgabe von Maydorns Meinung: Das neue Jahr beginnt – zumindest in den USA – so wie das alte aufgehört hat: Die Indizes eilen von Rekord zu Rekord. Am Freitag hat der Dow Jones um weitere 228 Punkte zugelegt und den nächsten Rekord mit 25.802 Punkten markiert. An den ersten neun Handelstagen summiert sich das Plus bei Dow jetzt schon auf 4,4 Prozent. Damit haben die US-Börsen den besten Jahresstart seit 2003 hingelegt. 

RSI auf höchstem Wert seit 1980

Heute allerdings geht die Rallye garantiert nicht weiter – was aber nur daran liegt, dass die US-Börsen an diesem Montag aufgrund eines Feiertages geschlossen bleiben. Wie es dann weitergeht, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Nicht wenige Experten prognostizieren in absehbarer Zeit einen kräftigen Kurseinbruch. Als Begründungen werden immer wieder die hohen Bewertungen am Aktienmarkt und steigende Zinsen genannt. Und jetzt haben die Pessimisten „neues Futter“ bekommen. Denn der unter Charttechnikern durchaus vielbeachtete RSI-Index (auf Wochenbasis) ist zuletzt auf das höchste Niveau seit 38 Jahren gestiegen. Der RSI zeigt an, ob ein Aktienmarkt überkauft oder überverkauft ist. Werte von über 80 gelten als überkauft, aktuell notiert der RSI für den S&P 500 sogar bei fast 86 – und damit so hoch wie zuletzt im Jahr 1980. 

Überkauft – und was passiert dann?

Ein derart hoher RSI-Wert mag Charttechniker vielleicht nervös machen, aber ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich „normale“ Anleger wenig Sorgen machen müssen – zumindest noch nicht. Seit 1950 ist der RSI insgesamt 13 Mal über einen Wert von 80 gestiegen. Und in den nachfolgenden 12 Monaten ist nicht nur ein größerer Kursrutsch ausgeblieben, in 12 dieser 13 Fälle haben die Kurse sogar recht deutlich zugelegt. Und auch der Rekordwert im Jahr 1980 zog nur einen kleineren Rücksetzer nach sich, im Jahr 1982 startete dann vielmehr die größte Rallye des letzten Jahrhunderts, der Dow Jones hat sich von 1982 bis 1999 mehr als versiebenfacht. 

Fokus auf die Unternehmensgewinne

Der RSI-Indikator wird nicht das letzte Argument der Bären für einen größeren Kurseinbruch gewesen sein. Aber jetzt gilt der Fokus zunächst der gerade begonnenen Quartalssaison. Und das dürfte die beste seit sieben Jahren werden. Für das vierte Quartal wird in den USA mit Gewinnsteigerungen von fast 12 Prozent gerechnet – das hatte es zuletzt im Jahr 2011 gegeben. Erstmals seit ebenfalls sehr langer Zeit werden für alle elf Branchen der US-Wirtschaft steigende Gewinne prognostiziert. Und nicht nur Gewinne sollen zulegen, sondern auch die Umsätze – und zwar um durchschnittlich immerhin sieben Prozent. 

Ob der RSI überkauft oder überverkauft ist, interessiert in der nächsten Zeit höchstens am Rande, der Fokus liegt jetzt ganz klar auf den Unternehmenszahlen – und da könnten die Aussichten kaum besser sein. 

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